Der Winnender City-Treff wurde mit einem Online-Fassanstich eröffnet. Foto: Gottfried Stoppel

Andrea Bergs Heimspiel, der Winnender City-Treff, das Backnanger Straßenfest – viele Events können in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Veranstalter lassen sich etwas einfallen, um ein bisschen Stimmung aufkommen zu lassen.

Rems-Murr-Kreis - Eine Stadt prostet sich zu – virtuell. Dass so etwas geht, hat am Freitagabend Winnenden bewiesen: Dort wäre eigentlich das Stadtfest City-Treff eröffnet worden. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist dieses abgesagt; doch damit die Feierstimmung nicht komplett ausbleibt, hatten sich die Organisatoren etwas einfallen lassen. Sie riefen dazu auf, in den sozialen Netzwerken Zuprost-Videos zu posten.

Aus dem Ort kam rege Beteiligung: Die Musik- und Kunstschule schickte musikalische Grüße, auch der Winnender Wein- und Kulturverein erhob singend die Gläser. Der Handballclub Winnenden demonstrierte mit Humor, dass das Zuprosten mit Mundschutz gar nicht so einfach ist. Das Team der Volkshochschule trieb das Konzept des virtuellen Prostens auf die Spitze und hob seine Tassen einzeln per Videokonferenz.

Der Winnender OB lädt zum virtuellen Fassanstich

Die Hauptrolle spielte als Hausherr der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Untermalt von zünftig-zackigen Klängen der Stadtkapelle Winnenden, interviewte Holzwarth die beiden amtierenden beziehungsweise ehemaligen „Winnender Mädle“, Guiliana Di Donna und Celina Traub. Beim Anstoßen waren die drei sichtlich darauf bedacht, den Abstand zueinander zu wahren. Er freue sich schon auf das nächste Jahr, sagt Holzwarth. Da gebe es dann „ein schönes Fest, das wir wahrscheinlich mit noch viel mehr Begeisterung feiern, nachdem wir dieses Jahr pausieren.“

Andrea Berg kann in diesem Jahr kein großes Heimspiel geben

Ein Fest der anderen Art wäre vom 17. bis 19. Juli in Großaspach gestiegen, wenn die Schlagersängerin Andrea Berg zu ihrem „Heimspiel“ in Aspach aufgespielt hätte. Ungefähr 30 000 Menschen wären gekommen, angeblich soll der Umsatzausfall für Karten, Unterkunft und Verpflegung zwei bis drei Millionen Euro betragen. Bei dem traditionellen Abschluss der Berg-Tourneen ist der kleine Ort in jedem Jahr im Ausnahmezustand. In diesem Jahr ist dank Corona freilich alles anders – aber immerhin einige handverlesene Stammgäste und Berg-Superfans werden im Hotel Sonnenhof, das Bergs Familie gehört, untergebracht. Für sie gibt es ein nicht-öffentliches Programm unter Einhaltung der Corona-Regeln.

Das Backnanger Straßenfest fand im Autokino statt

Auch in Backnang hatte man sich etwas einfallen lassen. Dort hätte am letzten Juniwochenende das in der Stadt sehr beliebte Straßenfest stattfinden sollen. Zum ersten Mal seit dem Jahr 1971 fiel es aus – was für viele Vereine, die dort bisher mit Ständen vertreten waren, große finanzielle Ausfälle bedeutet. Immerhin haben mehrere Städte Hilfsfonds eingerichtet, um die Auswirkungen der Corona-Krise zumindest abzumildern.

Damit in Backnang zumindest etwas Partystimmung aufkommen konnte, stellte der Stadtjugendring auf den Etz­wiesen das Koi-Zeit-Festival auf die Beine, eine Kooperation mit der Open-Air-Version des Kinos Universum. Drei Tage konnten sich Besucher auf 99 Sitzplätzen und in maximal 70 Autos unter anderem Death-Metal, Bluesrock, Blasmusik und Partyklänge des Hofbräuregiments anhören.

Schorndorfer Woche als Wein zum Mitnehmen

Ein weiteres Fest, das der Corona-Krise zum Opfer gefallen ist, ist die Schorndorfer Woche, von Fans liebevoll auch Schowo genannt. Die für die Zeit vom 17. bis 21. Juli geplante Feier ist ersatzlos gestrichen, aber die Gemeinschaft der Schorndorfer Vereine hat sich zusammen mit den Fellbacher Weingärtnern eine „Private Schowo“ ausgedacht. So heißen zwei rote und weiße Weine – ein feinherber Trollinger mit Lemberger und ein trockener Spätburgunder Kabinett.

Jeweils samstagsvormittags bis zum 1. August können die Tropfen auf dem Wochenmarkt gekauft werden. Ein Euro des Erlöses fließt in die „Corona-Kasse“ der Vereinsgemeinschaft. Die beiden Weine, so stellen es sich die Macher vor, werden dann bei kleinen Grillfeiern in den Gärten Schorndorfs oder in trauter (und infektionsschutzkonformer) Zweisamkeit auf dem Balkon genossen.

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