Auf diesem Areal zwischen der Stuttgarter Straße und der Schulerburgstraße soll ein Pflegeheim gebaut werden. Der alte Industriebau (rechts) muss dafür weichen. Die frühere Gaststätte Stern (hinter den Bäumen versteckt) wird hingegen saniert. Foto: Andreas Pflüger

Investoren wollen ein großes Pflegeheim bauen, aber auch das historische Gaststättengebäude an der Stern-Kreuzung sanieren.

Göppingen - Die Lage, unweit der viel befahrenen Sternkreuzung, hatte zunächst für gewisse Irritationen gesorgt. An der Lorcher Straße, zwischen dem Göppinger Landratsamt und dem früheren Gasthaus „Stern“, dem besagte Kreuzung ihren Namen verdankt, möchten Investoren ein Pflegeheim mit 90 Plätzen sowie 43 Seniorenwohnungen bauen. Ausgerechnet dort? – „Ja“, sagt der Göppinger Architekt Uwe Flaig. Und „Ja“ sagt, zumindest was die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans angeht, auch der Gemeinderat der Hohenstaufenstadt. Nachdem eine Reihe von Fragen geklärt werden konnten, sogar einstimmig.

Eine Anregung aus dem Gestaltungsbeirat hatte Flaig, der gemeinsam mit dem Gründer des IT-Spezialisten Nic, Harald Geißelhardt, auch als Investor auftritt, bereits im Vorfeld der Beratungen aufgegriffen. So verteilt er nunmehr zwei Baukörper, die um eineinhalb Stockwerke niedriger sein werden als der gerade entstehende Landratsamtsanbau, auf dem 3600 Quadratmeter großen Areal entlang der Schulerburgstraße.

In dem Haus waren in der Vergangenheit etliche Szenekneipen heimisch

Ohnehin keine Frage war für Flaig, den in den vergangenen Jahren immer wieder zur Disposition stehenden „Stern“ zu erhalten. Als Göppinger habe der letzte noch bestehende Gasthof, der den Stadtbrand von 1782 überstanden hat, für ihn auch eine emotionale Bedeutung, erklärt er. Das Haus, in dem in den vergangenen 40 Jahren etliche Szenekneipen heimisch waren, soll einen kleinen Anbau erhalten und künftig als Bäckerei-Café dienen. Einerseits sicherlich auch als Anlaufstätte für die Senioren selbst und deren Besucher, aber eben auch für die Beschäftigten aus der Umgebung, etwa aus dem Landratsamt oder von der Firma Schuler.

Zunächst geäußerte Bedenken zur Lage an diesem Verkehrsknotenpunkt vermochte der Architekt weitgehend zu zerstreuen: „Für alte Menschen ist das, was vor ihrem Fenster passiert, oft die einzige Abwechslung. Deshalb halte ich, wenn es um eine derartige Einrichtung geht, die Grüne Wiese für den falschen Standort.“ Zudem sei die Infrastruktur rund um die Sternkreuzung, mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Banken oder auch dem Wochenmarkt ideal“, fügt Flaig hinzu.

Architekt zerstreut Befürchtungen, die Parkplätze könnten nicht ausreichen

Den Einwänden, dass die Tiefgarage mit lediglich 40 bis 50 Stellplätzen zu klein sein könnte, nimmt Flaig ebenfalls die Spitze. In dieser Lage kommen die meisten Beschäftigten wohl eher mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Und dass die meisten Bewohner ihre Autos behalten würden, wie Volker Allmendinger (CDU) erklärt habe, sei so auch nicht nachzuvollziehen. „Das mag für die Leute in den Seniorenwohnungen ja vielleicht noch gelten. Nicht aber für die Bewohner des Pflegeheims“, entgegnet er.

Verwandte und Bekannte, die auf Besuch kämen, was ja meist am Abend oder am Wochenende geschehe, könnten zudem das Parkhaus des Landratsamts nutzen, das zu diesen Zeiten eher leer stehe und zudem eine Etage mehr bekomme als zunächst geplant, fährt Flaig fort. „Dennoch nehmen wir dieses Thema natürlich ernst.“ Und was die Lärmemissionen durch die umliegenden Straßen betreffe, könne rein baulich einiges getan werden, um die in so einem Fall besonders strengen Richtlinien einzuhalten, ergänzt er.

Investoren wollen rund 20 Millionen Euro in das Projekt stecken

Der Göppinger Baubürgermeister Helmut Renftle bestätigte in der Ratssitzung diese Einschätzung und kündigte zudem an, dass vor einer Baugenehmigung in jedem Fall noch ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben werde. Zudem soll eine artenschutzrechtliche Untersuchung stattfinden. „Ich bin auf jeden Fall froh, dass für diesen Bereich überhaupt Investoren gefunden werden konnten“, sagt er.

Apropos Investoren: Flaig und Geißelhardt rechnen mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro – und wissen zudem, dass noch viel zu tun sein wird, ehe im Sommer 2022, so die Planungen, die ersten Bewohner einziehen können. So wird es im Laufe des Bebauungsplanverfahrens mit Sicherheit noch etliche Anregungen geben, etwa zur Gestaltung der Gebäude, zur Erschließung oder zur Verkehrsführung.

Auf zwei anderen „Baustellen“ ist Flaig indes schon vorangekommen: Die Gespräche mit dem potenziellen Betreiber der Einrichtung, dessen Namen er noch nicht nennen möchte, seien abgeschlossen. Der Vertragsabschluss stehe unmittelbar bevor, sagt Flaig. Und auch mit den beiden Mietern der bestehenden Gewerbeimmobilie befinde man sich auf einem guten Weg. Eine Aufhebungsvereinbarung sei bereits unterzeichnet.

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