Der Jagdfasan von Kai Rühle zieht in Heimsheim die Blicke auf sich. Foto: Andreas Gorr Foto:  

Ist Kleintierzucht was für alte Herren? Von wegen! Auch Junge finden immer mehr gefallen an dem Hobby. Das zeigen die Kleintierschauen in der Schleglerstadt wie auch in Friolzheim.

Heimsheim - Es ist halt wie im richtigen Leben: „Es schnattern immer nur die Weibchen.“ Das sagt Kai Rühle, schmunzelt und freut sich. Wer hier so kräftig schnattert, das sind schließlich alles seine Damen. Groß, stolz und braun gackern sie da in ihrem kleinen Käfig um die Wette. „Streicherente“ steht auf der Visitenkarte am Käfiggitter. „Die Streicherenten haben mir einfach gefallen“, erzählt Kai Rühle. Deshalb hat er sie im vergangenen Jahr angeschafft und gezüchtet.

An Ostern sind dann diese kleinen Jungtiere geschlüpft, die sich jetzt in der Heimsheimer Stadthalle bei der „Jungtierschau“ präsentieren. Neben Kai Rühle stellen hier 20 weitere Züchter ihre Schützlinge aus. 141 Kaninchen, Hühner und Geflügel tummeln sich in der Halle. „Das ist eine leichte Steigerung gegenüber dem vergangenen Jahr“, stellt Karl Gann fest. Er ist der Vorsitzende des Heimsheimer Kleintierzüchtervereins und ist durchaus stolz, dass es noch so viele Kameraden gibt, die mit ihm dieses Hobby teilen. Zwar gibt es in Heimsheim vier Jugendliche, die sich für dieses Hobby interessieren. Doch auch Karl Gann weiß: „Es könnten mehr Junge sein.“

„Das prachtvollere Tier ist immer das Männle“

Noch mehr, neben Kai Rühle, dem 26-jährigen stolzen Streicherenten-Besitzer. Er mag Tiere. „Und so kleine Entchen brauchen auch nicht so viel Platz“, sagt er und schaut auf seine Streicherenten-Männchen mit ihren schimmernd-dunkelgrünen Köpfchen. „Das prachtvollere Tier ist immer das Männle“, erklärt er. Und überlegt, warum nicht noch mehr Tierfreunde in seinem Alter sich der Kleintierzucht widmen. „Du musst dich halt jeden Tag etwa ’ne Stunde um die Tiere kümmern“, sagt Kai Rühle. „Das ist nicht wirklich familienfreundlich.“

Denn schließlich kann man die Tiere nicht einfach auf die Seite legen, wenn mal die Zeit oder die Lust fehlt. „Da hat man richtig Verantwortung“, weiß auch Dominic Gann. Der 22-Jährige verkauft bei der Jungtierschau in Heimsheim Lose für die Tombola, engagiert sich auch sonst im Verein, wo er kann – nur eigene Tiere, das kann er sich nicht so richtig vorstellen. „Vor ein paar Jahren hab ich mal von meinem Vater ein paar Tauben geschenkt bekommen“, erzählt er. Aber die Zeit fehlte dann irgendwann.

„Unsere Generation hängt wohl zu viel vor den Handys und den Computern“, überlegt Dominic Gann laut. Aber irgendwann, dann will er schon wieder eigene Schützlinge haben. „Das ist schließlich schon ’was Schönes“, sagt er und bekommt leuchtende Augen. „Wenn’s dir mal schlecht geht, legst du dich zu den Tieren in den Käfig, und du bist ein anderer Mensch.“

Das ist eine Erfahrung, die auch Karl Gann, der Onkel von Dominic und der Vorsitzende des Heimsheimer Kleintierzüchtervereins, immer wieder macht. „Wenn unsere jungen Mitglieder älter werden, und selber Kinder oder Enkel bekommen, kommen sie zurück“, sagt er. Denn die Zucht von Kleintieren ist nicht nur interessant, sondern auch richtig anspruchsvoll. Es gibt von den Verbänden genaue Vorgaben, wie die Tiere je nach Rasse auszusehen haben. „Dann muss der Züchter entscheiden, wer sich mit wem paaren soll, damit der Nachwuchs dann die Idealmaße hat“, erklärt Karl Gann.

Friolzheim bemüht sich um den Nachwuchs

Bewertet wird dann auf den Tierschauen. So wie am Wochenende in Heimsheim und auch in Friolzheim. Dort hat Bernd Spazier als Ausstellungsleiter mehr als 100 Tiere von 16 aktiven Züchtern versammelt. Darunter auch drei Züchter zwischen 16 und 24 Jahren. „Das ist wirklich ein Glücksfall hier in Friolzheim“, sagt Bernd Spazier. „Wir bemühen uns aber auch um den Nachwuchs.“ Dabei stellt er den jungen Züchtern die besonders schönen Tiere zur Verfügung. „Damit sie einen Pokal bekommen. Dieses Erfolgserlebnis motiviert dann“, erklärt Bernd Spazier.

Denn sein Hobby sollte nicht aussterben, davon ist er überzeugt. „Ein paar Hasen füttern ist doch sinnvoller, als Kriegsspiele am Computer zu spielen, oder?“, fragt er rhetorisch. Bernd Spazier selbst züchtet Tauben: „Es schafft eine innere Befriedigung, wenn man im Frühjahr sieht, wie die kleinen Täubchen aus ihren Eiern schlüpfen.“

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