Grabplatte des NS-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt in Düsseldorf Foto: dpa

Seit anderthalb Jahren kämpft die Cousine von Cornelius Gurlitt vor Gericht um die Kunstsammlung. Eine Entscheidung ist noch immer nicht in Sicht. Das Oberlandesgericht München will jetzt ins Detail gehen.

München - Der Rechtsstreit um das Testament von Cornelius Gurlitt zieht sich weiter in die Länge. Das Oberlandesgericht (OLG) München will dem Geisteszustand des 2014 gestorbenen Kunstsammlers vor seinem Tod genauer auf den Grund gehen und hat darum für Ende September einen Termin für die Beweisaufnahme angesetzt. Wie das Gericht am Dienstagabend mitteilte, sollen Zeugen gehört werden, die Gurlitt in seinen letzten Wochen und Monaten erlebt haben. Außerdem soll ein vom Gericht bestellter Sachverständiger, der zu dem Ergebnis kam, dass Gurlitt beim Verfassen seines letzten Willens im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, sein Gutachten erläutern. Das Ganze soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Ob es bei einem Termin zur Beweisaufnahme bleibt, hielt das Gericht sich in seiner Mitteilung offen.

Cornelius Gurlitts Cousine Uta Werner erhebt Anspruch auf das millionenschwere Erbe und die Sammlung, deren Fund die Kunstwelt 2013 überraschte. Sie will verhindern, dass die Werke - wie von Gurlitt in seinem Testament verfügt - an das Kunstmuseum Bern gehen. Werner hat darum drei Gegengutachten in Auftrag gegeben, die dem Gutachten des Gerichtsexperten widersprechen. Diese Gutachter dürfen nach Angaben des Gerichts an der Verhandlung teilnehmen, sind aber explizit nicht vom Gericht als Zeugen geladen. Damit wird sich die endgültige Entscheidung des Gerichtes über die Rechtmäßigkeit des Testaments wohl weiter verzögern. Der Rechtsstreit läuft seit November 2014.

2013 wurde bekannt, dass bereits 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden waren. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem Haus in Salzburg auf. Bei vielen bestand Verdacht auf Nazi-Raubkunst, da Gurlitts Vater, Hildebrand Gurlitt, ein bekannter Kunsthändler in der NS-Zeit war. Gurlitt war am 6. Mai 2014 in seiner Schwabinger Wohnung gestorben.

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