Charlotte Rummenigge und Fidelio machten in Stuttgart eine gute Figur. Foto: Baumann

Beim Reitturnier treten oft Partner oder Kinder von berühmten Personen an – Charlotte Rummenigge startet in der Schleyerhalle. Für den Turnier-Veranstalter ist es ein Image-Bonus, doch für den Starter selbst kann diese Prominenz auch zur Belastung werden.

Stuttgart - Nein, es passt gerade nicht. Charlotte Rummenigge möchte nichts dazu sagen, dass sie gerade in der Einlaufprüfung zum Piaff-Förderpreis Platz sechs belegt hat. „Nach Abschluss der Prüfung am Freitag stehe ich zur Verfügung“, lässt die 25-Jährige ausrichten. Irgendwie passt die Antwort zu ihr, zur Tochter von Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsboss des FC Bayern. Wie im Fußball, wo ein Spieler keine langen Interviews in der Halbzeitpause gibt, so erwartet auch Charlotte Rummenigge, dass sie erst nach der allerletzten Lektion etwas über sich und ihre Leistung erzählt.

Rummenigge, der Name schmückt das Reitturnier, verleiht ihm neben seinem ohnehin satten Glanz in der Reitszene noch ein wenig Promi-Glamour. Das Scheinwerferlicht hätte noch eine Spur heller sein können. „Wir haben natürlich bei Karl-Heinz Rummenigge angefragt, ob er das Turnier besuchen und seine Tochter unterstützen möchte“, sagt Jörg Klopfer, Sprecher des Veranstalters in.Stuttgart, „leider lehnte er aus Termingründen ab.“

Auch die Fußballergattin Lisa Müller war schon in Stuttgart dabei

Im Jahr 2014 hatte die Achse Stuttgart-München funktioniert – Bayern-Profi Thomas Müller war mit seiner Gattin Lisa in die Schleyerhalle gekommen, die ebenfalls im Piaff-Förderpreis durchs Viereck ritt. Auf intensives Drängen der Medien ließen sich der Fußball-Weltmeister und die Reiterin zu einer Pressekonferenz überreden. „Den Promi-Faktor auszunützen, gehört dazu“, betont Klopfer, „so steht das Turnier auch in der Yellow-Press, wo es sonst nicht hinkommt – und das ist gut fürs Image.“ Denn wer sich von den Zuschauern traute und Thomas Müller in der Schleyerhalle ansprach, der brachte vom Reitturnier ein Fußballer-Autogramm mit nach Hause.

Auch Jessica Springsteen, die Tochter von Rock-Legende Bruce Springsteen, und Milliardenerbin Athina Onassis haben schon auf dem Wasen ihre Pferde gesattelt, und damit für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt. Und offenbar völlig gratis. „Wir nehmen kein Geld in die Hand, um prominente Leute in die Halle zu bekommen“, sagt Turnier-Projektleiter Manfred Parlow, „wir investieren den Etat ausschließlich in den Sport.“ Promi-Teilnehmer kennt man bestens im Motorsport, wo in Cup-Serien gerne Fahrer mit wohlklingenden Namen als angelernte Gaststarter ins Cockpit verfrachtet werden – Ex-Skispringer Sven Hannawald, Hip-Hop-Star Smudo und Tatort-Kommissar Richy Müller haben sich schon hinterm Lenker ausgetobt. Doch anders als die Herren über viele Pferdestärken, so müssen sich die Reiter für ihren Auftritt in Stuttgart qualifizieren. Freifahrscheine gibt’s hier nicht.

Jessica Springsteen ist mehr als nur die Tochter eines Rockstars

Charlotte Rummenigge und Lisa Müller haben es ins Finale des Piaff-Föderpreises für Dressur-Talente bis 25 Jahre geschafft, Jessica Springsteen zählt heute zur Elite, derzeit rangiert die 24-Jährige auf Platz 55 in der Weltrangliste der Springreiter. Und auch Athina Onassis kann weit mehr als sich beim gestrecken Galopp im Sattel halten, die Franko-Griechin belegte bei der EM 2013 Platz 14 im Einzel. Was für den Veranstalter einen erfreulichen Promi-Bonus darstellt, fühlt sich für die jungen Starter mit bekannten Namen allerdings häufig wie ein zusätzliches Gewicht im Sattel an. Sie werden lediglich über die weltbekannten Partner oder berühmten Eltern definiert. „Das ist eben so, und ich nehme das hin“, sagte Miss Springsteen vor vier Jahren.

Isabell Werth kann diese besondere Belastung nachempfinden. „Sie haben es schwerer als die anderen – sie können ihre Erfahrungen nicht in der Anonymität der Masse machen, sondern stehen stets in einem besondern Licht“, sagt die erfolgreichste Dressur-Reiterin des Planeten. So mancher Konkurrent mag sich darüber ärgern, dass die mediale Aufmerksamkeit für die Promi-Abkömmlinge gelegentlich deutlich größer ist als es der reiterischen Leistung angemessen wäre, doch die die sechsmalige Olympiasiegerin betont: „Sie sind voll anerkannt in der Szene, wir sehen uns oft auf Turnieren und reden miteinander.“

Charlotte Rummenigge kennt Isabell Werth nicht persönlich, sie weiß aber, dass die im Piaff-Förderpreis antritt. Zu Lisa Müller dagegen hat die 47-Jährige einen engen Kontakt, beide trainieren gelegentlich gemeinsam – und dabei unterhalten sie sich vor allem über ihren Sport und kaum über Fußball und den FC Bayern. „Da hätte ich verdammt wenig Know-how zu bieten“, gibt die Rheinbergerin zu, „bevor ich also Charlotte Rummenigge kennenlerne, muss ich mich bei Lisa schlau machen, was grad beim FC Bayern so geht.“ Die Tochter von Karl-Heinz Rummenigge könnte in Stuttgart wahrscheinlich auch über Fußball reden, doch wahrscheinlich will sie ihre Gespräche auf den Reitsport und Pferde beschränken. Aber bitte erst nach Ende des Wettbewerbs.

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