Die Neue Mitte Remsecks: Neben Rathaus und Stadthalle (Vordergrund) soll eine neue Neckarbrücke (Hintergrund) entstehen. Wann, ist aber noch offen. Foto: Stadt Remseck

Die geplante Westrandbrücke soll das tägliche Stauchaos bei Remseck auflösen, ist aber hoch umstritten. Bei einer Infoveranstaltung über das Projekt gibt es harsche Kritik an der Stadt – und die Frage, ob die Bürger über das Projekt abstimmen dürfen.

Remseck - Die Gemeindehalle im Remsecker Stadtteil Aldingen ist eigentlich kein Ort, der im Verdacht steht, dass sich dort regelmäßig Menschenmassen versammeln, strahlt sie doch eher den Charme einer in die Jahre gekommenen Schulsportstätte aus. Damit an einem kalten Mittwochabend trotzdem Hunderte Frauen und Männer jeden Alters auf Stühlen, Holzbänken oder dem Boden Platz nehmen, muss also etwas Besonderes geboten werden – so wie in dieser Woche.

Zum ersten Mal präsentierte die Stadtverwaltung ihre Pläne für die umstrittene Westrandbrücke. Jene Pläne also, über die das Rathaus und das Land jahrelang gerungen haben, und für die nun ein Kompromiss gefunden ist. Demnach soll eine dreispurige, 140 Meter lange Brücke einige hundert Meter flussaufwärts von der bestehenden Querung in Richtung Stuttgart über den Neckar gebaut werden. Sie soll den täglichen Stau auf der wichtigen Verbindungsroute zwischen dem Kreis Ludwigsburg, der Stadt Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis auflösen und der Stadt ermöglichen, neue Wohngebiete zu erschließen – unter anderem dort, wo sich jetzt ein Betonwerk befindet.

Die Meinungen über die Brücke gehen weit auseinander

Klar war schon im Vorfeld, dass längst nicht alle Remsecker von dem Projekt begeistert sind, vor allem die Bürgerinitiative „Wir für morgen“ hatte viel Stimmung gemacht. Am Mittwochabend wurde deutlich: Die Stadt scheint gespalten. Während manche Bürger während einer Fragerunde die Vorteile der neuen Brücke priesen und lobten, „dass endlich mal etwas vorangeht“, waren andere Redner äußerst skeptisch. Sie sorgen sich um die künftige Anbindung zwischen den sechs Stadtteilen, die Lärm- und Schmutzbelastung durch den Verkehr, auch darum, ob trotz der neuen Brücke ein Nordostring gebaut wird – oder wie lange man künftig vor einer Ampel warten muss, wenn man morgens sein Kind in die Kita fahren möchte.

Scharfe Kritik gab es an der Kommunikationspolitik der Stadt: Man habe den Eindruck, alle Entscheidungen seien bereits gefallen, und erst jetzt würden die Bürger informiert, sagte ein älterer Herr.

Viel Applaus für die neue Bürgermeisterin

Die Baubürgermeisterin Birgit Priebe, noch keine drei Monate im Amt, beantwortete jedes noch so kleine Anliegen charmant und höflich, wofür sie viel Applaus bekam. Zwei Fragen konnten aber weder sie noch der Oberbürgermeister Dirk Schönberger (parteilos) beantworten: Wann die Brücke denn gebaut werden soll – und ob die Bürger die Chance haben, über das Projekt abzustimmen.

Bisher hat sich die Stadt zu einem Bürgerentscheid eher zurückhaltend geäußert, von der Bürgerinitiative ist er immer wieder gefordert worden, so auch am Mittwochabend. Der Rathauschef Schönberger schloss eine Abstimmung nicht aus, kündigte aber an, dass sich zunächst einmal der Gemeinderat zu den Brückenplänen positionieren müsse. Das soll Ende des Monats geschehen. „Es geht nicht um eine Brücke für mich. Das Ziel muss vielmehr sei, den Schleichverkehr aus den Stadtteilen herauszubekommen“, sagte Schönberger.

Eine politische Mehrheit für den Bau ist absehbar, nur die FDP-Fraktion steht der Westrandbrücke kritisch gegenüber und hat ihrerseits schon mehrfach einen Bürgerentscheid beantragt.

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