Smartphones von Huawei sollen keine Google-Apps mehr erhalten. Foto: dpa

Google will künftig für Smartphones von Huawei kein vollständiges Android mehr zur Verfügung stellen. Wir erklären, warum das US-amerikanische Unternehmen das angekündigt hat, was die wahren Hintergründe sind – und was dies für den einzelnen Besitzer eines Huawei-Handys bedeutet.

Der US-Internetriese Google, dessen Android-Betriebssystem auf Huawei-Handys läuft, stoppt die technische Unterstützung von Huawei-Nutzern – von Updates bis zum Zugang zu Google-Apps. Kunden und Lieferanten sind verunsichert. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick. Warum geht Google diesen Schritt? Google reagiert auf ein Dekret des US-Präsidenten Donald Trump. Im Zuge des eskalierenden Handelsstreits mit China hat der US-Präsident in der vergangenen Woche den nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen. Daraufhin hat das US-Handelsministerium Huawei und 70 seiner Tochtergesellschaften auf die Liste der gebannten Unternehmen gesetzt. US-Firmen ist es damit untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit Huawei zu machen. Warum geht die US-Regierung gegen Huawei vor? Die US-Regierung wirft Huawei seit Jahren vor, mit seinen Technologien chinesische Spionageaktivitäten zu ermöglichen. Beweise wurden dafür bislang nicht offengelegt. Huawei weist die Vorwürfe, seit sie erhoben werden, zurück. Huawei ist in der Öffentlichkeit bekannt dafür, Smartphones herzustellen. Das chinesische Unternehmen ist jedoch auch der weltweit größte Netzwerkausrüster. In dieser Eigenschaft ist Huawei in nahezu jedem Land beim Aufbau des 5G-Standards ein möglicher Partner. Die USA versuchen seit geraumer Zeit, dies mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken zu verhindern. Sie setzen andere Länder unter Druck, es ihnen gleichzutun.

Partner oder Konkurrenten?

Wie hängen die Unternehmen Huawei und Google zusammen? Google ist für Huawei ein wichtiger Partner, weil bei dem Internetkonzern das Mobilbetriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen.

Gibt es Einschränkungen für Nutzer von Huawei-Geräten?Gegenüber unserer Zeitung versichert Huawei, das Unternehmen werde „weiterhin Sicherheits-Updates und Services für alle bestehenden Geräte von Huawei und Honor zur Verfügung stellen“. Das betreffe verkaufte Geräte und solche in Lagern weltweit. Auch Google versichert, dass die auf den bereits verkauften Geräten installierte Android-Version weiterhin über Sicherheits-Updates aktuell gehalten wird.

Was gilt für neue Geräte? Neue Geräte dürfen „nach aktuellem Kenntnisstand“ nicht mehr mit Apps von Google produziert werden, sagt Falk Garbsch vom Chaos Computer Club unserer Zeitung. Auf dem deutschen Markt seien die Geräte somit praktisch unbrauchbar. „Das Betriebssystem Android ist für jeden offen, aber die Apps sind von Google lizenziert“, sagt Garbsch. Ob die Apps auf den bereits verkauften Geräten nach wie vor funktionieren, müsse man beobachten. „Die Vertragsbedingungen zwischen Google und seinen Kunden werden nun sicher detailliert von allen Seiten juristisch begutachtet.“

Es gibt Alternativen

Um welche Apps geht es? Zu den bekanntesten Google-Diensten gehören Google Maps, Gmail, Chrome und Youtube. Sie sind auf den meisten Telefonen vorinstalliert. Zwar gibt es nach Angaben von Falk Garbsch für nahezu jeden Google-Dienst Alternativen. „Die sind oft schwer zu finden, und man muss viel Zeit investieren“, sagt der CCC-Experte.

Ist das Vorgehen der Vereinigten Staaten eine Premiere? Der chinesische Huawei-Konkurrent ZTE war im vergangenen Jahr von ähnlichen US-Einschränkungen betroffen. Die Firma musste zeitweise ihr internationales Geschäft einstellen. Die US-Regierung hatte Strafen wegen angeblicher illegaler Geschäfte von ZTE mit dem Iran und Nordkorea verhängt und dem Unternehmen für sieben Jahre den Zugang zu US-Technologien verwehrt. Ohne Chips für seine Smartphones musste ZTE so große Teile der Produktion stilllegen. Nach einigen Wochen zahlte ZTE rund 1,4 Milliarden Dollar, wechselte das Management, und die Sanktionen wurden aufgehoben.

China reagiert zurückhaltend

Kann auch der Google-Bann zurückgenommen werden? Jederzeit. Die US-Regierung befindet sich nach wie vor in Gesprächen mit der Regierung in Peking, um den Handelskonflikt beizulegen. Es ist zu erwarten, dass der Bann gegenüber Huawei dabei zur Verhandlungsmasse gehört.

Was machen andere US-Firmen? Nach einem Bericht der Agentur Bloomberg haben die US-Chipkonzerne Intel, Qualcomm, Xilinx und Broadcom intern erklärt, dass sie mit Huawei zunächst keine Geschäfte mehr machen wollten. Im vergangenen November veröffentlichte Huawei zum ersten Mal eine Liste seiner wichtigsten Zulieferer. Jeder dritte kommt aus den USA.

Wie reagiert Huawei? Die Abhängigkeit von Android und den USA ist Huawei bewusst – und ein Dorn im Auge. Im März erklärte Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu gegenüber der „Welt“, dass man an einer eigenen Alternative arbeite. „Sollte es einmal dazu kommen, dass wir diese Systeme nicht mehr nutzen können, wären wir also gewappnet.“ Am Montag hieß es deutlich zurückhaltender von Huawei Deutschland: „Wir werden weiter daran arbeiten, ein sicheres und zukunftsfähiges Software-Ecosystem zu entwickeln, um die bestmögliche Nutzererfahrung weltweit zu bieten.“

Wie reagiert Peking? Auch Stunden nach der Ankündigung von Google war die Reaktion zurückhaltend. Lu Kang, Sprecher des Außenministeriums, erklärte lediglich, man werde die Entwicklung aufmerksam beobachten. Chinesische Firmen rief er dazu auf, juristische Maßnahmen zu prüfen, um ihre Rechte wahrzunehmen.

Was könnte China tun? Das ist Spekulation. Zum Spekulationsobjekt könnte aber schnell das US-Aushängeschild der Handybranche werden, das i-Phone. Die Geräte bestehen aus mehr als 200 Komponenten, die in aller Welt gefertigt und zugekauft werden. Zusammengeschraubt werden sie dann zum Großteil in China. US-Ökonomen haben erst kürzlich berechnet, dass bei einem Fabrikpreis von 237,45 Dollar für ein iPhone 7 lediglich 8,46 Dollar an chinesische Hersteller gehen. Maßnahmen der chinesischen Regierung in diesem Bereich würden chinesische Händler daher weniger hart treffen als US-amerikanische Verbraucher.

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