Die eingewanderte Hyalomma-Zecke ist zwei- bis dreimal so groß wie der gemeine Holzbock – und hat geringelte Beine. Foto: dpa

Die Hyalomma-Zecke hat wohl erstmals in Deutschland einen Menschen mit Fleckfieber infiziert. Doch was ist dieses Fieber überhaupt? Und sind die Zecken eine ernstzunehmende Gefahr? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Stuttgart - Es ist der erste Fall, in dem eine Hyalomma-Zecke hierzulande vermutlich einen Menschen mit Fleckfieber infiziert hat: Forscher der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München haben den Fleckfieber-Erreger in der betreffenden Zecke nachgewiesen.

Was ist geschehen?

Ende Juli wurde ein Pferdebesitzer aus der Nähe von Siegen von einer Hyalomma-Zecke gestochen, ein paar Tage später kam er mit Symptomen und Verdacht auf Fleckfieber ins Krankenhaus. Weil der Mann die Zecke an die Zeckenforscher der Universität Hohenheim geschickt hatte, konnte sie genau untersucht werden. Nun ist klar: Die Hyalomma-Zecke trug tatsächlich den Fleckfieber-Erreger in sich, Rickettsia aeschlimannii im Fachbegriff. Erstmals ist in Deutschland also vermutlich ein Mensch durch den Stich der Riesenzecke mit Fleckfieber infiziert worden. Der Patient konnte erfolgreich mit einem Antibiotikum behandelt werden. In seinem Fall ist von einem Verdachtsfall die Rede, weil die Experten die Fleckfieber-Erreger im Körper des Patienten nicht direkt nachweisen konnten, sondern nur in der Zecke.

Wie gefährlich ist das Fleckfieber?

Fleckfieber wird durch eine Übertragung von kleinen Bakterien – Rickettsien genannt – verursacht. Bei infizierten Menschen kommt es zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und zu dem Gefühl von Verbrennungen. Außerdem bildet sich auf der Haut von Betroffenen ein Ausschlag mit roten Flecken. Experten geben aber Entwarnung: „Die Rickettsien-Art ist relativ unproblematisch“, sagt Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart. „Man kann das Zecken-Fleckfieber gut therapieren, im Zweifel heilt es sogar von alleine wieder ab. Tödlich ist es nicht.“

Steigt die Gefahr solcher Infektionen?

Durch den aktuellen Fall bestehe nun „leider der Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des tropischen Zeckenfleckfiebers durch Hyalomma-Zecken tatsächlich möglich ist“, sagt Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. Knapp die Hälfte der Zecken dieser Gattung seien mit Erregern infiziert. Das klingt zunächst einmal viel, doch Biologe Rainer Oehme betont: „Der Fall war ein Zufall, und die Übertragung wird auch künftig äußerst selten vorkommen.“ Denn üblicherweise gehen die tropischen Zecken nicht so häufig auf Menschen, sondern stechen meist Weidetiere. Außerdem sei die Übertragungsrate nicht 100 Prozent – also selbst dann, wenn die beißende Zecke den Erreger trägt, bringe das nicht automatisch eine Infektion mit sich. „Eine große Gesundheitsgefahr für die Menschen besteht nicht“, sagt Rainer Oehme.

Viele Arten der Hyalomma-Zecken gelten als Überträger auch für andere Krankheiten, etwa das Krim-Kongo-Fieber. Doch die in Deutschland seit dem vergangenen Jahr gefundenen und untersuchten Zecken trugen den gefährlichen Erreger nicht in sich.

Nehmen die Hyalomma-Zecken zu?

Die Zahl der hierzulande gefundenen Zecken der Gattung liege höher als noch im vergangenen Jahr, berichtet Ute Mackenstedt. Etwas unter 60 Hyalomma-Zecken wurden den Forschern geschickt. Aber: „Die Zecken sind in Deutschland nach wie vor extrem selten.“

Die Zecken stammen eigentlich aus den Trockengebieten Asiens und Afrikas, sind inzwischen aber auch in Anatolien, auf dem Balkan, im Süden Spaniens und Portugals heimisch. Mit Zugvögeln gelangen sie dann nach Deutschland. Zwar hätten sie in diesem Jahr erstmals auch hier überwintert, doch noch sei das deutsche Klima für die tropische Gattung eigentlich nicht optimal, sagt Oehme.

Was tun beim Verdacht auf den Biss einer Hyalomma-Zecke?

Weil die Hyalomma-Zecke deutlich größer ist als der hierzulande heimische gemeine Holzbock, würde man sie auf dem Körper bemerken. Wer eine festgebissene Zecke findet, sollte sie am besten wie eine einheimische Zecke mit Zeckenzange oder Pinzette entfernen, raten die Experten.

Um die Ausbreitung zu erforschen rufen die Forscher weiter dazu auf, die Zecken in einem kleinen, festverschlossenen Behälter an die Abteilung Parasitologie der Universität Hohenheim zu schicken.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: