Sandra Vöhringer lässt in wenigen Tagen die Glemstalschule hinter sich. Foto:  

Sandra Vöhringer wechselt von der Glemstalschule in Schwieberdingen und Hemmingen überraschend an eine Gemeinschaftsschule in Stuttgart. Dort kann sie das umsetzen, wofür sie im Strohgäu erfolglos gekämpft hat: die gymnasiale Oberstufe.

Schwieberdingen/Hemmingen - Streit um die gymnasiale Oberstufe, um die Sanierung und Erweiterung, Vorwürfe des Elternbeirats, wonach Brand- und Amokschutz fehlen: Die Glemstalschule geriet in den vergangenen Jahren immer wieder negativ in die Schlagzeilen – und mit ihr die Rektorin. Nun verlässt Sandra Vöhringer nach zehn Jahren die Glemstalschule, um nach den Sommerferien eine Gemeinschaftsschule in Stuttgart zu leiten. Sechs Jahre lang war sie die Rektorin im Strohgäu, zuvor die Konrektorin. „Ich habe mir schon eine ganze Weile Gedanken gemacht“, sagt Sandra Vöhringer.

„Sehr große Chance vergeben“

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei ihrem neuem Arbeitsplatz um die Schickhardtschule. Die Gemeinschaftsschule ist als zentraler Standort für die gymnasiale Oberstufe aller acht Gemeinschaftsschulen in Stuttgart vorgesehen. So hieß es jedenfalls noch im Februar vom Schulverwaltungsamt. Der Schulträger selbst teilt jetzt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Die Landeshauptstadt Stuttgart plant spätestens zum Schuljahr 2021/2022 an mindestens einer Gemeinschaftsschule eine gymnasiale Oberstufe einzurichten.“

Sandra Vöhringer schweigt über ihre neue Wirkungsstätte – noch seien nicht alle Dokumente unterschrieben. Sicher ist indes: Die Stadt Stuttgart steht der gymnasialen Oberstufe aufgeschlossener gegenüber als der Schulträger der Glemstalschule, die Gemeinden Schwieberdingen und Hemmingen. Und das ist mit ein Grund, warum Sandra Vöhringer geht: Sie kämpfte über Jahre vergeblich für die Oberstufe an der Glemstalschule. Ihrer Ansicht nach gehört es zum Konzept der Gemeinschaftsschule, dass die Schüler auch Abitur machen können. „Ich halte es nach wie vor für sehr bedauerlich, dass sich der Schulträger dagegen entschieden hat, die gymnasiale Oberstufe zu beantragen“, sagt Sandra Vöhringer. Damit habe er „eine sehr große Chance vergeben“.

Verhältnis zwischen Leitung und Träger nachhaltig beschädigt

Die Querelen der Vergangenheit haben das Verhältnis zwischen Schulleitung und Schulträger nachhaltig beschädigt. Dies offenbart die nüchterne Pressemitteilung von dem Hemminger Bürgermeister Thomas Schäfer und seinem Schwieberdinger Amtskollegen Nico Lauxmann, beide CDU. Man wünsche „Frau Vöhringer im Namen des Schulträgers für ihre persönliche und berufliche Zukunft alles Gute und bedankt sich für ihr großes Engagement zum Wohl unserer Glemstalschule“, heißt es darin. Auf Anfrage gibt sich Thomas Schäfer kurz angebunden, was untypisch ist für ihn: Sandra Vöhringers Entscheidung sei überraschend gekommen, mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Zu den Differenzen zwischen Träger und Rektorin kam hinzu, dass besonders die Hemminger CDU Sandra Vöhringer immer wieder heftige Vorwürfe machte. Demnach habe sie trotz der Raumnot Kinder an die Schule geholt, um genug Schüler für die gymnasiale Oberstufe zu haben. Dies wies Sandra Vöhringer stets zurück. Gleichwohl seien auch die Angriffe ein Grund für ihren Weggang.

Vorerst bleibt die Glemstalschule ohne endgültige Leitung

Wer die Glemstalschule von September an leitet, ist noch unklar. Da das Verfahren von Sandra Vöhringer erst vor Kurzem abgeschlossen worden sei, werde die Stelle direkt nach der Sommerpause ausgeschrieben, sagt Hubert Haaga, der Leiter des Ludwigsburger Schulamts. „Bis zur Wiederbesetzung werden wir mit einer kommissarischen Schulleitung und einem Schulleitungsteam arbeiten.“ Gespräche hierfür liefen derzeit.

Hubert Haaga ist zuversichtlich, bald Ersatz zu finden. Leitungsstellen in Gemeinschaftsschulen seien „attraktive Stellen, die bisher nachgefragt waren“. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich auch Rektoren auf andere Leitungsstellen bewerben, meint Hubert Haaga. „Führungskräfte suchen immer wieder auch neue Herausforderungen.“

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