In der Matchmaker-Bar kann man analog nach einem Partner fürs Leben Ausschau halten. Foto: Sturmhoebel

Er ist Irlands berühmtester Heiratsvermittler: Willie Daly hat schon 3700 Ehen gestiftet. Im Interview gibt er Einblicke in seine Arbeit – und praktische Tipps für die Liebe.

Stuttgart - Der irische Heiratsvermittler Willie Daly rät Frauen, nicht zu lange zu warten. Er beklagt auch, dass Partnersuchende heute viel wählerischer sind als früher. Bei seiner Arbeit stützt er sich vor allem auf ein altes Buch, in dem alles steht, was er über seine Kandidaten wissen muss. -

Mister Daly, es gibt Online-Partnervermittlungen, Dating-Apps, Internet-Singlebörsen. Ist Ihr Job nicht überflüssig?

Wollen Sie einer Frau in die Augen schauen, ihren Griff spüren, sich von ihrem Tanz verzaubern lassen? Oder wollen Sie nur Tasten drücken? Ich mache genau das Gegenteil dieser kalten, gefühllosen, automatisierten Partnervermittlungen. Ich schaue mir die Leute an, versuche herauszufinden wie sie ticken und arrangiere dann ein Treffen. Mein „Lucky Book“ trage ich stets bei mir. Darin stehen Partneranfragen, Telefonnummern, Vorlieben. Mein Großvater hat damit begonnen, das Buch ist 161 Jahre alt und hat tausende Menschen glücklich gemacht.

Früher haben Sie sicher viele einsame Bauern verkuppelt.

Ich war vor allem bei Pferde- und Viehmärkten aktiv, bei Hochzeiten und Beerdigungen. Damals waren Matchmaker sehr wichtig, denn nur die Erstgeborenen waren begehrt – sie erbten den Hof. Die anderen sieben oder acht Söhne hatten Schwierigkeiten, Bräute zu finden. So fing ich an, in immer größerem Umkreis nach Frauen zu suchen. Heiratswillige Damen meldeten sich per Brief, Telegramm und Telefon. Damals ging es für Frauen nur darum, ein Dach über dem Kopf zu haben. Die Liebe, so hieß es, würde schon nach der Heirat und den ersten Kindern kommen. Seit den 80er Jahren veranstalte ich hier bei uns im Ort ein Festival, auf dem sich Heiratswillige kennenlernen können. Vergangenes Jahr kamen 60 000.

Haben sich die Ansprüche geändert?

Die Leute sind wählerischer geworden, schwieriger. Früher haben 90 Prozent derer, die ich miteinander in Kontakt gebracht habe, geheiratet. Heute sind vor allem die Frauen unabhängiger, selbstbewusster. Sie haben eigene Jobs und eigenes Geld. Früher suchten sehr viel ältere Männer junge Bräute, heute ist es eher so, dass ältere Frauen unterwegs sind, die junge Männer kennenlernen wollen. Einst haben die Heiratswilligen in der Rubrik Sonstiges „12 Schafe“ angegeben. Heute brauchen sie ein Extrablatt für alle Wünsche und Einschränkungen.

Was ist der perfekte Ort, um den Menschen für den Rest seines Lebens zu treffen?

Da bin ich extrem voreingenommen: Ein echtes irisches Pub mit Live-Musik, viel Bier und Tanz ist das Zentrum des Universums. Hier ist alles möglich. Aber ich weiß natürlich, dass es auch andere Möglichkeiten gibt sich kennenzulernen.

Wie wichtig sind Geld und Besitz?

Das ist ein Thema, das früher eine größere Rolle spielte. Da ging es auch darum, welche Mitgift eine Frau mit in die Ehe einbringen kann. Ein paar Kühe, ein paar Morgen Land oder etwas Geld konnten die Liebe schon mal beflügeln. Heute ist das weitgehend irrelevant geworden. Aber es gibt immer Ausnahmen.

Wie wichtig ist es, die richtigen Worte zu finden?

Oft sind es die Casanovas, die die Frauen mit vielen Worten einlullen. Dahinter verbirgt sich oft nicht viel. Ich bin ein Freund weniger Worte. Oft sind die Schüchternen, die sich am Anfang nicht trauen eine Frau anzusprechen, später diejenigen, die in einer Ehe für Unterhaltung und Tiefe sorgen.

Also ist das Äußere entscheidender?

Attraktivität ist wie das Zündholz, das eine Flamme entzündet. Liebe auf den ersten Blick gibt es natürlich, und sie beruht von Natur aus auf Äußerlichkeiten. Ich erlebe das oft: ein Augenkontakt, eine Berührung, ein Lächeln und dann fliegen die Funken. Liebe ist pure Magie! Ich muss allerdings auch sagen, dass ich schon einen Instinkt dafür entwickelt habe, wen ich zusammenbringe. Es ist nicht alles Zufall.

Haben Sie auch Erfahrungen mit Deutschen?

Ja, relativ gute sogar. Viele deutsche Frauen wissen genau was sie an einem Mann wollen. Sie sind offen für Neues und bereit, sich voll und ganz auf eine andere Welt einzulassen und zum Beispiel auf eine Farm in Irland zu ziehen. Sie sind inspirierend für irische Männer, meist treu und genießen das Leben. Manchmal romantisieren sie allerdings zu sehr und verherrlichen das Leben anderswo.

Wie sieht es bei anderen Nationalitäten aus?

Britische Frauen geben oft relativ schnell auf, wenn es am Anfang nicht gleich der Richtige ist. Für viele Amerikaner ist Geld kein Thema, davon haben die meisten genug, aber sie haben manchmal Probleme mit echten Gefühlen. Italienische Männer glauben, sie seien sehr romantisch veranlagt, was nicht immer der Realität entspricht. Überraschenderweise trinken sie selten viel. Bei deutschen Männern ist es genau andersherum, die trinken ihr Guinness und sind oft romantischer als man denkt.

Was hält die Liebe jung?

Ältere Männer und Frauen sollten sich nicht davor scheuen zuzugeben, dass sie auf der Suche nach jemandem sind. Oft denken sie, sie seien zu alt und ihnen fehlt der Mut, sich nach gescheiterten Ehen auf etwas Neues einzulassen. Dabei ist ein Neuanfang immer genau das: ein Neuanfang. Generell ist wichtig, dass die Partner nicht zu hochgeschraubte Erwartungen haben. Nicht jeder Tag ist einer, an den man sich am nächsten Tag auch noch erinnern muss. Außerdem rate ich vor allem Frauen dazu, nicht zu lange zu warten. Ich bekomme sehr viele Anfragen von 35- oder 40-Jährigen, die Studium, Karriere, Weltreisen hinter sich haben und nun denken, sie könnten schnell einen Mann finden und eine Familie gründen. Das verursacht Stress. Ich bin der Überzeugung, dass das wahre Glück im Leben in den Beziehungen liegt. Aber ich bin da vielleicht etwas altmodisch. Das Allerentscheidendste ist es, tiefen Respekt für den anderen zu haben, darauf basiert alles.

Willie Daly – ein Ire in Armors Auftrag

Person Willie Daly ist wahrscheinlich 76. Sicher sei er sich aber nicht, sagt er, weil der Pfarrer, der die Geburt ins Kirchenbuch eingetragen hat, stets betrunken gewesen sei. Vor mehr als 160 Jahren begann Dalys Großvater mit dem „match-making“, um alleinstehende Bauern unter die Haube zu bringen, dann übernahm sein Vater.

Festival Willie Daly will seine erste Ehe gestiftet haben, als er 15 war. Das „Matchmaking Festival“ in Dalys Heimatort Lisdoonvarna im Westen Irlands zieht Jahr für Jahr 60 000 Singles an. Es dauert vom 30. August bis 29. September 2019. Informationen unter www.matchmakerireland.com.

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