Durch die Anordnung der Bildschirme wirkt es so, als würden die Zeitzeugen miteinander sprechen. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Zehn Menschen aus Ost und West sprechen in einer Video-Installation über die Zeit der deutschen Teilung, den Mauerfall und das Zusammenwachsen danach. Das Besondere: Sie alle waren 14, als die Mauer zum Ende ihrer Kindheit fiel.

Stuttgart - Wie haben junge Menschen den Mauerfall erlebt? Zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung zeigt die Videoinstallation „Generation 1975: Mit 14 ins neue Deutschland“ die Perspektiven von zehn Menschen aus Ost und West. In der Sonderausstellung vom Haus der Geschichte und der Stiftung Berliner Mauer sprechen die Zeitzeugen über ihre Erfahrungen mit dem geteilten Deutschland, dem Mauerfall und dem Zusammenwachsen danach. Alle Befragten sind 1975 geboren, waren also 14 Jahre alt, als die innerdeutsche Grenze fiel.

„Ein spannendes Experiment“

Die Zeitzeugen vereinen unterschiedliche soziale Herkünfte und haben verschiedene politische Einstellungen. Wer auf eine Deutschlandkarte schaut, wird sie in Baden-Württemberg, Brandenburg und in beiden Teilen Berlins verorten. Die Befragten bieten in der Diskussion über die deutsche Teilung und den späteren Transformationsprozess eigene Erinnerungen, Sichtweisen und Standpunkte. Zwei von ihnen sowie die Ausstellungsmacher Ina Rommee und Stefan Krauss sind in Backnang und Umgebung aufgewachsen.

„Ausschließlich diese damals junge Generation aus Ost- und Westdeutschland in einer Ausstellung zu Wort kommen zu lassen, ist ein spannendes Experiment“, sagt Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte. „Ihre Erinnerungen, Erfahrungen und Ansichten können dazu beitragen, den Übergang zwischen Vergangenheit und Zukunft besser zu verstehen.“

Keine Opfer, Mitläufer oder Täter

Die Videokünstlerin Ina Rommee wies auf die Besonderheiten des Projekts hin: „Der Zuhörende befindet sich den Zeitzeugen gegenüber und kann beobachten wie eine Generation beim Erzählen innehält und sich an die Jugend und Kinderzeit in der DDR oder der BRD erinnert. Wie sie den Erzählfaden wieder aufgreift und die oder der jeweils Nächste ihn mit seinen Erfahrungen weiterspinnt.“

Gerhard Sälter von der Stiftung Berliner Mauer erinnerte daran, dass die Beteiligten aus Ostdeutschland über die DDR „völlig anders sprechen, als wir es gewohnt sind. Sie verorten sich in der Gesellschaft der DDR weder als Opfer oder etwa als Mitläufer oder gar Täter. Sie waren zu jung, um schon Verantwortung zu tragen, und sprechen deshalb über das Leben in der DDR unverstellt und unabhängig von den üblichen Redeweisen.“

Ausstellung noch bis Ende Januar offen

Über die Zeitzeugen aus Baden-Württemberg sagte Projektleiterin Christiane Bertram von der Universität Konstanz, dass diese „die DDR nicht als einen Teil Deutschlands empfunden haben, sondern als fremd, feindlich, den eigenen Staat hingegen als mehr oder weniger ‚perfekt’ – bis heute.“

Die Rundum-Installation ist bis zum 31. Januar 2021 in der Baden-Württemberg-Lounge des Hauses der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Die Ausstellung wird von der Bundesstiftung Aufarbeitung, der Bundeshauptstadt Berlin und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Der Eintritt ist frei.

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