Ein riesiger Krater ist nach der Explosion einer Weltkriegsbombe auf einem Gerstenfeld bei Ahlbach nahe Limburg in Hessen zu sehen. Foto: Boris Roessler/dpa

Eine nächtliche Explosion hat einen riesigen Krater in ein Gerstenfeld nahe Limburg gesprengt. Die Ursache steht nun fest: Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hatte sich selbst entzündet.

Limburg - Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat in Hessen einen großen Krater in ein Feld gerissen. Das Loch sei rund vier Meter tief und habe einen Durchmesser von etwa zehn Metern, sagte ein Sprecher der Polizei am Montag. Die Weltkriegsbombe habe sich auf dem Feld bei Limburg durch einen Langzeitzünder selbst entzündet. Verletzt wurde niemand.

Bombe mit 250 Kilogramm Gewicht

Ein lauter Knall hatte Anwohner in der Nacht zum Sonntag um 3:52 Uhr aufgeschreckt, wie es hieß. Erst am nächsten Tag sei der große Krater bemerkt worden. Experten des Kampfmittelräumdienstes untersuchten daraufhin den Unglücksort.

Am Montag lag das Ergebnis vor: Es handele sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, um eine Bombe. Sie lag demnach in mindestens vier Metern Tiefe, hatte 250 Kilogramm Gewicht und verfügte über einen chemischen Zünder.

Dass eine Bombe ohne Fremdeinwirkung detoniert, weil sich der Zünder zersetzt, kommt nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt statistisch gesehen etwa einmal im Jahr in Deutschland vor.

So läuft eine Bombenentschärfung ab

Bombenentschärfungen wie zuletzt auf einem Spielplatz in Stuttgart-Weilimdorf kommen dagegen häufiger vor. Die Entschärfung von Blindgängern läuft technisch folgendermaßen ab: Als Entschärfungsgerät werden die Kampfmittelräumer eine sogenannte Raketenklemme einsetzen. Dabei handelt es sich um Fern-Entschärfungsgerät, mit dem der Zünder eines Blindgängers schlagartig herausgedreht werden und so die Sprengladung nicht mehr explodieren kann. „Da gibt’s einen kleinen Knall, aber der ist nicht beunruhigend.“ Den Unterschied zum großen Knall werde man definitiv hören, sagt Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst.

Die bisher größten Evakuierungen

Millionen von Bomben fielen im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland. Noch heute liegen viele Blindgänger im Boden, die aufwendig entschärft werden müssen. Hier einige spektakuläre Fälle:

Frankfurt am Main, August 2017: Während Bauarbeiten am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität wird eine britische Luftmine vom Typ HC-4000 (auch Blockbuster oder Wohnblockknacker genannt) gefunden. Rund 70 000 Menschen müssen während der Entschärfung des Blindgängers kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen.

Koblenz, August 2017: Zur Entschärfung einer 500-Kilogramm-Bombe ist für Anfang September eine Evakuierung geplant, die 21 000 Menschen betrifft. Auch ein Gefängnis und ein Krankenhaus werden geräumt.

Hildesheim, August 2017: In der Nacht müssen rund 20 000 Menschen ihre Wohnungen wegen eines Blindgängers verlassen. Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärfen den mehr als 200 Kilogramm schweren Sprengsatz.

Hannover, Mai 2017: Drei Fliegerbomben werden entschärft. Rund 50 000 Menschen müssen ihre Wohnungen dafür verlassen.

Augsburg, Dezember 2016: Die bislang größte Evakuierung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. etwa 54 000 Menschen müssen raus aus ihren Wohnungen, damit eine 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe in der Innenstadt entschärft werden kann.

Köln, Mai 2015: Rund 20 000 Menschen verlassen ihre Wohnungen, weil die Experten eine 20 Zentner schwere Fliegerbombe unschädlich machen müssen. Unter ihnen sind mehr als 1000 Bewohner eines Altenheims.

Hannover, Mai 2015: Auf einem früheren Schulgelände wird eine Bombe entdeckt. 31 000 Menschen sind von der Evakuierung betroffen.

Dortmund, November 2013: Ohne Komplikationen kann ein 1,8 Tonnen schwerer Blindgänger unschädlich gemacht werden. 20 000 Menschen müssen dafür die Gefahrenzone verlassen.

Koblenz, Dezember 2011: Von der Evakuierung wegen eines Blindgängers sind rund 45 000 Menschen betroffen – fast jeder zweite Einwohner der Stadt: Koblenz hatte damals rund 107 000 Einwohner.

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