Der Künstler Sean Scully hätte vom Land Baden-Württemberg mehr Flexibilität erwartet. Foto: imago/CordonPress

Wer Flexibilität will, hält es wahrscheinlich auch für eine gute Idee in einem Schlachthof ein vegetarisches Restaurant zu eröffnen: Der Künstler Sean Scully äußert verärgert und polemisch zu der gescheiterten Kunstschenkung an das Land Baden-Württemberg.

Berlin - Der irisch-amerikanische Künstler Sean Scully, der erklärt hat, dem Land Baden-Württemberg nun doch nicht seine Werke schenken zu wollen, hat sich über seine Berliner Galerie nun in einem Schreiben an unsere Redaktion zu Wort gemeldet. Darin erläutert er, dass er mit der Kunsthalle Karlsruhe die Vereinbarung getroffen habe, dass seinen Bildern in einem Neubau ein Stockwerk gewidmet und nach ihm benannt wird. Verärgert stellt er fest, dass das Ministerium für Wissenschaft und Kunst keine Gegenleistung für sein Geschenk erbringen wollte.

So wenig an Verbindlichkeiten interessiert wie Großbritannien?

In einem Interview in unserer Zeitung hatte die Staatssekretärin Petra Olschowski erklärt, dass sie Scullys Forderung, dass seine Bilder dauerhaft auf einer Fläche von tausend Quadratmetern gezeigt werden müssten, für zu strikt halte und sie deshalb das Gespräch mit dem Künstler gesucht habe.

„The world is built by commitment“, schreibt Scully nun – das Leben bestehe aus Verbindlichkeiten sowie fest definierten Orten. Wenn man Flexibilität zum Maßstab der Kulturarbeit mache, erreiche man nichts, schreibt Scully weiter. Dann könne man sich Großbritannien zum Vorbild nehmen oder im Krankenhaus einen Schlachthof und im Schlachthof ein vegetarisches Restaurant eröffnen.

Große Teile der Werke sollten nach Karlsruhe gehen

Der gebürtige Ire, der inzwischen in Bayern lebt, hatte nach einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe vor zwei Jahren angeboten, dem Museum große Teile seiner Werke zu schenken. Da der Neubau, um den es dabei ging, frühestens in zehn Jahren gebaut werden kann und viele Fragen zu klären sind, hatten sich die Verhandlungen hingezogen, sodass der Künstler sein Angebot nun zurückgezogen hat.

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