Dreh- und Angelpunkt der österreichischen Nationalmannschaft: Nikola Bilyk, der in der Bundesliga für den THW Kiel im Rückraum am Ball ist. Foto: AFP/Joe Klamar

Rückraumspieler Nikola Bilyk vom THW Kiel ist der Kapitän und Star der österreichischen Handball-Nationalmannschaft. Ein Mann mit einer besonderen Vita.

Wien - Die EM 2010 im eigenen Land hatte Nikola Bilyk im Alter von 13 Jahren als Bodenwischer erlebt. Ziemlich genau zehn Jahre später schrubbt er nicht mehr das Parkett – er ist der Star der österreichischen Handball-Nationalmannschaft. Die Partie an diesem Montag (20.30 Uhr/ARD) wird für den Rückraumspieler vom THW Kiel ein absoluter Höhepunkt. „Deutschland gegen Österreich – das ist immer etwas ganz Besonderes. Es wäre unfassbar, wenn wir die Sensation schaffen würden", sagt Bilyk. Die gelang nach einer starken Vorrunde in der Hauptrunde weder gegen Kroatien (23:27) noch gegen EM Titelverteidiger Spanien (26:30). „Wir waren gegen diese zwei Weltklasseteams nicht schlecht, doch wir haben nicht unser bestes Niveau gezeigt“, sagte Bilyk, mit 34 Toren hinter seinem künftigen Kieler Vereinskollegen Sander Sagosen (Norwegen/42 Tore) die Nummer zwei der aktuellen EM-Torschützenliste. Doch auch Bilyk selbst erwischte gegen die Spanier keinen Sahnetag. Und in einem solchen Fall sind die Österreicher dann chancenlos.

Enorme Verantwortung

Auf seinen Schultern lastet enorme Verantwortung – und das mit erst 23 Jahren. Womit er einer der jüngsten Mannschaftskapitäne bei dieser EM ist. Wenn Bilyk über diese Verantwortung spricht, die er in diesem Team hat, sagt er nie, dass er sie übernehmen muss oder soll. Er sagt: „Ich darf.“ Das Kapitänsamt sieht er nicht als Bürde, er sieht es als nächsten Schritt in seiner Karriere. Der bisher wichtigste aber fand 2016 statt: Als er zum THW Kiel wechselte, mit dem er DHB-Pokalsiege feierte (2017, 2019) und den EHF-Cup (2019) holte.

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Bilyk soll für Kontinuität im österreichischen Handball sorgen. Seit Viktor Szilagyi, der heutige Sportdirektor des THW Kiel, aufgehört hat, hatte es viele verschiedene Kapitäne gegeben. Nun ist Bilyk der Chef, der unumstrittene Chef. „Niko ist einfach schon so weit. Er ist zwar jung, aber schon ein absoluter Führungsspieler“, sagt Österreichs Sportdirektor Patrick Fölser. In einer deutschen, norwegischen oder kroatischen Nationalmannschaft könnte Bilyk auf der Königsposition im linken Rückraum eine Medaillen-Ära prägen. Doch Bilyk ist Österreicher. Und mit der Auswahl Austrias ist die Teilnahme an einer EM-Hauptrunde eigentlich schon das höchste der Gefühle.

Ziel Olympische Spiele

Der Rechtshänder ist enorm ehrgeizig, setzt sich hohe Ziele. Bilyk spricht seinen Traum offen aus: „Irgendwann möchte ich mit Österreich zu den Olympischen Spielen fahren. Das wollte mein Vater immer. Er wollte das selbst erreichen, hat es aber nicht geschafft. Ich will das unbedingt mal schaffen, auch für meinen Vater.“

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Der stammt aus Donezk in der Ukraine und war Profi-Handballer. Zu der Zeit, als Sergiy Bilyk als Profi-Handballer in Tunesien unter Vertrag stand, wurde Nikola 1996 in der Hauptstadt Tunis geboren. Kurios: In seiner ersten Saison beim Wiener Profi-Club Fivers Margareten spielte er an der Seite seines Papas, der im Tor stand. Und noch einer hat ihn geprägt: Die russische Trainerlegende Anatoli Jewtuschenko, ein Freund der Familie Bilyk.

Bilyk will zur Finalrunde

Bilyk ist heiß auf das Duell mit Deutschland und seinen Kieler Kollegen Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek: „Wir wollen zwei Punkte, wir wollen nach Stockholm.“ Da findet die Finalrunde statt, und um dabei zu sein, ist mindestens Gruppenplatz drei nötig. Und ein Bilyk in Galaform.

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