Martin Fürst liebt Modelleisenbahnen, sein Sohn Markus Traktoren und Bagger. Mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie. Klicken Sie sich durch. Foto: factum/Jürgen Bach

Besonderes ist geboten: Die Korntaler Modellbahntage sind zum 25. Mal. Martin Fürst ist als Aussteller von Anfang an dabei. Der 54-Jährige fasziniert die Besucher mit großen Modellen von Märklin – doch sein Sohn stiehlt ihm mitunter die Show.

Korntal-Münchingen - Martin Fürst trägt es mit Fassung. „Wenn er baggert, brauche ich nicht mehr Eisenbahn fahren“, sagt der Korntaler und lacht. Mit „er“ meint der 54-Jährige seinen Sohn Markus, der die Modellbahnanlage des Vaters mit Traktoren und Baggern ergänzt. Letztere lässt der 18-Jährige bei Veranstaltungen wie den Korntaler Modellbahntagen an diesem Wochenende die Zugwagen mit Mais beladen.

„Das rappelt so schön. Die Kinder finden das toll“, sagt Markus Fürst. So toll, dass die großen Eisenbahnen in Spur 1 im Maßstab 1:32 erst mal vergessen sind. Markus Fürst kann das nachvollziehen. „Ich träumte als Kind davon, Baggerfahrer zu werden. Stundenlang stand ich an Baustellen“, sagt der angehende Kfz-Mechatroniker. Heute lebe er seine Leidenschaft am Modell aus. „Damit zu spielen, macht mir richtig Spaß.“ Außerdem passten die Fahrzeuge von der Größe her perfekt zur Anlage seines Vaters.

„Hier kann ich mich austoben“

Der Korntaler zeigt bei den Modellbahntagen in der Musikschule zum 25. Mal gut ein Drittel seiner Schätze des Herstellers Märklin. Vieles erbte Martin Fürst von seinem Vater – wie auch die Faszination. Damit gehört Martin Fürst zu den Ausstellern der ersten Stunde. Seine 50 Quadratmeter große Anlage gestaltet er jedes Jahr anders. „Hier kann ich mich austoben“, sagt der Versicherungsfachwirt. Er stellt die Anlage – das tut sonst keiner – auf den Boden: Entgleist ein Zug, fällt er nicht tief. Und die Kinder können bequem auf dem Bauch liegend staunen – und sich dabei aus den Wagen die Gummibärchen schnappen. Zuhause bleibt die Anlage mangels Platz verpackt.

Auf seine neue Errungenschaft ist Martin Fürst besonders stolz, zumal er lange auf sie warten musste: Dreieinhalb Jahre ist es her, dass er die rote Lok der Baureihe V 100 bestellt hat. „Das Warten hat sich gelohnt“, sagt Fürst über die Lok, die in der Region weit verbreitet ist. Lautstark stampft sie nun in Richtung Kopfbahnhof. „Das ist ein Sound“, schwärmt der 54-Jährige. Die Geräusche ertönten umso lauter, je größer die Eisenbahn sei, erklärt er seine Vorliebe für große Züge. Robust und detailreich seien sie auch. „Das ist ideal im Alter, wenn man schlechter sieht“, sagt der Korntaler grinsend. Diesen Vorzug habe schon sein Vater geschätzt.

Rund 70 Kilo Lok müssen ins Obergeschoss

Vorerst das letzte Mal nimmt Martin Fürst an den Modellbahntagen teil. Die Anlage aufzubauen, bereite eine Menge Arbeit. Am 20. Dezember, also mitten in der ohnehin stressigen Weihnachtszeit, trägt er die ersten Kartons ins Obergeschoss. Eine Dampflok wiegt sieben Kilo, Fürst zeigt zehn Loks. Drei Tage lang hantiert er allein mit den Stromkabeln, drei weitere verlegt er Schienen.

„Ich habe nicht wie andere Aussteller Module, die man nur zusammenstecken muss“, sagt Fürst. Er baue seine Anlage aus dem Nichts heraus auf. Ein Unterfangen, an dem sich viele Familienmitglieder beteiligen: Fürsts Tochter, 22, drapiert liebevoll die Figuren, bevor sie zwei Tage lang an der Kasse sitzt, und auch sein Bruder steuert Modelle bei. Jetzt spielt Fürst mit dem Gedanken, in Korntal einen Verein für Freunde der Spur 1 zu gründen. Genug Sammler gebe es im Strohgäu.

Autorennen zum Jubiläum

Bislang war Martin Fürst immer der „einzige Märklinist“, wie er sich nennt. Zum Jubiläum erwartet die Besucher nun ein weiteres Märklin-Zimmer: Darin steht eine Autorennbahn, die der Marke Carrera Konkurrenz machte. Kinder können selbst Rennen fahren, daneben erläutert ein Aussteller, wie man alte Züge auf die moderne Technik umrüstet.

Die Modellbahntage entwickelten sich laut dem Veranstalter, der Musikschule, zu einer etablierten Messe mit umfangreichem Programm. Waren es einst sechs bis acht Aussteller mit vor allem Großbahnen, darunter die Gartenbahn des Musikschulleiters Peter Meincke, sind es mittlerweile 20. Jedes Mal kämen 1800 bis 2200 Besucher aus der ganzen Region. Für Martin Fürst ist die Vielfalt der Grund dafür. „Für jeden ist etwas dabei. Jedes Zimmer behandelt ein eigenes Thema.“ Auch Trends wie derzeit die Spur 0 würden gezeigt.

Termin Die Korntaler Modellbahntage in der Musikschule (Alte Lateinschule, Johannes-Daur-Straße 6) öffnen an diesem Samstag, 4. Januar, und tags darauf von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder zahlen einen Euro. Der Preis für eine Familienkarte beträgt zehn Euro. Alle Informationen im Internet auf imo-korntal.de.

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