Was passiert eigentlich mit den vielen leeren Einweg-Plastikflaschen? Das wisse niemand so genau, sagt der Getränkehändler Hans-Peter Kastner. Foto: dpa

Ein Getränkehändler aus Stuttgart-Vaihingen hat Einwegplastikflaschen den Kampf angesagt. Dafür hat er billigend einen Shitstorm im Netz und weniger Kundschaft in Kauf genommen. Doch es ist anders gekommen.

Vaihingen - Er habe den offenen Brief aus „voller Überzeugung“ heraus formuliert, sagt Hans-Peter Kastner. „Ich wollte mir den Frust von der Seele schreiben“, so der Getränkehändler aus Stuttgart-Vaihingen. Das hätte auch „nach hinten losgehen können“, ist sich der Kaufmann bewusst. Denn letztlich greife er den Kunden an. „Ich habe viele Reaktionen von Händlerkollegen, Politikern und Kunden bekommen“, sagt er. Fast alle Rückmeldungen seien positiv gewesen. Lediglich im Internet gebe es ein paar wenige kritische Kommentare.

Doch Kastner hätte auch einen sogenannten Shitstorm billigend in Kauf genommen, und er riskiert noch immer, dass nun Kunden wegbleiben. Aber er sehe sich in der Verpflichtung, darüber zu informieren, dass viel zu viel Plastik im Umlauf sei, und dass das mit Nachhaltigkeit nichts zu tun habe. „Wenn ich betriebswirtschaftlich an den Punkt komme, dass ich Plastikmüll verkaufen muss, um zu überleben, dann schließe ich meinen Betrieb. Denn ich habe kein Problem damit, meinen Kindern zu sagen, dass ich gescheitert bin, ich habe aber ein Problem damit, meinen Kindern zu sagen, dass ich nichts gegen die Umweltverschmutzung getan habe“, schreibt Kastner in seinem offenen Brief.

Am Montag hatte er diesen auf seiner Facebookseite veröffentlicht. Bis Dienstagnachmittag war dieser schon mehr als 3500-mal geteilt worden. Kastner ist damit sozusagen digitales Stadtgespräch geworden.

Auch mit den Dosen soll in dem Vaihinger Getränkemarkt bald Schluss sein

Es geht ums Einwegplastik, und wer sich mit Hans-Peter Kastner am Telefon unterhält, merkt schnell, dass dem Kaufmann das Thema am Herzen liegt. Zwölf Wochen lang haben er und seine Mitarbeiter auf dem Gelände im Gebiet Unterer Grund die Einwegplastikflaschen und -dosen in Säcken gesammelt. Das Ergebnis war geradezu schockierend: 52 Säcke à 200 Flaschen und Dosen, also insgesamt 10 400 Stück seien zusammengekommen, berichtet Kastner. Ein Foto von dem Plastikmüllberg hat er am Montag ins Netz gestellt, verbunden mit dem Satz: „Wir fragen uns, warum?“

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Kastner selbst bietet diese Produkte in seinem Getränkehandel so gut wie nicht an. Zwar hat er aktuell noch vereinzelt Dosen im Sortiment. Aber auch damit soll nun Schluss sein. „Wir machen jetzt den Ausverkauf“, sagt Kastner. Dies sei für ihn eine Konsequenz aus der akribischen Sammlung. Plastikflaschen gibt es in dem Vaihinger Getränkemarkt, und es wird sie auch weiterhin geben. Aber eben nur sogenannte Zweiweg-Plastikflaschen in den typischen Kästen mit neun Ein-Liter-Flaschen. „Diese gehen zurück an den Hersteller, der die Flaschen zu 95 Prozent recycelt“, sagt Kastner. Zwar habe er diese Zahl nicht persönlich überprüft, räumt er ein. Doch zumindest habe er in diesem Fall eine entsprechende Zusage von den Herstellern.

Früher ist es ganz ohne Plastikflaschen gegangen

Anders sei das bei den dünnwandigen Einwegplastikflaschen, die meist von den großen Supermärkten in eingeschweißten Sechserpacks angeboten werden. Weil Kastners Markt etwas mehr als 200 Quadratmeter groß ist, ist er gesetzlich dazu verpflichtet, auch diese zurückzunehmen, obwohl er sie gar nicht im Sortiment hat. Bei diesen Flaschen wisse keiner so richtig, was mit ihnen passiere, wenn sie leer sind.

In seinem offenen Brief nimmt Kastner seine Kundschaft ins Gebet: „Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist geil und nach mir die Sintflut“, schreibt er auf Facebook. Es gebe keinerlei Anlass, Getränke in Plastikflaschen zu kaufen, es gebe immer eine nachhaltige Alternative aus Glas. „Als ich 1993 meine Ausbildung angefangen habe, gab es keine Plastikflaschen“, sagt der 41-jährige Familienvater. „Niemand hat sich beschwert, dass die Wasserkiste zu schwer ist. Es gab nichts anderes.“

Dem Getränkehändler geht es auch um Nachhaltigkeit und Nahversorgung

Kastner appelliert an den Verbraucher: „Wir fordern alle Kunden auf, diesen Wahnsinn zu beenden! Es liegt in Ihren Händen, und Sie haben die Wahl: Stärken Sie den Fachhandel. Kaufen Sie Mehrweg anstatt Einweg. Helfen Sie mit die Umwelt zu verbessern. Reduzieren Sie unnötigen Plastikmüll. Sichern Sie die Nahversorgung und somit auch die Nachhaltigkeit.“

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