Ob die deutschen Frauen bei der WM in Japan wieder Grund zu jubeln haben? Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Frauen-Bundestrainer Henk Groener gab in Stuttgart sein Aufgebot für die Handball-WM in Japan bekannt. Mit dabei sind gleich eine ganze Reihe Spielerinnen aus dem Süden Deutschlands.

Stuttgart - Völlig entspannt steht Henk Groener vor einer Handvoll Medienvertretern in der Stuttgarter Scharrena und erklärt seine Kadernominierung für die anstehende Handball-WM der Frauen in Japan (29. November bis 15. Dezember). Wo bei den Fußballern eine große Show inklusive Videopräsentation gemacht wird, teilt der Deutschen Handball-Bund eine schmucklose Liste der 17-köpfigen Japan-Reisegruppe aus.

Fünf Spielerinnen von Meister Bietigheim

Große Überraschungen hat der Kader nicht parat, obwohl Groener acht Spielerinnen im erweiterten WM-Kader hat, die in Japan erstmals WM-Luft schnuppern werden. In Dinah Eckerle, Amelie Berger, Antje Lauenroth, Luisa Schulze und Kapitänin Kim Naidzinavicius stehen gleich fünf Spielerinnen vom Deutschen Meister SG BBM Bietigheim im Aufgebot. Komplettiert wird die schwäbische Fraktion von Maren Weigel (TuS Metzingen), der mittlerweile in Russland spielenden Kreisläuferin Julia Behnke und der in Holzgerlingen geborenen Linksaußen Ina Großmann (Thüringer HC). „Durch die Kontinuität im Kader in den vergangenen Monaten wollen wir bei der WM in Japan weiter zusammenwachsen und uns die Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier erarbeiten“, sagt Groener.

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Für die Teilnahme an einem jener Qualifikationsturniere müssen die Frauen es in Japan mindestens den siebten Platz erreichen. Angesichts der schweren Vorrundengruppe mit Welt- und Europameister Frankreich, Dänemark, Südkorea, Brasilien und Australien will Groener aber noch gar nicht so weit nach vorne schauen: „Erstmal wollen wir die Hauptrunde erreichen. Das ist nicht so einfach“, mahnt der Niederländer. Dafür müssen die deutschen Frauen unter die ersten Drei kommen – kein einfaches Unterfangen, scheinen Frankreich und Dänemark fast schon gesetzt zu sein. „Wir haben festgestellt, dass wir noch nicht ganz an der Weltspitze angekommen sind“, sagt Groener angesichts der jüngsten Auftritte gegen Kroatien (21:21, 32:23).

„Im Zweifel die jüngere Spielerin“

Und doch denkt der 59-Jährige Bundestrainer auch langfristig. Bei der Nominierung galt für ihn der Maßstab, „wenn zwei Spielerinnen ähnlich stark sind, haben wir uns für die jüngere Spielerin entschieden“. Davon profitierte unter anderem die 25-jährige Linkshänderin Weigel, der Groener zuletzt eine „tolle Entwicklung“ bescheinigt und die sich im Kampf um die WM-Nominierung gegen ihre vier Jahre ältere Vereinskameradin Marlene Zapf durchsetzte.

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Eine positive Entwicklung sah Groener auch bei Kapitänin Kim Naidzinavicius. Die 28-Jährige verletzte sich im Auftaktspiel der WM 2017 so schwer am Knie, dass sie sowohl die WM als auch die anschließende EM im eigenen Land verpasste. „Das war sehr bitter für Kim. Aber wir haben zuletzt gesehen, dass sie die Mannschaft mit ihrer Erfahrung und ihrer Klasse führen kann“, so Groener. Zwar habe die Bietigheimerin noch Luft nach oben, das gelte aber für den gesamten Kader. Naidzinavicius ist nicht nur Kapitänin der WM-Mannschaft, der Rückraumspielerin kommt eine Schlüsselrolle in Japan zu. So ist sie nicht nur als Spielmacherin eingeplant, sondern soll auf der Königsposition im linken Rückraum mithelfen, die Verletzung von Xenia Smits zu kompensieren.

Generalprobe in Stuttgart

Bevor die Mannschaft am 28. November die Reise nach Kumamoto (der erste WM-Auftritt ist am 30. November gegen Brasilien) antreten wird, steht in der Stuttgarter Scharrena am 22. November noch die Generalprobe gegen Montenegro auf dem Programm. „Das ist eine körperlich starke Mannschaft, die uns alles abverlangen wird“, blickt Groener voraus. Für den Coach, der demnächst seinen Vertrag mit dem DHB verlängern möchte, schließt sich in der Scharrena ein Kreis. Im März 2018 stand er an gleicher Stelle erstmals an der Seitenlinie der deutschen Mannschaft und hat ausschließlich positive Erinnerungen an die Landeshauptstadt: „Ich hoffe natürlich, dass Stimmung und Leistung ähnlich gut werden wie damals gegen Spanien.“

In unserer Bildergalerie finden Sie den kompletten DHB-Kader für die WM in Japan.

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