Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer (links) und Verkehrsminister Winfried Hermann auf dem Stuttgarter Flughafen Foto: Leif Piechowski/LICHTGUT

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann will die Interessen des Flughafens und den Klimaschutz versöhnen. Dabei wendet sich der Grüne gegen weitere Kurzstreckenflüge und plädiert für eine noch höhere Ticketsteuer.

Stuttgart - Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann setzt sich für eine Einschränkung von Kurzstreckenflügen ab Stuttgart ein. „Wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, wird es aus meiner Sicht als Verkehrsminister nicht möglich sein, dass wir jede Annehmlichkeit, die wir uns leisten und dabei das Klima ruinieren, aufrechterhalten.“ Es sei doch „keine Zumutung, mit dem Zug zu fahren“, setzt der Grüne hinzu, der auch dem Aufsichtsrat des Flughafens vorsitzt.

Das Angebot auf der Schiene müsse so verbessert werden, „dass sich die Kurzstreckenflüge von selbst erledigen“, weil sie sich für die Fluggesellschaften nicht mehr rechnen. Den Fluggästen müsste man einen Check-in in Stuttgart anbieten, damit sie lieber mit der Bahn nach Frankfurt oder München fahren. Aufsichtsrat und Geschäftsführung des Filder-Airports diskutieren Hermann zufolge derzeit darüber, „wie man dazu ein gutes Geschäftsmodell findet, das den Interessen des Flughafens, der Fluggesellschaften und des Klimaschutzes gerecht wird“. Im Sommer hatte bereits Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) den Verzicht auf Kurzstreckenflüge gefordert.

„Den Flugverkehr für die Kosten in die Pflicht nehmen“

Mit Blick auf die Ticketsteuer, die die Bundesregierung in ihrem Klimapaket angehoben hat, sagte Hermann: „Als grüner Politiker bin ich schon froh, dass die Bundesregierung überhaupt eine Lösung gefunden hat.“ Der Vorteil sei, dass sie schnell umgesetzt werden könne. „Gemessen daran, wie billig der Flugverkehr inzwischen ist, ist der Aufschlag verkraftbar.“ Der Flugverkehr belaste Umwelt und Klima – er könne nicht so billig bleiben, wie er ist. Da könne er als Verkehrspolitiker die Klagen der Branche nicht verstehen, „weil sie mit ihrem Dumpingwettbewerb den Flugverkehr selbst an den Rand der Rentabilität gebracht hat“.

Der Minister befürwortet sogar eine weitere Anhebung der Ticketsteuer in der Zukunft: „Die Erhöhung der Luftverkehrsabgabe ist aus meiner umweltpolitischen Einschätzung immer noch nicht angemessen – und eine neue Bundesregierung wird sicherlich erneut darüber befinden, wie sie den Flugverkehr für die Kosten, die er beim Klima anrichtet, in die Pflicht nehmen muss.“ Dann wäre er auch bereit zu sagen: „Ein Teil davon muss in die Entwicklung neuer Kraftstoffe gesteckt werden.“ Damit kommt Hermann wiederum den Forderungen der Luftverkehrswirtschaft entgegen.

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