Jan Szameitat und Mehtap Kaya gaben sich im Autokino das Ja-Wort. Foto: Gottfried Stoppel

Eigentlich war die Hochzeit dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie schon abgesagt – aber dann gab es für Mehtap Kaya und Jan Szameitat doch noch ein Fest. Am Samstag wurden sie in Auenwald getraut.

Auenwald - Zwei Tage danach sind Mehtap Kaya und Jan Szameitat noch immer ganz verzaubert: Am vergangenen Samstag haben sie standesamtlich geheiratet – im Auenwalder Autokino. „Es war einzigartig, so traumhaft! Ich hätte nie gedacht, dass es so schön ist“, sagt Mehtap Kaya. Dabei hatte sich das Paar eigentlich schon von dem Gedanken verabschiedet, in diesem Jahr noch zu heiraten.

Die Trauung sei ursprünglich für Anfang April geplant gewesen, die große Feier dann einige Wochen später, erzählt Jan Szameitat. Doch die Corona-Pandemie machte alle Pläne zunichte. „Ohne unsere Familien wollten wir nicht heiraten“, sagt der 33-Jährige. Nicht nur wegen der abgesagten Hochzeit seien die vergangenen Wochen eine „Achterbahn der Gefühle“ gewesen, erinnert sich Kaya: Bei ihr war eine Operation geplant, die wegen der Pandemie auf Ende April verschoben wurde. Zum 1. Mai zog das Paar außerdem in eine neue Wohnung. „Es ist so viel passiert“, berichtet die 31-Jährige.

Familie und Freunde halfen mit

Dann kam vor rund vier Wochen der Vorschlag von Szameitats Cousin, Thomas Bader: Ob das Paar nicht im Autokino in Auenwald getraut werden wolle. Nach kurzer Bedenkzeit sagten die beiden zu – Mehtap Kaya war der Spaß an den Hochzeitsvorbereitungen allerdings inzwischen vergangenen. „Aber Jan hat mich beruhigt“, erzählt sie. Mit viel Liebe und Hingabe arbeiteten Familie und Freunde daran, dem Paar einen unvergesslichen Tag zu bescheren.

So stellte etwa ein Kumpel des Bräutigams extra seinen Oldtimer zur Verfügung, um die Fahrt zur Trauung zu etwas Besonderem zu machen und ein Bekannter der Braut spielte live am Klavier – unter anderem den Imperial March aus Star Wars zum Einzug des Bräutigams. „Wir konnten den Tag wirklich genießen. Dafür wollen wir uns bei allen ganz herzlich bedanken“, betont Jan Szameitat und seine Frau pflichtet ihm bei: „Es gab so viele schöne Überraschungen. Und alles war so liebevoll dekoriert.“

Jeder kann im Autokino heiraten

2011 hat sich das Paar an der Universität Stuttgart kennengelernt, beide studierten Mathematik auf Lehramt. 2017 machte Jan Mehtap einen Antrag, 2018 hielt er bei ihrer Familie um ihre Hand an. Und nun ist das Paar das vermutlich erste in Baden-Württemberg, das in einem Autokino geheiratet hat. Der Auenwalder Gemeinderat hatte den außergewöhnlichen Trauort zuvor genehmigt. „Das steht allen offen“, sagt Jan Szameitat.

Es gebe bereits drei weitere interessierte Paare, bestätigt Yvonne Bader, die Hauptamtsleiterin. Sie hat den Cousin ihres Mannes und seine Verlobte am Samstag getraut. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, erzählt sie. Vieles habe man angesichts der Pandemie umdenken müssen: Auf den Handschlag wurde verzichtet, jeder musste mit einem eigenen Stift unterschreiben und nach dem Ja-Wort gab es ein Hupkonzert. Die Standesbeamtin trug ein Headset, mit dem ihre Worte auf die Autoradios der rund 50 Gäste übertragen wurden. „Es hat alles gut funktioniert“, sagt Bader. Wer nicht persönlich anreisen konnte, für den wurde die Hochzeit per Livestream übertragen.

Positive Resonanz

Nach der Trauung gingen die Frischvermählten von Auto zu Auto und nahmen die Glückwünsche entgegen – mit Maske und Sicherheitsabstand. Anschließend gab es in der Auenwaldhalle ein Catering. „Die Tische standen mit Abstand, Haushalt für Haushalt. Man war vorsichtig, es war schon eine andere Stimmung“, sagt Kaya. „Aber die Gesundheit geht vor.“ Einige Gäste seien zur Sicherheit gleich nach der Zeremonie wieder nach Hause gefahren.

Trotzdem ist das Paar froh, dass alle dabei sein konnten – „sogar eine Freundin aus der Schweiz ist gekommen“, sagt die Braut überwältigt. Von den Gästen hätten sie nur positive Resonanz bekommen, erzählt ihr Mann. „Vieles geht trotz Corona – aber halt anders. Dafür muss man aufgeschlossen sein.“ Die große Feier werde nächstes Jahr nachgeholt.

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