Johannes Fechner fordert schnellere Termine für Patienten. Foto: StZ

Das neue Termingesetz wird nach Einschätzung von Johannes Fechner wenig bewirken. Es könnte für chronisch Kranke sogar nachteilig sein, sagt der Vize-Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

Berlin - Das neue Termingesetz wird nach Einschätzung von Johannes Fechner wenig bewirken. Es könnte für chronisch Kranke sogar nachteilig sein, sagt der Vize-Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

Herr Fechner, was bringt das neue Gesetz den Patienten?

Es ist ein Versprechen der Großen Koalition, dass es künftig mehr Termine geben wird. Ich habe aber Zweifel, dass das wirklich gelingt.

Warum?

Nehmen wir doch nur das Beispiel der Akutsprechstunde, die künftig jeder Facharzt anbieten muss. Da kann es gut sein, dass künftig 20 Leute im Treppenhaus stehen und in diese Sprechstunde wollen. Das kann zu Lasten der chronisch Kranken gehen, weil ein Facharzt dann womöglich von vornherein weniger Termine vergibt, um die Akutsprechstunde bewältigen zu können.

Um solche Engpässe zu vermeiden, schreibt das Gesetz vor, dass jeder Arzt mindestens 25 Stunden in der Woche Sprechstunden anbieten muss.

Das machen die allermeisten Kollegen längst – und die meisten bieten schon deutlich mehr als 25 Stunden auch für die gesetzlich Versicherten an. Vielleicht sind es am Ende zwei oder drei Prozent aller Kollegen, die mehr Sprechstunden anbieten werden. Aber das reicht sicher nicht, um das Versprechen nach mehr Terminen einzulösen.

Jahrelang haben die Ärzte das Ende der Budgetierung gefordert. Jetzt kommt das. Und trotzdem sagen Sie, dass es unter dem Strich allenfalls ein paar mehr Termine geben wird.

Das Ende der Budgetierung kommt ja gerade nicht. Wir bekommen, salopp gesagt, nur die Überstunden bezahlt, die bisher gratis zu machen waren. Bei vielen Fachärzten macht das Plus aber weniger als vier Euro im Quartal aus. Ich weiß ja, dass gerne das Zerrbild beschworen wird, wonach die Ärzte bestens verdienen und sich Mittwoch und Freitag Nachmittag auf dem Golfplatz tummeln. Das ist aber eben nur ein Zerrbild.

Die Bezahlung der niedergelassenen Ärzte ist nicht schlecht...

Wenn sie so gut ist, wie Sie sagen, frage ich mich, warum wir allein in Baden-Württemberg derzeit 580 offene Hausarztsitze haben.

Hat das nicht eher damit zu tun, dass es für junge Mediziner nicht reizvoll ist, aufs Land zu gehen? Viele wollen auch keine Praxis übernehmen, sondern als Angestellte arbeiten.

Das spielt eine Rolle, keine Frage. Aber ich bleibe dabei, dass es natürlich auch um die Finanzfrage geht. Und der Mangel an Wertschätzung, der sich gegenüber allen Weißkittel-Berufen zeigt. Den erleben Hebammen, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten doch genauso.

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