Nur Hochrisiko-Patienten erhalten den Influenza-Vierfach-Impfstoff. Foto: dpa

Auch wer gegen Grippe geimpft ist, kann krank werden. Die aktuell verbreiteten Influenza-B-Viren sprechen auf die Kassen-Impfung mit dem Dreifach-Wirkstoff nicht an. Was tun?

Stuttgart - Stell’ dir vor, du bist gegen Grippe geimpft, aber leider gegen die falsche – in der laufenden Grippesaison trifft das auf sehr viele Menschen im Südwesten zu. Sie können sich trotz Impfung anstecken und erkranken. Der Grund: In Baden-Württemberg herrschen derzeit Erreger der Influenza des Typs B-Yamagata vor. Etwa 70 Prozent der gemeldeten Fälle gehen auf Viren dieses Stamms ursprünglich japanischer Herkunft zurück. Gegen sie aber wirkt der saisonale Dreifach-Impfstoff (TIV) 2017/18 in aller Regel nicht oder zumindest nicht voll, sondern nur der Vierfach-Impfstoff (QIV) 2017/18.

Da nur der TIV-Impfstoff von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, ist die überwiegende Mehrheit der Menschen im Land auch mit ihm immunisiert worden. Entsprechend haben sie nun eine Impflücke bezogen auf B-Yamagata. Nur chronisch Kranke erhalten bisher in bestimmten Fällen den teureren QIV-Impfstoff auf Kassenkosten.

Nachimpfung wird nicht generell empfohlen

Wer jetzt noch auf Nummer sicher gehen will, kann sich mit dem Vierfach-Impfstoff nachimpfen lassen. Experten empfehlen dies allerdings nur für Hochrisiko-Patienten, also für Personen mit mehreren Grunderkrankungen, die einen besonders schweren Verlauf der möglichen Influenza erwarten lassen. Die Entscheidung, ob ein hohes Risiko beim Patienten vorliegt, trifft der behandelnde Arzt. Die Krankenkassen im Land haben zugesagt, die Kosten für solche Nachimpfungen zu übernehmen.

Eine generelle Empfehlung zur Nachimpfung sprechen die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI) nicht aus. Sie schließen in diesem Fall vermehrte Impfreaktionen nicht aus. Mangels verfügbarer Daten ist dieses Risiko aber nicht genau einzuschätzen. Es ist auch nicht klar, ob ein Mindestabstand zwischen der ersten und zweiten Immunisierung einzuhalten ist.

Für Personen, die sich den Dreifach-Impfstoff haben spritzen lassen, gibt es aber nicht nur unangenehme Nachrichten. Laut RKI gibt es Hinweise darauf, dass die Kassen-Impfung zumindest einen gewissen Schutz gegen die Influenza vom Typ B-Yamagata bietet. Diese sogenannte Kreuzprotektion ist allerdings kaum zu quantifizieren, sie unterliegt von Saison zu Saison hohen Schwankungen. Eine gute Nachricht ist zudem, dass die Erreger der Influenza-A vom Typ H1N1, die für etwa 30 Prozent der aktuellen Grippefälle verantwortlich sind, von der Dreifach-Impfung gut abgedeckt werden.

Impfstoffentwicklung gleicht einer Lotterie

Die Forscher stehen bei der Entwicklung von Grippe-Impfstoffen jedes Jahr vor dem Problem, die Verbreitung der unterschiedlichen Virus-Linien für die verschiedenen Regionen der Welt vorhersagen zu müssen. Das hat etwas von einem Lotteriespiel in Zeiten des globalen Reiseverkehrs – Viren gelangen im Flugzeug schnell von Kontinent zu Kontinent.

In der vergangenen Woche wurden dem Robert-Koch-Institut in Berlin bislang 15 188 labordiagnostisch bestätigte Fälle bundesweit gemeldet, wie aus dem aktuellen Wochenbericht des Instituts hervorgeht. Damit wurde mit Abstand der höchste Wert pro Woche seit Beginn der Grippewelle im Dezember registriert. In zwölf Prozent der Fälle waren Patienten im Krankenhaus. Das Landesgesundheitsamt meldete am Donnerstag 1175 Nachweise von Influenza für die laufende Woche.

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