Die neue Neckarbrücke (links) soll etwa 140 Meter lang werden. Laut einer Prognose werden rund 40 000 Fahrzeuge täglich über sie rollen. Foto: ISTW Planungsgesellschaft

Nach jahrelangen, zähen Verhandlungen haben sich die Stadt Remseck und das Verkehrsministerium auf die Größe der neuen Neckarquerung geeinigt: Sie soll ausdrücklich kein Ersatz für den Nordostring sein. Entschieden ist der Bau des Großprojekts damit noch lange nicht.

Remseck - Gut gefüllt sind die Besucherplätze im Remsecker Gemeinderat vor allem, wenn Verkehrsthemen behandelt werden. Richtig voll sind sie, wenn über den Bau der Westrandbrücke debattiert wird. Am Dienstagabend war der Ratssaal fast komplett besetzt, hatte der parteilose Oberbürgermeister Dirk Schönberger doch einen Durchbruch zu verkünden: Nach langem und zähem Ringen haben sich die Stadt und das Verkehrsministerium von Winfried Hermann (Grüne) darauf geeinigt, wie die neue Querung über den Neckar einmal aussehen soll.

Konkret verständigten sich die beiden Seiten darauf, dass die Brücke vor allem für den örtlichen Verkehr sein soll. Ein Ersatz für den Nordostring – die noch umstrittenere große Umgehungsstraße im Nordosten der Region Stuttgart zwischen Waiblingen und Kornwestheim – sei die Brücke ausdrücklich nicht, schreiben Stadt und Land in einer gemeinsamen Erklärung.

Drei Spuren hat die neue Brücke

Festgemacht wird das an einigen Punkten: Drei Spuren soll die neue Brücke demnach haben, eine Tempolimit von 50 auf ihr gelten. Die Knotenpunkte an den Zufahrtsstraßen werden so gebaut, dass Autofahrer spätestens bei der zweiten Ampelphase die Kreuzungen überqueren können. Insgesamt wird die Brücke nach den Plänen 140 Meter lang und mehr als 16 Meter breit. Mit einer Höhe von 13 Metern über der Wasseroberfläche des Neckars ist sie etwa drei Meter höher als die bestehende.

Die Dimensionen der Brücke waren zuletzt der g rößte Streitpunkt gewesen. Während der Stadt Remseck ein möglichst schmales Bauwerk vorschwebte, drang das Land auf eine größere Variante. Gerungen wurde daher um die Zahl der Fahrspuren, die Art, wie die Brücke an die Straßen angebunden wird und darum, wie hoch das Bauwerk aufragt. Mit dem jetzigen Kompromiss können beide Seiten gut leben. „Ich bin zufrieden“, sagt der Oberbürgermeister Dirk Schönberger. Von einer „großen Übereinstimmung“ zwischen den Beteiligten spricht der Ministerialdirektor Uwe Lahl.

40 000 Fahrzeuge pro Tag

Derzeit rollen mehr als 30 000 Fahrzeuge täglich über die bestehende Neckarbrücke, knapp 40 000 werden es laut Hochrechnungen im Jahr 2030 sein. Für diese Verkehrsmenge ist die neue Brücke ausgelegt. Die Trasse gilt als eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Kreis Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis, die Staubelastung ist vor allem in den Hauptverkehrszeiten enorm. Mit der neuen Querung soll überdies der Schleichverkehr, der bisher Remsecker Nebenstraßen nutzt, um den Wartezeiten vor der Brücke zu entgehen, enden.

Gebaut werden soll die neue Furt einige hundert Meter flussaufwärts von der bestehenden Brücke, in Richtung Stuttgart. Dafür wird auch die derzeitige Landesstraße am Rand des Stadtteils Neckargröningen nach Westen verlegt.

Mit der jetzigen Einigung ist der Weg frei, die Brücke zu planen. Einen entsprechenden Beschluss wird der Gemeinderat wohl im Februar fassen, eine politische Mehrheit ist absehbar. Bereits vor anderthalb Jahren hatten sich Stadt und Land über die Verteilung der Baukosten geeinigt, demnach übernimmt das Land drei Viertel der etwa 20 Millionen Euro.

Bürgerinitiative fordert eine Podiumsdebatte

Ganz und gar nicht begeistert über die neuerliche Entwicklung ist derweil die Bürgerinitiative „Wir für morgen“. Sie hatte vor Monaten viel Aufsehen mit einer Aktion erregt, bei der sie die Dimensionen der Brücke mit Luftballons sichtbar machte und dabei von einer „Monsterbrücke“ mitten in Remseck gesprochen hatte.

In einem offenen Brief an das Rathaus und den Gemeinderat kritisiert die Initiative, dass die Westbrücke, so wie sie nun geplant sei, die Stauprobleme „nur neckar-aufwärts verschiebt“. Zudem werde „die Landschaft verschandelt“, der Kern von Remseck durch Lärm und Abgase kontaminiert. Der Verein fordert die Verwaltung zu einer Podiumsdiskussion über das Für und Wider auf. Zudem hätten die Bürger das Recht, „über so eine fundamental wichtige Entscheidung in einem Bürgerentscheid zu bestimmen“, heißt es in dem Brief. Einen solchen Bürgerentscheid hat auch die FDP-Fraktion immer wieder gefordert.

Die Stadt Remseck lädt für Mittwoch, 6. Februar, um 19 Uhr in die Gemeindehalle nach Aldingen ein. Dabei wird über die Pläne zur Brücke informiert.

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