Pablo Picasso, „Le toro espagnol“, aus: Georges Louis Leclerc, comte de Buffon, „Histoire naturelle“, 1942 (Aquatinta/Radierung, 41,5 x 31,5 cm). Foto: Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Kunsthalle zeigt 450 Illustrationen des spanischen Jahrhundertmalers. An diesem Sonntag wird die Schau eröffnet.

Göppingen - Die Ausstellung „Pablo Picasso und die Literatur“, die diesen Sonntag in der Göppinger Kunsthalle eröffnet wird, beleuchtet einen Bereich im Schaffen des Künstlers, der bisher wenig Beachtung fand: seine Auseinandersetzung mit der Literatur. Auf den 450 Blättern, die die Kunsthalle präsentiert werden, offenbaren sich Picassos künstlerische Vielseitigkeit, seine technische Virtuosität und Experimentierfreude. Sie stünden für einen Künstler, der sich immer wieder erneut erfunden habe und dabei immer Picasso geblieben sei, wie es Werner Meyer, der Direktor der Kunsthalle, ausdrückt.

Mit dieser Ausstellung knüpft die Kunsthalle, die sonst ein renommierter Ort für zeitgenössische internationale Kunst ist, an die Chagall-Ausstellung vor zwei Jahren an, mit der sie schon einmal einen Ausflug in die Klassische Moderne unternommen hat. Auch damals stand die Beziehung zwischen bildender Kunst und Literatur im Mittelpunkt. Von den üblichen Schauen mit Namen großer Künstler will sich die Ausstellung in Göppingen abheben: Mit der Fokussierung auf ein Thema biete die Werkschau einen inhaltlich fundierten Einblick in Picassos Schaffen, sagt Meyer. Picasso, der von 1881 bis 1973 lebte und einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts war, traf in Paris die wichtigsten Avantgardekünstler seiner Zeit. „Diesen Persönlichkeiten begegnen wir in diesen Bildern, die damit ein ganz besonderer Moment der Literaturbegegnung sind“, sagte Melanie Ardjah, die die Ausstellung mit Meyer kuratiert hat.

Eine zweite Stimme

Doch nicht nur mit seinen Zeitgenossen setzte sich Picasso auseinander: Am Beginn des Rundgangs im Obergeschoss sind Blätter zu den „Metamorphosen“ zu sehen, die der römische Dichter Ovid vor rund 2000 Jahren verfasst hat. Sie halten sich eng an den Text. In späteren Arbeiten werden Picassos Grafiken zu einer Art Subtext, oder, wie Meyer es formuliert, zu einer „zweiten Stimme, die mit der ersten korrespondiert“. Mehr als 150 Künstlerbücher hat Picasso zwischen 1905 und 1973 gestaltet. In der Kunsthalle sind Originalgrafiken aus etwa 50 Büchern zu sehen.

Ein Höhepunkt sind die Illustrationen zu Honoré de Balzacs Erzählung „Le chef-d’œuvre inconnu“, in der sich die Kunstanschauungen jener Zeit – Balzac lebte von 1799 bis 1850 – widerspiegeln und die Picasso auf seine ganz eigene Weise interpretiert hat. Bemerkenswert sind auch die Illustrationen zu Pierre Reverdys Antikriegslyrik „Le chant des morts“ (1948). Picasso setzt in die Handschrift des Autors Zeichen mit roter Farbe. So sparsam diese auch sind, sie verraten sofort die Handschrift des Künstlers.

Kunst als politisches Statement

Picasso war auch ein politischer Künstler. „Er hat Stellung bezogen mit seiner Kraft, seiner Autorität und mit seiner Kunst“, sagt Meyer. Sichtbar wird dies in der Bilderfolge „Sueno y mentira de Franco“, in der er den spanischen Diktator als merkwürdiges Wesen karikiert, das rittlings auf einem Schwein sitzt. Doch mit der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica während des spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1937 verschwindet das Comichafte. In den folgenden Illustrationen ist nurmehr der nackte Schrecken des Krieges zu sehen – Bilder, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Die politische Haltung des Künstlers verrät auch eine Bilderfolge in der unteren Halle, in der er die Unterdrückung von Menschen, die nicht weiß sind, thematisiert. Dort soll noch eine Leseecke eingerichtet werden mit den Werken, auf die sich die Ausstellung bezieht. Die Mitarbeiter der Kunsthalle wollen dort auch kleine Lesungen veranstalten. Ein Audioguide von jungen Leuten für junge Leute ergänzt das Angebot. Sechstklässler des Göppinger Werner-Heisenberg-Gymnasiums haben ihn zusammen mit dem Kulturradio SWR 2 erstellt. Die Schüler kommentieren die Buchillustrationen und die zugrunde liegende Literatur aus ihrer Sicht.

Lesungen, Filme, Vorträge, Gespräche

Auf 50 000 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Plastiken und Keramiken wird das Gesamtwerk Pablo Picassos (1881 bis 1973) geschätzt, das durch außergewöhnliche Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen und Techniken besticht. Der bedeutendste Künstler des 20. Jahrhunderts, Sohn eines Zeichenlehrers, galt schon in jungen Jahren an der Kunstschule in Barcelona als Wunderkind. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das monumentale Gemälde „Guernica“, das die Schrecken des Bombenangriffs auf die spanische Stadt Guernica durch deutsche Kampfflugzeuge der Legion Condor während des Spanischen Bürgerkriegs thematisiert, und das Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“.

Die Ausstellung, die bis zum 28. Februar zu sehen ist, wird an diesem Sonntag, 3. Dezember, um 18 Uhr eröffnet. Grußworte sprechen der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till, und der Generalkonsul der Französischen Republik, Nicolas François Eybalin.

Eine Vielzahl von Veranstaltungen begleitet die Ausstellung. Zu den öffentlichen Führungen gesellen sich einmal in der Woche sogenannte Lunchführungen. Das sind Kurzführungen über die Mittagszeit. Geplant sind ferner eine Lesereihe „Picassos Bücher“ und eine Filmreihe „PICASSOdokumente“ sowie Vorträge und Gespräche.

Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 11 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4 Euro. Kinder und Jugendliche bezahlen 2 Euro. Familienkarten gibt es für 13 Euro.

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