Foto: Baumann

In der Sache eindeutig, im Handeln kompromisslos: Vieles davon, was Christian Gross in seinen ersten Tagen anpackt, erinnert an Ex-VfB-Trainer Felix Magath.

Stuttgart - "Christian Gross hat eine Art Magie entfacht", schwärmte VfB-Torhüter Jens Lehmann nach dem 3:1-Sieg in der Champions League gegen Unirea Urziceni. Der Trainer ein Magier? Keineswegs. Aber einer, der offenbar weiß, worauf es ankommt. Seine Sofortmaßnahmen haben gewirkt und erinnern manche beim VfB an die Methoden von Felix Magath. Schon jetzt macht ein Spitznamen für Gross auf dem Wasen die Runde: "Der Alpen-Felix."

"Er hat es wie Felix geschafft, in der Mannschaft eine Spannung zu erzeugen", sagt ein Teammitglied der Roten. Und wer genauer hinhört, merkt schnell: Das war keine Hexerei. Eher solide Arbeit - solide wie ein Schweizer Uhrwerk:

Vertrauensbildende Maßnahmen: "Ich habe versucht, den Spielern in der kurzen Zeit Vertrauen einzuflößen. Es ging darum, die negativen Dinge auszublenden und die Spielfreude zu wecken", sagt Gross, "ich habe ihnen gesagt, was sie gut können."

Der Zwei-Tore-Trick: „Meine Botschaft war von Anfang an, dass wir zwei Tore schießen müssen“, erklärt Gross. Ob er damit trickreich eine Blockade und Furcht in den Köpfen löste? Oder ob er damit einfach den Reflex auslöste, von Beginn an aggressiv und zielgerichtet nach vorn zu spielen? Wer weiß. Irgendwie hat es Gross jedenfalls geschafft, die Gedanken der Spieler neu zu programmieren.

Die neue Chancengleichheit: "Er ist ein Trainer, der durchgreift und nach Leistung aufstellt. Disziplin ist im wichtig - auf und neben dem Platz. Dafür steht er", sagt Sami Khedira.

Die Spielweise: "Ich will ein viel vertikaleres Spiel sehen", fordert Gross von seinen Spielern. Der Querpass, das Querdribbling soll in Zukunft nur noch die zweite Wahl sein.

Klare Ansagen: Aus dem Mannschaftskreis ist zu hören, dass Gross den Star der Mannschaft, Alexander Hleb, vor dem Spiel unmissverständlich gewarnt habe: Jetzt oder nie! Entweder du spurst oder fliegst raus! Tatsächlich war der Weißrusse nach dieser Ansage wieder auf einem guten Weg. Er spielte schnell und geradlinig. Was noch wichtiger war: Er kämpfte für die Mannschaft und setzte bei einem Ballverlust nach - so lange seine Kraft reichte. In der 55. Minute musste er schließlich Sebastian Rudy Platz machen. Für Hleb offensichtlich ein Affront. Nach seiner Auswechslung umging er den obligatorischen Handschlag mit dem Coach. Für die Mannschaft war es dagegen ein weiteres Zeichen für die klare Linie der Trainers. Jetzt wissen alle: Christian Gross macht ernst.

Der Zürcher selbst redet nicht gerne über seine Wiederbelebungs-Maßnahmen. Auch das gehört zu seinem Programm. Der 55 Jahre alte Trainer weiß, wie Profis ticken. Sie fallen schneller in alte Muster zurück, als man denkt. Selbstgefälligkeit und Leichtfertigkeit sind sie ständigen Wegbegleiter im heutigen Fußball. Also sagt er: "Es wäre fatal, sich von dieser Leistung blenden zu lassen. Trotz der drei Tore haben mir viele Dinge nicht gefallen." Bedeutet: Nur wenn beim VfB alle so solide weiterarbeiten, kommt die Mannschaft auch in der Liga zurück in die Erfolgsspur. Und schon folgt die nächste klare Gross-Ansage: "Die eigentliche Aufgabe fängt erst am Sonntag in Mainz an. Das Spiel wird brutal hart."

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