Messer, Klingen und Amulette für die Beschneidung von Mädchen in Muranga, Kenia. Foto: dpa/Arno Burgi

40 000 Frauen in den Niederlanden und 17 000 Betroffene in Belgien sind beschnitten. Ein Trick soll Mädchen vor der gefährlichen Prozedur bewahren.

Den Haag - Die Zahl ist schockierend: Rund 40 000 Mädchen und Frauen in den Niederlanden sind beschnitten. Ihnen wurden die Klitoris und oft auch noch die Schamlippen entfernt. Sie wurden aus religiösen oder rituellen Gründen sexuell misshandelt und verstümmelt, obwohl die Beschneidung von Mädchen und Frauen in den Niederlanden verboten ist.

Die Abgeordnete der Partei für die Freiheit (PVV) Fleur Agema machte diese erschreckende Zahl der Frauenbeschneidungen in den Niederlanden gerade in einer Rede im Haager Parlament bekannt, während einer Debatte über Kindesmisshandlung. Fleur Agema berief sich auf eine Studie des Forschungsinstituts Pharos zum Thema Genitalverstümmelungen in den Niederlanden. Die Studie wurde im Auftrag des Haager Gesundheitsministeriums erstellt. Die Forscher von Pharos verweisen auf Untersuchungen der UN-Hilfsorganisation Unicef. Sie nimmt regelmäßig die Frauenbeschneidungen in 29 Ländern in Afrika und im Nahen Osten in den Blick. Dort ist diese Art der Gewalt noch gang und gäbe.

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In den Niederlanden leben etwa 95 000 Frauen, die – oder deren Eltern – aus Ländern mit dieser ungebrochenen Tradition der Frauenbeschneidung stammen. Dort und im Nahen Osten sind laut Unicef-Informationen 43 Prozent aller Frauen beschnitten. Diese Quote lasse sich durchaus auf die in den Niederlanden lebenden und aus diesen Ländern stammenden Mädchen und Frauen übertragen. Denn viele Eltern aus den genannten 29 Ländern, die in den Niederlanden und in Belgien wohnen, würden eigens für die Beschneidung ihrer Töchter in ihre Geburtsländer zurückfliegen.

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Deswegen hat die Brüsseler Staatssekretärin für Emanzipation, Bianca De­baets, eine Kampagne gegen die Beschneidung von Mädchen gestartet. Sie rief junge Mädchen dazu auf, den sogenannten Löffeltrick anzuwenden. Die Mädchen sollten einen Löffel oder einen anderen Gegenstand aus Metall bei sich tragen, am besten in der Hose oder sogar im Slip, damit sie bei den Sicherheitskontrollen auf den Flughäfen auffallen, weil der Metalldetektor in der Sicherheitsschleuse dann einen Alarm auslöse. Das Flughafenpersonal in Belgien sei instruiert und könne dann verhindern, dass die Mädchen in die Heimatländer ihrer Eltern fliegen und dort beschnitten werden.

Flughafenpersonal ist speziell geschult

In den Niederlanden ist man bisher auf diesen Löffeltrick noch nicht gekommen. Nach Informationen der Brüsseler Staatssekretärin für Emanzipation, Debaets, sind von den in Belgien lebenden Frauen etwa 17 000 beschnitten. Etwa 8600 Mädchen und Frauen seien dem Risiko ausgesetzt, dass sie noch beschnitten werden. Ungefähr 810 Mädchen unter fünf Jahren seien in Belgien genital verstümmelt worden. In den Niederlanden wurde die von der PVV-Politikerin Fleur Agema genannte sehr hohe Zahl der Mädchen- und Frauenbeschneidungen zunächst als Fehlinformation angezweifelt. Aber die Zeitung ,,de Volkskrant‘‘ machte den Faktencheck und bestätigte sie.

Der Statistiker Maarten van Smeden von der Universitätsklinik der Uni Leiden sagt gegenüber der Zeitung: „Ich halte diese Zahl von 40 000 Mädchen- und Frauenbeschneidungen hierzulande für sehr realistisch und die Studie für zuverlässig.‘‘

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