Die Gewalt im Sudan eskaliert. Endet der Traum eines friedlichen Machtwechsels? Foto: AFP

das Militär im Sudan lässt die Maske fallen und schießt auf friedliche Demonstranten. Der Westen schaut tatenlos zu, kommentiert Johannes Dieterich.

Khartum - Kaltschnäuziger geht es nicht mehr. Am Montagmorgen zeigten die sudanesischen Generäle ihr wahres Gesicht: Sie ließen ihre uniformierten Schergen los, damit diese der Sitzblockade vor dem Hauptquartier der Streitkräfte in Khartum unter Einsatz von scharfer Munition ein Ende bereiten. Nach jetzigem Stand wurden mehr als ein Dutzend junger Männer, Frauen und sogar Kinder erschossen, viele Dutzende verletzt und mit Prügeln traktiert. Ihr Verbrechen: Nach einer 30-jährigen Militärdiktatur wollten sie sich nicht mehr länger von raubgierigen und skrupellosen Offizieren beherrschen lassen. Nun tut die Armee so, als ob sie mit dem Vorfall gar nichts zu tun gehabt hätte. Das ist eine schamlose Lüge. Die Aktion war sorgfältig geplant und wurde mit militärischer Präzision exekutiert. Anders als vor zwei Monaten blieben die Tore des Hauptquartiers der Streitkräfte für die flüchtenden Demonstranten geschlossen. 

Wie der eskalierte Machtkampf weitergehen wird, ist derzeit noch offen. Was jedoch heute schon feststeht: sowohl die Afrikanische Union wie auch Europa haben völlig versagt. Seit Wochen war abzusehen, dass die Militärs nicht von der Macht lassen wollten. Aber niemand hat sie dazu gedrängt, ihr unverschämtes Ansinnen fallen zu lassen.

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