Die Sporthalle am Solitude-Gymnasium in Weilimdorf ist frisch saniert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Belegungssituation in Stuttgart bleibt trotz zwei neuer Hallen sehr angespannt. Dazu werden für nötige Sanierungen zur Verfügung stehende Mittel nicht alle abgerufen.

Stuttgart - Sport ist gesund – daran zweifelt ernsthaft niemand. Zum Sportreiben braucht man aber auch Platz und im Winter auch vermehrt unter einem Dach. Die Belegungssituation in Stuttgarts Sporthallen ist aber seit langer Zeit angespannt. Insgesamt 35 große Sporthallen für 78 000 Schüler und 179 000 Vereinsmitglieder gibt es in Stuttgart. Doch das reicht nicht aus.

Die Sporthallen waren Anfang des Jahres alle voll, der Auslastungsgrad nicht mehr zu toppen. Daran hat sich bis heute grundlegend nicht viel geändert. „Eine gewisse Entlastung“, so Horst Jesinger, der zuständige Abteilungsleiter im Sportamt, sei jetzt durch zwei neue Hallen in Riedenberg und Uhlbach eingetreten, aber der Mangel bleibt. Verschärft wird die allgemeine Sportsituation durch die bevorstehende Schließung der Schwimmhalle Vaihingen wegen einer Dachsanierung. Nach Weihnachten müssen die Schwimmer des SV Vaihingen, die Wasserballer des Polizeisportvereins und die DLRG für mindestens neun Monate nach Heslach und Plieningen ausweichen. Trainingszeiten gibt es dort aber nur am Wochenende. Für zwölf Schulen im Einzugsgebiet bedeutet dies keinen Schwimmunterricht bis mindestens nach den Sommerferien.

Die Siutuation bei den Vereinen bleibt kritisch

Im Frühjahr hatte das Sportamt bei privaten Hallenträgen nach freien Kapazitäten in den 44 Hallen auf dem Stadtgebiet vor allem für die Sportvereine nachgefragt. Immerhin 32 Betreiber haben auch geantwortet. Ermittelt wurden dabei 258 freie Wochenstunden, neun davon an Wochenenden. Ob daraus eine Entlastung geworden ist, kann das Sportamt derzeit nicht beantworten. Horst Jesinger: „Konkrete Informationen über daraus entstandene Anmietungen liegen uns derzeit nicht vor. Diese Daten müssten erst wieder erhoben werden.“ Eine Entlastung können die großen Verein der Stadt indes nicht vermelden. Beim MTV Stuttgart herrschten trotz eigener Halle bereits zu Beginn des Jahres Engpässe und immer wieder Aufnahmestopps im Handball und Basketball. „Daran hat sich nichts geändert“, sagt dazu Birgit Janik, die zuständige Geschäftsführerin. Auch beim TUS Stuttgart sucht man weiter „händeringend Hallen“, wie Geschäftsführer Gunnar Höckel betont. Besonders die Oberliga-Basketballer würden unter der knappen Situation leiden.

Aktion „Kinder-Sport-Karte“ kommt an

Der Platz bleibt also knapp und man wird künftig auch noch mehr davon für die Kleinsten brauchen. Die Stadt hat im Rahmen der Aktion „Kinder-Sport-Karte“ im Sommer 5627 Gutscheine über 50 Euro an Kinder des Jahrgangs 2014 für Vereinseintritte oder gebührenpflichtige Zusatzangebote ihrer Vereine verteilt. Nach vier Monaten wurden davon auch schon 500 zur Verrechnung bei der Stadt eingereicht. Das Angebot wird also durchaus angenommen – und zieht Platzbedarf nach sich.

Die Gesamtsituation bleibt also angespannt. „Nach wie vor kommt es Engpässen bei der Hallenbelegung, insbesondere bei Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen“, sagt Jesinger. Und legt damit auch die Finger in eine andere Wunde. Viele Projekte bei der Sanierung von Schulsporthallen laufen derzeit deutlich verspätet an oder werden nicht fertig. Von den fünf großen Sanierungsprojekten, die in diesem Jahr begonnen wurden wie zum Beispiel die Sporthalle in Weilimdorf, wurden gerade drei fertig gestellt. Das Lehrschwimmbad in der Halle der Ernst-Abbe-Schule für Sehbehinderte in Rot ist noch nicht wieder in Betrieb. Bei der Sporthalle Tiefenbach in Rohracker hat man festgestellt, dass eine Nachrüstung der alten Lüftungsanlage keinen Sinn mehr hat.

Viele Projekte werden verschoben

Deutlich im Stau steckt man bei den eigentlich für 2018/19 geplanten acht Sanierungsprojekten. Lediglich die Erneuerung des Bodens in der Sporthalle West wurde angegangen und auch beendet. Alle anderen Projekte wurden auf 2020 verschoben, bei der Turnhalle der Jahn-Realschule in Cannstatt ist klar, dass es mit einer Sanierung im Sanitärbereich nicht getan ist.

Die Gründe der Verzögerung sind vielfältig: Zum einen müssen andere, bereits früher verschobene Projekte angegangen werden, zum anderen sind laut Schulverwaltungsamt die Personalkapazitäten zu klein und es gibt bei der aktuellen Baukonjunktur Probleme, Aufträge schnell zu vergeben. Das Geld dafür wäre indes da.

Für Sanierungsprogramme der Stuttgarter Schulen stehen insgesamt jährlich 50 Millionen Euro zur Verfügung, die aber in der Vergangenheit nicht ausgeschöpft wurden. „Zwischen 2014 und 2017 wurden im Schnitt pro Jahr nur 34 Millionen Euro abgerufen“, erklärt Philipp Forstner vom Schulverwaltungsamt. Wegen dieser Entwicklung habe der Gemeinderat die Mittel von 2018 an nun auf 40 Millionen Euro im Jahr abgesenkt.

Gleichzeitig wurden aber auch zusätzliche Stellen im Hochbauamt geschaffen, um dem Sanierungsstau Herr zu werden. Auch dem bei den Schulsporthallen.

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