Fünf Männer in Rennfahrer-Arbeitskleidung und eine junge Frau im Bunny-Kostüm: Mathias Lauda, Heinz-Harald Frentzen, Sven Hannawald, Doreen Seidel, Ronny Melkus und Andreas Wirth(v. li.) Foto: StN

Heinz-Harald Frentzen will in der GT-Masters-Serie den Titel, Sven Hannawald nimmt Nachhilfestunden.

Böblingen - Eigentlich ist Axel Watter ein Manager; stets gut angezogen, das eine Ohr am Handy und das andere ganz nah am Puls der Motorsport-Welt, immer einen inspirierenden Spruch auf den Lippen. Doch der Mann aus Filderstadt ist mit mehreren Talenten gesegnet – er beschafft nicht nur Arbeit und Termine für Ex-Skispringer Sven Hannawald, Bob-Pilot Manuel Machata, Ex-Rennfahrer Heinz-Harald Frentzen und Playmate Doreen Seidel, sondern er gibt ebenso als Moderator eine glänzende Figur ab. Da hätte TV-Mann Patrick Simon das Rennteam im Meilenwerk in Böblingen präsentieren sollen, doch der Mann von Sender Kabel 1 hing in der Luft, der Flieger hatte Verspätung – Watter hatte dagegen festen Boden unter den Füßen, nach 38-minütiger Wartezeit schnappte er sich das Mikrofon und gab verbal Gas: „Jetzt beginnen wir, ich kenne ja auch alle nötigen Fakten.“

Watters Welt. Zum Start vollzog Doreen Seidel eine für sie eher unübliche Verwandlung – das Playmate entblätterte sich nicht, die gebürtige Chemnitzerin streifte einen wenig körperbetonenden Overall über ihr sexy Häschenkostüm mit viel Beinfreiheit. Ihre Teilzeit-Berufskleidung. Die 26-Jährige wird als Nebenbeschäftigung auch 2012 im ADAC-Cruze-Cup in einem 145 PS starken Chevrolet sitzen, sie wird sich die Renntermine mit Bob-Pilot Machata teilen. Durch diesen Kniff kann Watter seinen Wintersportler in den wärmeren Jahreszeiten ebenfalls in den Medien platzieren, und dort, wo das flotte Häschen Doreen auftaucht, ist es sowieso heiß. Den beiden PS-Aushilfen wird als Profi Ronny Melkus an die Seite gestellt. „Sein Vater war der Niki Lauda der DDR: Ulli Melkus“, klärt Watter auf. Muss er auch, im Meilenwerk sind nur Wessis, die bei Melkus an alles mögliche, aber nicht Rennsport denken.

Dagegen sind die Namen Sven Hannawald und Heinz-Harald Frentzen jedem in West und Ost ein Begriff – den ehemaligen Skispringer betreut der 55 Jahre alte Manager, seit der sich zum sportlichen Neuanfang im Motorsport entschlossen hat. Und den Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 hatte Watter vergangenes Jahr zu einem Comeback in der GT-Masters-Serie überzeugt. Doch nun steigt Hannawald nach zwei Rennsaisonen aus – vorerst. „Ich werde ein Trainingsjahr einlegen“, sagt der 37-Jährige, „ich fahre ein 500-PS-Auto – aber ein Rennfahrer, der mit Skispringen beginnt, stürzt sich auch nicht gleich von einer Skiflugschanze.“ Mit einem eigens für Hannawald angeschafften 34-PS-Rennkart soll der Amateur-Pilot regelmäßig auf der Bahn in Garching üben. „Sven fühlte sich manchmal unsicher“, verriet Watter hinterher, „deshalb wird er sich nun die Grundregeln des Rennfahrens erarbeiten.“

Aus der Deckung angreifen

Was auch aus öffentlichkeitswirksamen Überlegungen sinnvoll ist. Denn nach einem Jahr auf der Piste hat die mediale Drehzahl des Promi-Duos Hannawald/Frentzen deutlich abgenommen, wenn das Team nur im Mittelfeld herumkurvt. Folglich legt der Ex-Wintersportler einen Boxenstopp ein, um als Pilot mit ernsthaften Titelambitionen 2013 zurückzukommen. Das wird die TV-Kameras und Reporter wieder anlocken. Und weil nicht nur im Motorsport eine Hand die andere wäscht, wurde Mathias Lauda für dieses Jahr als Hanni-Trainer verpflichtet. Der Sohn von Niki Lauda und ehemalige DTM-Fahrer tingelte 2011 im Porsche-Supercup durch die Lande und kann ein wenig mehr überregionale Medienpräsenz sicher gut verkraften.

Um die Cockpit-Rochade abzurunden, wurde Frentzen der GT-siegerprobte Rennfahrer Andreas Wirth zugeteilt – damit der Altprofi (44) allen zeigen kann, dass er’s wirklich noch kann. Und damit das prominente Zugpferd nicht die Lust verliert, was für die Serie im Allgemeinen und Watter im Besonderen ärgerlich wäre. „Wir werden aus der Deckung angreifen und starten das Projekt Meisterschaft“, sagte Frentzen, der seit August 2010 nicht mehr in Monte Carlo lebt, sondern in Neuss.

Nach einer guten Stunde am Mikro hat Vollblut-Manager und Aushilfs-Moderator Watter sie alle vorgestellt, seine alten Hasen und sein flottes Häschen im Cockpit. „Ich glaube“, sagte er und schaute ziemlich zufrieden drein, „ich habe mich ganz gut über die Runden gerettet.“ Wenn diese Übung seinen Schützlingen in der Rennsaison genauso gut gelingt, muss er sich über mangelndes Medieninteresse kaum Gedanken machen.

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