Die Rötelmaus ist ein possierliches Kerlchen aber nicht ungefährlich für Menschen. Foto: dapd

Das Virus wird durch Mäuse übertragen, deshalb steigen die Infektionszahlen nach milden Wintern an. Bisher wurden 33 Fälle in Stuttgart gemeldet.

Stuttgart - Manche spüren nichts, andere fühlen sich eine Zeit lang, als hätten sie eine fiebrige Erkältung, wieder andere erkranken sehr schwer und müssen im Extremfall mit Nierenversagen ins Krankenhaus und an die Dialyse. Das Hantavirus ist ein tückischer Erreger und in diesem Jahr sind die Infektionszahlen rapide gestiegen. In Baden Württemberg wurden bis jetzt knapp 700 Fälle gemeldet, 2016 waren es im ganzen Jahr nur 71. Und auch in Stuttgart steigt die Zahl an. Beim Gesundheitsamt sind bisher 33 Fälle gelistet, im Jahr zuvor waren es nur acht.

Übertragen wird das Virus durch Einatmen des Staubs von getrocknetem Kot von Rötel- oder Brandmäusen und auch von Wanderratten. Die Infektionszahlen steigen immer nach milden Wintern an, wenn die Tiere in großer Zahl die harte Zeit überleben – deshalb auch der wellenförmige Verlauf. In Stuttgart hat das in der Vergangenheit schon extreme Ausschläge zur Folge gehabt. Martin Priwitzer, Amtsarzt und Abteilungsleiter im städtischen Gesundheitsamt, berichtet: „Im Jahr 2012 gab es in Stuttgart 200 Hantafälle, ein Jahr später nur drei.“ Zwischen den beiden Jahren gab es einen harten und vor allem extrem langen Winter bis Ende März 2013, was den Mäusen offensichtlich nicht gut bekommen ist. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist übrigens bisher wissenschaftlich nicht belegbar.

Wie das Jahr nun weitergeht, ist schwer zu prognostizieren

In Stuttgart sind nach dem vergleichsweise milden Winter besonders die Menschen gefährdet, die nahe an Wäldern leben. „Die Infektionen legen sich von Südwest her über die Stadt“, erklärt Priwitzer. Besonders betroffen seien Rohr, Vaihingen und Degerloch. Aber auch in allen anderen Stadtteilen gibt es Fälle. Dass die Zahl der gemeldeten Infektionen allgemein zunimmt, ist für Priwitzer auch ein Hinweis, dass die Ärzte besser informiert und sensibler gegenüber dem Problem sind und daher Patienten öfter auf Hanta testen.

Schützten kann man sich vor der Infektion, indem man in Räumen keinen Staub aufwirbelt, in denen Mäuse gewesen sein könnten, also vor allem auf Dachböden oder in Kellern. Dort sollte man nur nass wischen oder einen Atemschutz anlegen. Wie das Jahr nun weitergeht, ist schwer zu prognostizieren. „Es werden sicher noch neue Fälle dazukommen“, sagt Priwitzer, „aber die Hauptzeit der Infektionen ist der Erfahrung nach vorbei“. Warum das so ist, weiß man nicht genau. Man kann allerdings vermuten, dass eben im Frühjahr und Sommer mehr Putztaktionen im Haus stattfinden als im Herbst. Außerdem wird in der warmen Jahreszeit im Wald mehr Sport getrieben. Und auch dabei kann man sich infizieren, wenn man zum Beispiel beim Joggen aufgewirbelten Staub einatmet.

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