Zull hat oft den Kopf hingehalten, hier bei einer Fotoaktion gegen rechts. Foto: Rudel

Die Sozialbürgermeisterin wirft als erste ihren Hut für das Amt in den Ring. Die Stadträte würden sie ungern ziehen lassen, viele werfen dem Oberbürgermeister Guido Till vor, die beliebte Bürgermeisterin aus der Stadt zu vertreiben.

Göppingen - Diejenige, um die es geht, will sich – wie immer – auf keinerlei Hickhack einlassen: „Meine Kandidatur ist keine Entscheidung gegen Göppingen, sondern eine für Fellbach“, sagt Gabriele Zull. Sie hat sich dazu entschieden, als Oberbürgermeisterin in der Stadt im Rems-Murr-Kreis zu kandidieren. Denn der bisherige Amtsinhaber Christoph Palm tritt zur Wahl am 18. September nicht mehr an. Viele Göppinger Stadträte geben dem Oberbürgermeister Guido Till die Schuld dafür, dass die Stadt ihre beliebte Bürgermeisterin verlieren könnte. Till, so heißt es, habe ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt und sie auch persönlich angegriffen.

Offenbar war die Fellbacher CDU auf die 49-Jährige zugekommen, die inzwischen aber auch mit den Freien Wählern und den anderen Parteien gesprochen hat. Die letzten Gespräche finden an diesem Freitagabend statt. Doch schon jetzt ist klar, dass Zull ihren Hut als parteilose Bewerberin in den Ring wirft. „Ich habe diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung zusammen mit meiner Familie getroffen“, sagt Zull und lobt die „besonders vitale Stadt“ mit der hervorragenden Infrastruktur.

Lob für Zull, Kritik an Till

In Göppingen sind sich alle Gemeinderatsfraktionen einig, dass man mit der Juristin eine kompetente, engagierte und liebenswürdige Bürgermeisterin verlieren würde. Dass sie das Zeug hat, Fellbach zu führen, bezweifelt niemand. Insofern bezeichnet der CDU-Chef Felix Gerber die Kandidatur als „logische Konsequenz“ auf ihrem bisherigen Weg. Auch der FWG-Chef Emil Frick betont, was für eine gute Arbeit sie in Göppingen mache. Er drücke ihr beide Daumen, dass sie gewinne – „obwohl ich es nicht gerne sehen würde, wenn sie ginge“. Zumal man nicht wisse, ob man wieder eine so gute Sozialbürgermeisterin finde.

In den Chor der Lobeshymnen mischt sich aber auch viel Kritik. Diese richtet sich allerdings gegen den Oberbürgermeister Guido Till. Während Frick vorsichtig anmerkt, dass er an dessen Stelle alles täte, damit Zull bleibe, wird der SPD-Chef Armin Roos deutlicher: „Ich denke, dass es zwischenmenschliche Probleme im Rathaus gibt und dass diese einen Einfluss auf ihre Entscheidung gehabt haben könnten.“

Der Gescholtene weist Vorwürfe zurück

Der Fraktionschef der Grünen, Christoph Weber, kritisiert, dass Till die Sozialbürgermeisterin kaltgestellt und nicht mehr vernünftig habe arbeiten lassen, etwa mit Einsparbeschlüssen, die sie in ihrem Ressort gar nicht habe einhalten können, weil die meisten Ausgaben Personalkosten seien. Dabei, so Weber, habe auch der Gemeinderat keine gute Figur abgegeben. Statt sich hinter Zull zu stellen, habe man die Einsparbeschlüsse abgenickt.

Der Chef von Linke/Piraten Christian Stähle nimmt kein Blatt vor den Mund: „Till demontiert Zull seit Monaten und lässt sie immer wieder ins Messer laufen.“ Das Klima im Rathaus sei vergiftet. Unter der Hand bestätigen viele Stadträte diese Einschätzung und zählen Beispiele auf, bei denen Till Zusagen zurückgezogen und Absprachen gebrochen habe. Er vertrage, so heißt es, keine Mitarbeiter auf Augenhöhe. Deshalb, so mutmaßen viele, hätten auch andere gute Mitarbeiter das Rathaus verlassen, etwa die Stadtplanerin Eva Noller, die nun Baubürgermeisterin in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) ist.

Der Gescholtene weist die Vorwürfe zurück. Gute Leute aus Göppingen hätten schon immer auch anderswo Karriere gemacht, sagt Till. Er wünsche Zull für die Kandidatur alles Gute und habe keinen Zweifel an ihren Fähigkeiten.

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