Für Kuhn bedeutet Klimaschutz Verzicht. Foto: Max Kovalenko

Stuttgarts OB sieht den Wachstumskurs im Verkehrssektor kritisch. Er befürwortet den konsequenten Umstieg auf die Bahn. Der Flughafen wehrt sich.

Stuttgart - Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), der auch Vize-Aufsichtsratschef des Stuttgarter Manfred-Rommel-Flughafens ist, hält bestimmte Kurzstreckenflüge für überflüssig. „Wir müssen mal mit der Heuchelei aufhören. Alle sagen, man kann mit dem Zug nach Frankfurt fahren. Dann muss man’s halt auch machen“, sagte er im Interview mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Klimaschutz sei kein Wohlfühlwort. „Da, wo man gut mit der Bahn hinkommt, nach Frankfurt oder München, müssen wir auch auf die Bahn setzen. Ich habe immer gedacht, wir bauen Stuttgart 21, damit wir schneller nach München kommen.“

Der Verkehrsminister stimmt zu

Kritisch äußerte sich Kuhn zur Wachstumsstrategie des Flughafens, der in den ersten sechs Monaten des Jahres fast sechs Millionen Reisende zählte (plus 9,3 Prozent) und damit auf einen Passagierrekord zusteuert. Kuhn sagte: „Stadt und Land profitieren ja als Anteilseigener von dieser Entwicklung, und trotzdem müssen wir die Frage stellen, ob ‚Passagierrekord‘ das entscheidende Kriterium ist. Es geht um die Frage, was für einen Flughafen wir wollen“ Ihm gehe es um einen „guten Flughafen“.

Ähnlich äußerte sich Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne): „Fliegen ist eine klimaschädliche Form der Fortbewegung und sollte vor allem auf kurzen Entfernungen wenn möglich vermieden werden, denn es gibt die Alternative auf der Schiene“, sagte er laut seines Sprechers auf Anfrage. Frankfurt und München seien von Stuttgart aus schnell und gut mit der Bahn erreichbar.“ Der Manfred-Rommel-Flughafen mit rund 1000 Mitarbeitern gehört zu 65 Prozent dem Land Baden-Württemberg und zu 35 Prozent der Stadt Stuttgart.

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