Finanzminister Olaf Scholz (SPD) galt als treibende Kraft hinter den Gesprächen zur Bildung eines nationalen Banken-Champions. Öffentlich hielt er sich mit Ratschlägen zurück. Foto: www.imago-images.de

Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank gerät der Finanzminister verstärkt in die Schusslinie. Möglicherweise treiben nun ausländische Institute die Konsolidierung auf dem deutschen Markt voran.

Berlin - Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank sieht sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) heftiger Kritik von Seiten des Koalitionspartners und der Opposition ausgesetzt. Die von Scholz vorangetriebenen Pläne hätten sich als Rohrkrepierer erwiesen, sagte Unions-Finanzobmann Hans Michelbach (CSU). „Die wirtschaftliche Vernunft hat über politische Blütenträume von der Bildung nationaler Champions gesiegt.“ Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar sagte, Scholz habe „mit seinem amateurhaften Agieren kolossalen Schaden angerichtet“. Die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus sagte, die Eskapade sei beendet – „und alle atmen auf“. Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi nannte den Abbruch einen „Segen“.

Verdi erleichtert

Die beiden Banken hatten zuvor bekannt gegeben, dass sie ihre Gespräche über einen Zusammenschluss nach knapp sechs Wochen ohne Ergebnis beenden. Es habe sich herausgestellt, dass eine solche Fusion keine höheren Renditen bringen würde. Sie wäre auch nicht im Interesse der Aktionäre sowie anderer Interessengruppen beider Unternehmen, hieß es.

Finanzminister Scholz reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme: „Die global agierende deutsche Industrie braucht konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können.“ Mit Blick auf die nun abgebrochenen Gespräche merkte Scholz an: „Solche Kooperationen machen nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern.“

Die Geldhäuser hatten Mitte März Gespräche über ein Zusammengehen aufgenommen. Der Bund ist seit der Finanzkrise größter Aktionär der Commerzbank. Beide Frankfurter Institute sind im internationalen Vergleich klein und wenig profitabel. Die Gewerkschaft Verdi war von Anfang an gegen eine Fusion, weil sie den Verlust Zehntausender Jobs befürchtete. Verdi-Chef Frank Bsirske begrüßte am Donnerstag den Abbruch der Gespräche.

Wettbewerber in Wartestellung

Die kleinere Commerzbank könnte jetzt verstärkt ins Visier europäischer Wettbewerber geraten. Als Interessenten gelten die niederländische ING und die italienische Unicredit. Bsirske hatte in der Vergangenheit bereits Sympathien für grenzüberschreitende Lösungen erkennen lassen. Auch in der Bundespolitik waren am Donnerstag entsprechende Stimmen zu hören. Es sei sinnvoll, jetzt über den nationalen Tellerrand zu schauen, sagte Grünen-Finanzexpertin Paus unserer Zeitung. FDP-Politiker Toncar sagte, das Commerzbank-Management müsse das Institut jetzt richtig aufstellen und profitabel machen. Daran werde sich entscheiden, „in welcher Rolle die Commerzbank dann gegebenenfalls in eine europäische Fusion gehen könnte“. Es gebe keinen Zeitdruck. Nach einem erfolgreichen Neustart könne das Institut auch selbst zukaufen oder eine Fusion unter Gleichen eingehen.

– Der Kopf ist aus der Schlinge

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: