Kratos hat neuerdings nicht nur mit allerlei monströsem Gesindel, sondern auch mit einem bisweilen eigensinnigen Sohnemann zu kämpfen. Foto: Hersteller

Actionspiel-Fans ist der Gott mit kriegerischen Allüren gut bekannt. Nun muss Kratos neue Kämpfe bestehen. Freunde der ersten Teile sollten diesen Test aufmerksam lesen. Manches hat sich geändert.

Stuttgart - Die God-of-War-Serie stand in den vergangenen Jahren für krachende Action – hat aber inzwischen ein bisschen Patina angesetzt. Die Macher des vierten Teils hatten sich deshalb vorgenommen, das Rad zwar nicht neu zu erfinden, aber doch immerhin so zu erneuern, dass es noch für eine Weile hält. Wie gut das gelungen ist, haben wir in einem mehrstündigen Test untersucht. Hier das Ergebnis.

Spielinhalt

Die augenfälligsten Neuerungen: Kratos trägt jetzt Vollbart und ist nicht mehr im antiken Griechenland unterwegs, um Vergeltung zu üben. Dieses Mal richtet sich sein Zorn gegen die Riege der nordischen Götter, die Story ist aus nordischen Mythen gewoben, die Welt, in der Kratos kämpft, mutet entsprechend skandinavisch an.

Die Geschichte beginnt für ein Actionspiel erstaunlich leise: Kratos muss gemeinsam mit seinem Sohn Atreus Faye zu Grabe tragen, Kratos’ Sohn und Atreus’ Mutter. Doch Fayes letzter Wunsch, ihre Asche auf dem höchsten Berg des Landes verstreut zu haben, erweist sich als schwer zu erfüllen. Denn die Bäume, die Kratos für die Bestattung gefällt hat, sind eine Barriere gegen die untoten Lebewesen der Welt von Midgard gewesen. Nun tummeln sich vor der Hütte von Vater und Sohn Dämonen und Trolle. Mit Atreus im Schlepptau und der Streitaxt auf der Schulter macht sich Kratos auf, Fayes letzten Wunsch zu erfüllen.

Stärken

Optisch ist God of War eine Wucht. Manchmal ertappt sich der Spieler dabei, wie er Kratos durch die Landschaft steuert und schlicht die Aussicht genießt. Die Animationen sind flüssig, die Übergänge von Zwischensequenzen zum aktiven Spiel so fließend, dass gelegentlich erst nach ein paar Sekunden auffällt, wie Kratos herumlungert und auf die Steuerung durch den Spieler wartet.

Sehen Sie hier den Trailer zu God of War:

Sohn Atreus wird als Sidekick geschickt integriert – manche Dämonen müssen von ihm erst per Pfeilschuss betäubt werden, damit Kratos sie bekämpfen kann. Die problematische Vater-Sohn-Geschichte ist vermutlich nicht jedermanns Sache, wird aber insgesamt überzeugend erzählt.

Das Kampfsystem – der Spieler sammelt Erfahrung und Geld und kann sich mit beidem hochrüsten – überzeugt und verlockt zu wuchtig animierten Kampfsequenzen, die mit bestimmten Tastenkombinationen ausgelöst werden.

Schwächen

Puristen mögen einwenden, dass das runderneuerte God of War nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Für Actionfreunde sind die Tomb-Raider-mäßigen Rätseleinlagen, mit denen Kisten und Türen geöffnet werden, möglicherweise eine Spaßbremse. Der Fähigkeitenbaum mag den Freunden von Rollenspielen nicht ansatzweise komplex genug sein, die Tastenkombinationen, die man für die besten und sinnvollsten Schlag- und Trittkombinationen benötigt, haben hingegen einen kaum zu bewältigenden Lernaufwand.

Manche Areale des God-of-War-Universums geben den Anschein einer offenen Welt, die aber weit entfernt ist von Open-World-Spielen wie der Far-Cry-Reihe. In der Handlung von God of War geht es doch vor allem linear zu.

Negativ fallen die mitunter kleine und nur schwer lesbare Schrift sowie die bisweilen fitzelige Steuerung in den Menübildschirmen auf.

Fazit

Das leise Nörgeln ist allerdings Jammern auf hohem Niveau. Mit den Rollenspiel- und Gameplayneuerungen, bei denen Kratos’ Wurzeln als überirdischer Prügelknabe nicht vergessen wurden, bietet das runderneuerte God of War genügend Material, um sich für Stunden in der riesigen Welt zu verlieren – die so schön gestaltet ist, dass manche Spieleinlage zu einer Art Ausflug wird.

God of War ist freigegeben ab 18 Jahren und für 69,99 Euro exklusiv für Playstation 4 erhältlich.

Grafik: 4,5 von 5

Spielspaß: 4 von 5

Atmosphäre: 4,5 von 5

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