Der Sturz einer Reisenden im Hauptbahnhof hatte am Sonntag für einige Aufregung gesorgt. Foto: 7aktuell.de

Beim Sturz am Bahnsteig des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist eine ältere Reisende erheblich verletzt worden. Der Vorfall gibt der Bundespolizei Rätsel auf.

Stuttgart - Gehirnerschütterung, Platzwunde, Fingerfraktur, Prellungen an der Hüfte, tiefe Hautabschürfungen – und es hätte noch schlimmer kommen können. Wann genau die 86-Jährige, die im Hauptbahnhof zwischen Bahnsteig und ICE-Zug schwer verletzt wurde, wieder das Krankenhaus verlassen kann, ist noch unklar. Klar ist aber, dass die Bundespolizei vor einem Rätsel steht. War zunächst ein Schwächeanfall vermutet worden, so wird nun nach einem Mann gesucht, der die ältere Dame vom Bahnsteig gedrängt haben soll. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Am Anfang schien alles nur ein Unfall zu sein. Eine 86-jährige Frau, die am Sonntag um 13.51 Uhr mit dem ICE Richtung Dortmund fahren will, fällt vom Bahnsteig an Gleis 10 zwischen Zug und Bahnsteig. Bundespolizei und Rettungsdienst glauben an einen Schwächeanfall, die Frau wird versorgt und in ein Krankenhaus gebracht.

An einer Engstelle passiert es

Dass das so aber wohl nicht stimmen kann, zeigt sich, als die Beruhigungsmittel nachlassen und die Betroffene klare Angaben machen kann: Sie sei an einer Engstelle von einem etwa 50 Jahre alten Mann mit kräftiger Statur und weißem Hemd angerempelt und aus dem Gleichgewicht gebracht worden, gibt sie zu Protokoll.

Die Frau aus dem niederrheinischen Kleve ist weder gebrechlich noch allein gewesen. Ihr Bruder hat den Fall am Sonntag hautnah miterlebt und wundert sich über die ersten Darstellungen des Vorfalls. „Der Zug fuhr nicht, er stand bereits, als wir uns von einer Sitzbank zur Tür aufmachen wollten“, sagt der 81-Jährige. Der bahnerfahrene Mann hatte seine Schwester nach ihrem Besuch in Degerloch zur Bahn gebracht und ihren Koffer transportiert.

Man habe sich in der Sektion D aufgehalten, weil Wagen 28 sich im zweiten Zugteil befunden habe, schildert er die Situation. Der Bahnsteig ist dort schmaler, Stahlstützen verengen den Querschnitt zusätzlich. Der 81-Jährige läuft voraus, den Koffer hinter sich herziehend, die 86-Jährige folgt ihm. An einer Engstelle passiert es dann.

Die Videos helfen der Polizei nicht weiter

„Ein Mann muss meine Schwester an einer solchen Engstelle zur Seite gedrängt haben“, sagt er. Zwei Personen passten da nicht aneinander vorbei. Gesehen hat er die Situation hinter seinem Rücken allerdings nicht. Erst ein Menschenauflauf macht ihn aufmerksam.

Die Bundespolizei reagiert auf den Hinweis des 81-Jährigen: „Wir haben am Montag das Videomaterial der Überwachungskameras gesichert“, sagt Bundespolizei-Sprecher Sebastian Maus. Allerdings sei der Unfallort zu weit von der nächsten Kamera entfernt gewesen, um Details erkennen zu können. Die Beamten suchten in den Filmsequenzen dennoch nach einem Verdächtigen – fanden aber keinen, auf den die Beschreibung gepasst hätte. „Jetzt hoffen wir, dass sich noch Zeugen melden“, sagt Maus. Und dass in dieser Sache das Telefon 07 11 / 87 03 50 klingelt.

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