Katastrophenschutzübung in Tübingen Foto: dpa/Sina Schuldt

In Zeiten des Terrors ändert sich das Training: Der Trend geht zu groß angelegten, viele Behörden einbindende Übungen.

Stuttgart - Kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in Baden-Württemberg die Welt untergeht – beinahe jedenfalls. Denn diese Katastrophen finden gottlob nur in den Simulationen von Polizei und Rettungsdiensten statt. Sie trainieren mit sogenannten Großübungen, wie man den Menschen auch in schwierigsten Situationen hilft und die Grundversorgung gewährleistet.

Die Szenarien lesen sich wie das Exposé eines Hollywood-Films. Da gibt es etwa „terroristische Anschläge mit biologischen und chemischen Kampfstoffen“. Was in diesem Fall zu tun ist, übt das Landeskriminalamt zum Beispiel am 26. September in Mannheim. Mit dabei: Spezialisten des Robert-Koch-Instituts und der Uniklinik Heidelberg. Auch der Schutz vor Strahlen, die Abwehr von Cyberangriffen und der Ausfall der Gasversorgung stehen immer wieder auf dem Trainingsplan von Polizei und Bevölkerungsschutz. Mal holt ein Hubschrauber verletzte Bauarbeiter von einem Brückenpfeiler (so Mitte Juli bei Mühlhausen), mal üben 200 Einsatzkräfte die Bewältigung von Großbränden in öffentlichen Gebäuden (so am nächsten Wochenende in Sigmaringen).

Statistik erst seit 2018

Was genau die Terroristen anrichten werden, zu deren Abwehr das Land vom 17. bis 19. Oktober mehrere Tausend Beteiligte in Stetten am kalten Markt zusammentrommelt, darf noch gar nicht bekannt werden. Klar ist nur, dass auf dem Truppenübungsplatz die Konstanzer Fußgängerzone nachgebildet wird, in der sich das Ganze abspielen soll. BWTEX nennt sich die erste Anti-Terror-Übung, bei der Polizei und Bundeswehr nicht nur am grünen Tisch, sondern auch operativ zusammenarbeiten. Insgesamt 2000 Teilnehmer sind eingebunden, darunter Hunderte Statisten.

Die Frage, ob die Zahl solcher Veranstaltungen in letzter Zeit zugenommen hat, kann man im Innenministerium nicht exakt beantworten. Denn die Behörde führt die Statistik erst seit 2018. Zahlreiche Übungen fanden und finden auf regionaler Ebene statt – zumal alle Polizeidienststellen zu regelmäßigen Übungen verpflichtet seien, wie Renato Gigliotti sagt, der Sprecher des Innenministerium.

Verändert hat sich aber die Art des Katastrophenschutztrainings, seit Terroristen in Paris, Madrid, London oder Berlin ihre blutige Spur hinterließen. „Während in der Vergangenheit oft kleinere Übungen zu spezifischen Einsatzszenarien durchgeführt wurden, werden jetzt vermehrt groß angelegte, ganzheitliche Übungen absolviert“, sagt Gigliotti. Wichtig sei die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte aller Behörden und Organisationen.

Im Frühjahr hat sich auch der Ministerrat mit dem Thema befasst. Man nehme „die gesamte Bandbreite möglicher Gefahrenlagen in den Blick“, sagte Innenminister Thomas Strobl – angefangen von klassischen Szenarien wie Tunnel- und Waldbrände über kerntechnische Störfälle bis hin zu Cyberangriffen. Auch das länderübergreifende Krisenmanagement (LÜKEX) wird seit 2004 geübt. Die nächste LÜKEX-Übung ist für Mai 2021 geplant. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits.

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