Oliver Schnurr baut sein Sortiment für Sindelfingen aus. Foto: factum/

Die Heimat liegt im Trend: Der Heimatladen in Sindelfingen hat eine neue Kollektion zu bieten. Auch das Böblinger Stadtmarketing arbeitet an weiteren Souvenirs. Und die Nachfrage nach Stuttgart-Bekenntnissen kam durch die Fußball-Weltmeisterschaft ins Rollen.

Sindelfingen - Die Sindelfinger Silhouette in bunten Wasserfarbklecksen wird demnächst in Altdorf aufgehängt. Ein älterer Herr hat sich die Leinwand mit dem Druck bei Oliver Schurr bestellt. Auch nach Berlin verschickt er sein neuestes Produkt. Aber hauptsächlich Einheimische kaufen in seinem Geschäft am Marktplatz ein. „Die Sindelfinger mögen ihr Sindelfingen schon“, sagt Oliver Schnurr. Für die Lokalpatrioten hat der Textil- und Werbedrucker eine neue Kollektion aufgelegt, mit seinem Heimatladen will er nun wieder durchstarten.

Eine „unheimliche Nachfrage“ nach Produkten mit Böblingen-Bezug spürt auch Julian Spohn. Beim Stadtmarketing sind deshalb neue Artikel in Planung. Und Marion Ringhofer hat mit ihrem „Fachgeschäft für Stuttgart“ sogar eine Filiale auf der Königstraße eröffnet, weil das Geschäft so gut läuft.

Kapuzenpullis mit Stadtbezug für die Enkel

Zum 750-Jahr-Jubiläum kam der Spruch auf: „Sindelfingen isch mei Heimat.“ Das sagte Özgür Celik in der 2013 aufgeführten Theatershow „Sindolfs Traum“ über die Stadtgründung. Seither wurde der Spruch zigfach verewigt – auf T-Shirts, Tassen und Schlüsselanhängern. „Der absolute Top­seller ist der Hoodie“, sagt Oliver Schnurr. Vor allem Großeltern kauften gerne Kapuzenpullis für ihre Enkel. Ein Auftrag brachte ihn dann auf die Idee für die neue Produktpalette: Der Inhaber des Rottweiler Lädles bestellte bei ihm verschiedene Souvenirs mit der Silhouette der ältesten Stadt im Land im Wasserfarbendesign. „Er hatte etwas Anlaufschwierigkeiten, aber jetzt läuft es gut“, berichtet der 47-Jährige. Anders als mit dem Spruch „Sindelfingen isch mei Heimat“ könnten auch ausländische Kunden wie US-Soldaten oder Daimler-Mitarbeiter etwas mit dem Design anfangen.

Im Vergleich zu Sindelfingen hat Böblingen wenig zu bieten. Die Kollektion umfasst Magnete, Schlüsselanhänger und Postkarten, die es unter anderem bei der Buchhandlung Vogel zu kaufen gibt. „Für die Karten bekommen wir großes Lob“, sagt der Stadtmarketingmanager Spohn, „durch sie nimmt man Böblingen auf eine ganz andere Weise wahr.“ In erster Linie aktuelle und ehemalige Böblinger kauften die Artikel. Weil sich die Einzelhändler mehr Auswahl wünschen, erarbeitet die Stadt gerade eine Silhouette von Böblingen. Damit sollen Tassen oder Regenschirme bedruckt werden. „Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, höchstens personell“, sagt Spohn: „Wir sehen, dass der Bedarf da ist.“ Was dann noch fehlt, ist ein Heimatladen wie in Sindelfingen. Davon träumt der Stadtmarketingvereinsvorsitzende Simeon Schad schon lange.

Leonberg hat einiges zu bieten

Leonberg hat im Kreis momentan vermutlich die größte Palette an solchen Produkten. Handtücher mit dem Stadtlogo, der Kühlschrankmagnet „Engelbergturm“, eine Uhr und ein Weinglas gehören dazu. Die neueste Ergänzung ist die Linie Wunderland. Das Design mit dem Leonberger Hund, dem Engelbergturm und dem Schloss verziert alles Mögliche. Ansonsten hat noch Weil der Stadt eine Kollektion aufgelegt mit Tassen, Taschen, Flaschenverschlüssen und Mäppchen – allerdings unter dem Namen von Johannes Kepler. Sie kommt bei US-amerikanischen und kanadischen Touristen gut an, die den Geburtsort des Astronomen besuchen.

Stuttgart ist cool – und will es auch zeigen

Marion Ringhofer wollte sich 2006 nach der Fußball-Weltmeisterschaft ein lokalpatriotisches T-Shirt kaufen. „Stuttgart ist viel schöner als Berlin“, wurde damals gesungen. „Alle waren stolz, dass Stuttgart cool ist und wir feiern konnten“, sagt die Werbetexterin. Nur das passende Shirt gab es in der ganzen Stadt nicht. „So nahm das Schicksal seinen Lauf“, sagt sie: Seit neun Jahren betreibt sie einen Laden im Stuttgarter Westen, seit Kurzem auch auf der Königstraße. Bewusst setzte sie am Anfang nicht auf schwäbische Sprüche, sondern wählte die Telefonvorwahl 0711 als Erkennungsmerkmal. „Das versteht ein Tourist gar nicht“, sagt sie, „das ist nur etwas für Lokalpatrioten.“

Mittlerweile umfasst ihr „Fachgeschäft für Stuttgart“ so ziemlich alles, was die Region zu bieten hat: Neben bedruckten Klamotten auch Geschirr, Haushaltswaren, Wein, Gin oder Nudeln. Die Vermarktung von Heimatgefühlen sei fast schon inflationär, findet Marion Ringhofer, die Geschäfte würden wie Pilze aus dem Boden schießen. „Aber warum nicht?“, fragt sie: In der Globalisierung sei es gut, einen Ort zu haben, an dem man sich verwurzelt fühle. „Der Schwabe steht mittlerweile dazu, wo er herkommt – und zeigt es“, erklärt die Werbetexterin.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: