Mohammed Heidari ist Kammersieger der Azubis im Malerhandwerk. Foto: Gottfried Stoppel

Mohammed Heidari kam 2015 aus Afghanistan ins Land – am Ende seiner Malerlehre ist er Kammersieger. Wie lange er in Deutschland bleiben darf, ist ungewiss.

Waiblingen - Diese Geschichte liest sich beinahe wie die klassische Story vom Tellerwäscher zum Millionär. Nur ist Mohammed Heidari kein Tellerwäscher, sondern ein Flüchtling aus dem Iran mit afghanischen Wurzeln. Und er ist auch kein Millionär. Einen großen Erfolg kann der 27-Jährige trotzdem feiern. Denn seine Maler- und Lackiererlehre hat er nun als Kammersieger abgeschlossen. Am Montagabend sind ihm und den anderen Azubis bei der Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr im Bürgerzentrum Waiblingen die Gesellenurkunden übergeben worden.

Sein Arbeitgeber, die Heinrich Schmid GmbH & Co. KG, möchte Mohammed Heidari am liebsten gar nicht mehr hergeben. „Es ist absolut vorbildlich, wie er sich integriert“, sagt der Waiblinger Niederlassungsleiter Boris Rentschler. Immer pünktlich und fleißig sei er. „Noch so einen Heidari nehmen wir gerne“, sagt auch der Regionalleiter Christoph Sailer. Auch er kommt aus dem Schwärmen kaum noch heraus. „Er ist sehr genau und achtet auf die Feinheiten.“ Das mache einen guten Handwerker aus.

Odyssee vom Iran in den Rems-Murr-Kreis

Derweil sitzt Mohammed Heidari daneben am Tisch und hört in freundlicher Zurückhaltung zu, was da so über ihn gesprochen wird. Er lächelt schüchtern, schaut auf seine Hände. Alles versteht der bescheidene Mann nicht. „Heute verwenden Sie andere Wörter,“ sagt er zwischendurch. Dann beginnt er zu erzählen: von seiner Flucht aus dem Iran, wo er mit seiner Familie als afghanische Minderheit lebte und wo er auch geboren wurde. Als er sich vor fünf Jahren auf den Weg machte, war noch gar nicht klar, wo er landen werde – und mit welchem Erfolg. Es sollte für ihn eine mehr als halbjährige Odyssee werden, bis er in einer Flüchtlingsunterkunft in Karlsruhe und schließlich in einem Container in Fellbach landete. Seine Frau Rahila kam im November 2014 in Deutschland an. Er selbst Anfang 2015.

Fellbach sollte sein Glück werden. Denn innerhalb des Freundeskreises für Flüchtlinge formierte sich eine Gruppe, die sich um Ausbildungsplätze für die Flüchtlinge kümmerte. Mit dabei war Rolf Munninger, Rentner und früher für eine Maschinenbaufirma weltweit unterwegs. Seine Motivation: „Ich wusste, dass das Handwerk und die Industrie Nachwuchs suchen“, sagt Munninger. Und er wusste auch, dass die Flüchtlinge eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein können. Gemeinsam mit den anderen aus dem Freundeskreis entwickelte er einen Fragebogen. 250 männliche Flüchtlinge wurden interviewt, um herauszufinden, wer für eine Ausbildung in Frage kommen könnte.

Der Flüchtling bekommt eine Lehrstelle

60 davon bekamen Workshops: für Deutsch und Mathematik, für Technik und kaufmännische Fragen. „Damit die Flüchtlinge auch wissen, was eine berufliche Ausbildung in Deutschland bedeutet“, sagt Rolf Munninger. Heidari kannte er bereits vor diesen Workshops. „Schau dir den an, der hat’s drauf, der hat schon einen Beruf“, wurde ihm gesagt. Tatsächlich war Heidari bereits im Iran als Gipser tätig, lernte von den Männern in seiner Familie das Handwerk und war schon als Kind mit auf den Baustellen. „Ein Mann muss immer arbeiten“, sagt Heidari dazu. Und: „Baustelle macht immer Spaß.“

So kam es, dass Munninger und Heidari eines Tages im Jahr 2016 bei Heinrich Schmid in Oeffingen vor der Tür standen. „Wir fragten einfach nach einem Praktikum oder einem Ausbildungsplatz“, erzählt Munninger. „Und wir haben ‚ja’ gesagt“, sagt Maira Laubach, Teamleiterin in Fellbach. Dieses „Ja“ hat ihre Firma nicht bereut. Das vereinbarte Probearbeiten ging gut und zügig. Und auch die dreijährige Ausbildung absolvierte Mohammed Heidari mit besten Ergebnissen. „Seine schulischen Leistungen sind hervorragend – und das, obwohl er kein Muttersprachler ist“, sagt Boris Rentschler.

Wie lange er noch in Deutschland bleiben darf, ist ungewiss.

Um Deutsch zu lernen, musste Heidari sich einiges einfallen lassen. Denn einen Kurs wie die anderen Flüchtlinge bekam er wegen seiner afghanischen Herkunft nicht. So ging er stattdessen regelmäßig ins Fellbacher Asyl-Café und übte dort mit den Ehrenamtlichen. Deutschbücher kaufte er sich selbst und lernte zu Hause. „Grammatik ist wichtig“, findet er.

Inzwischen lebt Mohammed Heidari mit seiner Frau Rahila und seinem vierjährigen Sohn in Korb. Wie lange er noch in Deutschland bleiben darf, ist ungewiss. Er hat eine sogenannte „Gestattung“ bis November 2019. Eine Abschiebung droht wohl laut einer Anwältin nicht, doch seine Lage sei ungeklärt.

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