Nicht nur für ein gesundes Leben ist die richtige Balance wichtig – beim Kistenstapeln auf dem Hof im Möhringer Jugendhaus sollte man nicht das Gleichgewicht verlieren. Foto: Lisa Wazulin

Fit mit Fun – mit dieser Taktik lockt das Jugendhaus Möhringen zu seiner Fitnesswoche. Bis Freitag kann man sich dort nicht nur sportlich auspowern, sondern auch verwöhnen lassen.

Möhringen - Der Atem der kleinen Nazie wird immer ruhiger, fast könnte man meinen, sie sei wirklich auf der Massage-Liege eingeschlafen. „Das ist sogar schon mal passiert und ein Zeichen für Entspannung“, erinnert sich Tina Reidl mit einem Lächeln, während sie weiter die zarten Hände der Elfjährigen massiert. Passend zur Massage weht sanfte Meditationsmusik durch den abgedunkelten Raum, der nur vom schwachen Schimmer zahlreicher Lichterketten erleuchtet ist. Aber nicht nur Gesichts- und Rückenmassagen werden hier angeboten, sondern auch ein echtes Paraffinbad für die Hände – eine kleine Wellnessoase und das mitten in Möhringen.

Dass diese Wellnessoase eigentlich ein Billardzimmer im Jugendhaus Möhringen ist, entpuppt sich erst bei genauerem Hinschauen: So ist die Ablage für Massagerollen, Handtücher und aromatisch duftenden Ölen in Wahrheit der umfunktionierte Billardtisch. Auch ist Reidl keine echte Masseurin, sondern organisiert Veranstaltungen wie diese für das Jugendhaus. Für die „Fit&Fun-Woche“, die noch bis Freitag läuft, hat sich die Jugendeinrichtung in ein Fitnesscenter verwandelt: Vom akrobatischen Kistenstapeln über Veggie-Burger und Obstsalat bis hin zum Badekugeln selbst machen, dreht sich drei Tage lang alles ums gesunde Leben.

Drei Tage lang dreht sich alles ums gesunde Leben

Dazu gehört neben viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung natürlich auch Entspannung für Körper und Geist. Davon wollen die aufgedrehten Jungs aber nichts wissen. „Ich will mich nicht verwöhnen lassen, ich will Bull-Riding!“, brüllt einer der Sechstklässler empört, als die Klasse die Wellnessoase und den Beautysalon betritt. Die Augen der Schülerinnen dagegen werden groß beim Anblick von Schminktisch, Nagellack in unterschiedlichsten Farben und Glätteisen. Während die Mädchen sich sofort ans Frisieren ihrer langen Mähnen machen, kommen auch die Jungs auf ihre Kosten: Zwar gibt es an diesem ersten Tag kein Bull-Riding, aber besonders das Kopfballtennis hat es den Halbstarken angetan. „Hier muss man eben mit Köpfchen spielen“, erklärt der Betreuer Andi. Das lassen sich die Ballbegeisterten nicht zweimal sagen und donnern den Volleyball lautstark auf die Tischplatte – mit dem Kopf versteht sich.

„Neben dem sportlichen Aspekt tragen diese Spiele auch zur Teambildung bei“, sagt Katharina Bolay. Für die Klassenlehrerin der Anne- Frank-Schule ist der Sportunterricht wichtig, der mache nämlich Lust auf mehr, findet sie. „Leider sind die Kleinen nach dem Besuch in der Ganztagesschule total fertig“, bedauert Bolay. Da die Schule und das Jugendhaus Bildungspartner sind, hat die Lehrerin ihre Klasse statt zum Sportunterricht mit ins Jugendhaus genommen, denn der Vormittag ist nur für Schulklassen reserviert, um das Programm auszuprobieren. Ab 14 Uhr steht das Fitnesscenter dann aber allen Neugierigen offen. „Natürlich erweitert das auch den sportlichen Horizont, und wer Lust auf mehr hat, der kommt vielleicht nach der Schule noch mal hierher“, hofft die Klassenlehrerin, die nicht zum ersten Mal mit Schülern die Fitnesswoche besucht.

Akrobatisches Kistenstapeln, Veggie-Burger und Wellness

Gemeinsam mit Jugendhausleiter Andreas Bernhard steht sie nun draußen auf dem Hof und beobachtet, wie zwei ihrer Schäfchen mutig Kisten in schwindelerregende Höhe stapeln. Auch hier ist wieder Teamarbeit gefragt. Während die elfjährige Jule versucht, nicht das Gleichgewicht auf dem Kistenstapel zu verlieren, ist es die Aufgabe von Klassenkamerad Jason, ihr die knallgelben Kisten mit einem Stab nach oben zu reichen. Und dann passiert es: Ein Ruck geht durch den Stapel, der sofort zu Wackeln beginnt – und die Sechstklässlerin baumelt plötzlich verdutzt am Sicherungsseil. „Das hat Spaß gemacht, ich will gleich noch einmal – dann aber höher“, verkündet sie ehrgeizig, noch während sie von Leiter Bernhard sanft nach unten abgeseilt wird. Drinnen versuchen sich ein paar Jungs am Rollstuhlparkour, auch Golf und Tennis kann man hier spielen – digital mit der Spielkonsole Wii-Balance. Wer geschickt mit den Händen ist, der kann in der hauseigenen Holzwerkstatt Tischtennisschläger oder eine Musikbox schnitzen. Grundsätzlich richtet sich das Angebot an Kinder ab acht Jahren, wobei viele das Programm schon kennen. „Die freuen sich jedes Jahr wieder auf den Bullen“, witzelt Jugendleiter Bernhard. Gemeint ist eine Bullen-Attrappe, auf dem sich wilde Rodeoliebhaber austoben können.

Zurück in der Wellnessoase bekommt man vom sportlichen Toben wenig mit. Nach der entspannten Massage gönnt sich die kleine Nazie jetzt auch noch ein Handbad. Danach trägt die Mitarbeiterin Reidl auf die noch heißen Hände kalte Pflegecreme auf. Das sei für sie der schönste Moment einer jeden Fitnesswoche: „Dann nämlich, wenn man den Gesichtern ablesen kann, wie gut das tut.“

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