Kurskorrektur: Der Pick-up X-Klasse wird nicht in Argentinien produziert. Foto: Daimler

Der Gewinn von Daimlers Autosparte Mercedes-Benz Cars ist im ersten Quartal um ein Drittel eingebrochen – auch weil es beim Anlauf der Produktion des Geländewagens GLE im US-Werk Probleme mit Zulieferern gibt. Die Transportersparte schreibt rote Zahlen.

Stuttgart - Nach einem Einbruch des Gewinns im ersten Quartal will der Daimler-Vorstand alle Hebel in Bewegung setzen, um im Gesamtjahr doch noch einen leichten Anstieg von Umsatz und Gewinn zu schaffen. Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte sich zuversichtlich, räumte jedoch ein, dass es nach dem ersten Quartal nicht einfacher geworden sei, die Ziele zu erreichen. Damit dies gelingt, wird sich sein Nachfolger Ola Källenius mächtig ins Zeug legen müssen, denn Zetsche gibt die Führung des Autokonzerns mit der Hauptversammlung am 22. Mai ab.

Während der Umsatz in den ersten drei Monaten bei rund 39,7 Milliarden Euro stagnierte, ist der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bis März gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro abgerutscht. Dies zeigt jedoch nicht das ganze Ausmaß der Misere, weil durch die Zusammenlegung der Mobilitätsdienste von Daimler und BMW in der Finanzsparte ein einmaliger Buchgewinn von 718 Millionen Euro entstand, der den Absturz bremste.

Der Absatz von Geländewagen ist um 16 Prozent zurückgegangen

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich in der Autosparte Mercedes-Benz Cars. Diese Sparte ist traditionell die wichtigste Säule des Geschäfts. Im ersten Quartal rutschte hier der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 37 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ab. Finanzvorstand Bodo Uebber, der im nächsten Monat ebenfalls ausscheidet, begründete diesen Einbruch mit einer Mixtur aus Modellwechseln, schwächerer Konjunktur, schärferem Preiskampf, hohen Investitionen für neue Modelle und Zukunftstechnik sowie hausgemachten Problemen.

Konzernchef Zetsche hatte bei der Vorlage der Bilanz im Februar bereits darauf hingewiesen, dass es Lieferengpässe gebe, weil die erforderliche Zertifizierung der Modelle nach der neuen Abgasprüfnorm WLTP sehr aufwendig sei. Hinzu kommen jedoch auch Schwierigkeiten beim Anlauf des Geländewagens GLE im amerikanischen Werk Tus­caloosa. Früher hieß der Wagen M-Klasse. Die neue Generation, die seit kurzem bei den Händlern steht, basiert laut Uebber auf einer vollkommen neu entwickelten technischen Plattform, bei der man sowohl mit bewährten als auch mit neuen Lieferanten zusammenarbeite. Dies klappt offenbar noch nicht so richtig. „Die Herausforderungen bei diesem Projekt sind groß“, räumte Uebber ein. Deshalb können weniger Autos als geplant produziert und verkauft werden. Dies trifft auch das Geschäft in China, dem größten Markt des Autobauers. Denn der GLE wird aus Tuscaloosa auch nach China exportiert. Diese Schwierigkeiten trugen dazu bei, dass der Absatz von Geländewagen, im ersten Quartal um 16 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Die Geländewagen gelten als hoch profitabel. Der Finanzchef setzt darauf, dass die Probleme in den kommenden Monaten gelöst werden können.

Die Zusammenarbeit mit Nissan in Mexiko klappt nicht richtig

Nicht so richtig rund läuft es auch bei der Produktion der A-Klasse-Limousine in Mexiko. Diese wird gemeinsam mit einem Nissan-Modell in einem Werk des japanischen Herstellers produziert. Diese japanisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion harmoniert offenbar nicht so richtig. Uebber demonstrierte Zuversicht. „Wir rechnen damit, dass wir das Nadelöhr in nächster Zeit aufbohren können“, sagte der Finanzvorstand.

Auch bei einem anderen Gemeinschaftsprojekt mit dem Partner Renault- Nissan haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Uebber kündigte an, dass der Pickup X-Klasse, anders als geplant, nicht in Argentinien produziert wird. Daimler hat sich hier verrechnet. Die X-Klasse ist ein Bruder des Nissan Navara. Der Pick-up mit Stern ist den lateinamerikanischen Kunden zu teuer, wie Uebber durchblicken ließ. Hinzu kommt wohl aber auch, dass Argentinien mit einer Wirtschaftskrise kämpft und auch die Konjunkturentwicklung in Brasilien enttäuschend ist. Die X-Klasse wird nun in diesen beiden Ländern nicht verkauft. Argentinien und Brasilien zählten beim Start des Projekts zu den wichtigsten Märkten für diesen mittelgroßen Pick-up. Für den europäischen Markt und weitere Länder wird die X-Klasse nun wie bisher ausschließlich in einem Nissan-Werk in Barcelona produziert. Auf den US-Markt hat Daimler von vornherein verzichtet.

Finanzchef Uebber schweigt zum Sparpaket

Die Kurskorrektur belastet die Ertragsrechnung und trägt dazu bei, dass die Transportersparte in die roten Zahlen gerutscht ist. Hinzu kommen auch Probleme beim Anlauf des Transporters Sprinter in einem neuen US-Werk sowie Rückrufe von Transportern, weil das Kraftfahrtbundesamt dem Konzern Abgasmanipulation vorgeworfen hat.

Konzernchef Zetsche hat im Februar schon angekündigt, dass der Gewinneinbruch mit „Gegenmaßnahmen“ gestoppt werden soll – ohne auch auf hartnäckige Nachfragen Details eines Sparpakets preiszugeben. Auch Finanzvorstand Uebber schwieg bei der Vorlage der Quartalsbilanz – mit der Begründung, das Paket sei noch nicht geschnürt. „Wir arbeiten aktuell im gesamten Unternehmen an der Analyse der Kosten, Prozesse und Optimierungsmöglichkeiten“, sagte Uebber lediglich.

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