Die Münchinger Sommernacht ist seit zehn Jahren ein Erfolg – und eine wichtige Veranstaltung des BDS. Foto: factum/

Der Bund der Selbstständigen in Korntal-Münchingen fand nur mit Müh’ und Not einen neuen Vorsitzenden. Das brachte den Stein ins Rollen: Jetzt wollen die Münchinger mit ihrem Korntaler Pendant über eine Zusammenlegung sprechen.

Korntal-Münchingen - Gut möglich, dass in Korntal-Münchingen bald nur noch ein Wirtschaftsverein die Interessen von Handel, Handwerkern, Gewerbetreibenden und Selbstständigen vertritt, zusammenbringt und umsetzt: Der Korntaler Gewerbe- und Handelsverein (GHV) und der Münchinger Bund der Selbstständigen (BDS) wollen nach den Ferien über eine Fusion sprechen. „Wir arbeiten bereits zusammen. Es ist nun sinnvoll, über eine weitere Zusammenarbeit oder gar eine Zusammenlegung nachzudenken“, sagt Walter Kämpf. Der Unternehmer löste im Mai bei der Hauptversammlung den Vorsitzenden Frank Di Marco nach acht Jahren ab. Das brachte den Stein ins Rollen.

Verein mit langer Geschichte

Denn eigentlich hatte Walter Kämpf, der vor Frank Di Marco schon zehn Jahre lang der Vorstand des BDS war, nicht vor, ein zweites Mal an die Spitze zu treten. Sein Ja kam aus der Not heraus: Keiner habe den Vorsitz übernehmen wollen, sagt der Inhaber des gleichnamigen Modehauses in Münchingen und Ditzingen. Walter Kämpf aber ist sich sicher: „Ohne funktionierenden Vorstand kann der Verein nicht existieren.“ Der BDS hat rund 50 Mitglieder und ist mehr als 120 Jahre alt. „Der Verein hat Tradition – und wenn er erst einmal weg ist, ist es schwer, ihn wieder zu beleben“, glaubt Kämpf.

Der 69-Jährige bedauert die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Obwohl allen bewusst ist, wie wichtig ein Wirtschaftsverein vor Ort ist, um für das Stadtmarketing eine breite Basis zu haben.“ Marketing sei nötig, um den Einzelhändlern Raum zu geben und die Bevölkerung auch in der Umgebung auf den Standort hinzuweisen. Das geschehe vor allem mit Aktionen wie der Sommernacht oder dem Adventsmarkt. Kämpf: „Gemeinsam geht das besser als allein.“

Einiges wird getrennt bleiben

Aus seiner Sicht steht nach einer Fusion der Vorstand auf einem breiteren Sockel, zudem würde auch inhaltlich „einiges möglich“. Mit dem runden Tisch, der Stadtentwicklung oder der gemeinsamen Gutscheinaktion, welche die Kaufkraft in der Stadt halten soll, gebe es bereits einige sich überschneidende Themen.

Im Falle einer Fusion müsse aber jeder Ortsteil weiterhin für sich zum Beispiel Aktionen organisieren, betont Kämpf, einiges werde also getrennt bleiben. „Handel und Gewerbe sind die Elemente, die einen Ort lebendig machen.“ Gerade in Zeiten des Internethandels müsse der Einzelhandel seine Stärken hervorheben: Der Kunde kann im Laden Ware anschauen, anfassen, ausprobieren – oder das Geschäft bei Veranstaltungen kennenlernen.

Eine Stadt mit gleichen Problemen

Auch die Unternehmer auf der anderen Seite der Autobahn sind einer Fusion gegenüber aufgeschlossen. „Die Idee kam aus der Not heraus“, sagt die Chefin des Korntaler GHV, Viola Noack, ihr sei der Gedanke schon länger im Kopf herumgegeistert. „Wir sind eine Stadt, ziehen an einem Strang, haben die gleichen Probleme – warum also sollten wir nicht zusammengehen?“, fragt die 54-Jährige.

Viola Noack sitzt dem GHV seit sieben Jahren vor, im Ausschuss ist sie seit 2000. Sie mag den Job – auch wenn er manchmal anstrengend sei. Der 1903 gegründete GHV hat rund 100 Mitglieder. Damit deckt er laut Viola Noack vier Fünftel der Einzelhändler im Bereich der Innenstadt ab und gut die Hälfte der Handwerker.

„Jeder hat Seins gemacht“

Vor mehr als zehn Jahren haben die Vereine nicht im Traum daran gedacht, sich zusammenzutun. „Der Kontakt war deutlich weniger als heute. Jeder hat Seins gemacht“, sagt Viola Noack. Erst mit dem Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos), der 2007 gewählt wurde und 2009 den runden Tisch ins Leben gerufen hat, habe sich der Zusammenhalt verstärkt. So haben Viola Noack und Frank Di Marco damit begonnen, die Feste des jeweils anderen Vereins zu besuchen. Und neidisch musste demnach auch nie einer werden: Die Stadtverwaltung achte darauf, beide Vereine immer gleich zu behandeln, etwa bei Investitionen, sagt Viola Noack.

Andernorts wird verzweifelt gesucht

Der Blick in die Nachbarschaft zeigt: Die Situation im Korntal-Münchinger Wirtschaftsleben ist kein Einzelfall. So sucht die Aktive Wirtschaft Ditzingen (AWD) seit mehr als einem Jahr vergeblich einen Vorsitzenden. Es ist deshalb unklar, wie es mit der AWD weitergeht.

In Gerlingen gründete sich im November 2015 der Verein Mein Gerlingen. Er kümmert sich um das Stadtmarketing, die Gestaltung der Kommune und übernimmt auch Aufgaben, die der örtliche BDS nicht mehr stemmen kann: zum Beispiel die lange Einkaufs- und Kulturnacht.

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