In Weinstadt votiert die Ratsmehrheit gegen ein VVS-Stadtticket. Foto: stz/Pascal Thiel

In Ludwigsburg, Herrenberg und Esslingen ist das VVS-Angebot ein Erfolgsmodell, in Weinstadt hält man die Kosten dafür zu hoch.

Weinstadt - Ludwigsburg, Herrenberg (Kreis Böblingen) und Esslingen haben es schon, ein vergünstigtes Busticket für den innerstädtischen Verkehr. Zahlreiche andere Kommunen in der Region Stuttgart wollen in das Angebot des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) zum Anfang des neuen Jahres einsteigen, darunter Kernen. Aus dem Kreis Ludwigsburg gehören dazu Asperg, Ditzingen, Kornwestheim, Remseck und Tamm, aus dem Kreis Esslingen Filderstadt, Kirchheim/Teck, Leinfelden-Echterdingen, Reichenbach/Fils und Plochingen sowie aus dem Kreis Böblingen Leonberg und Renningen. Böblingen und Sindelfingen möchten ein gemeinsames Stadtticket einführen. Des Weiteren gibt es in Waiblingen und Winnenden Überlegungen dazu, wie Martin Schugt vom VVS im Gemeinderat in Weinstadt berichtete. Denn dort stand auf Antrag der SPD-Fraktion ebenfalls eine Entscheidung darüber an.

Tagesticket für drei Euro

Das Prinzip des Stadttickets: für drei Euro kann man damit einen Tag lang so oft man will innerhalb einer Stadt mit dem Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) fahren - und das auch noch bis morgens um sieben Uhr am darauffolgenden Tag. Gruppen bis fünf Personen und Familien zahlen sechs Euro. Regulär kostet ein Tagesticket für eine Zone 5,20 Euro, für Gruppen 10,40. Allerdings stellt der VVS auch eine Bedingung: An dem Angebot teilnehmende Kommunen müssen das Ticket bezuschussen. Für Weinstadt würden sich die Kosten auf jährlich etwa 52 000 Euro belaufen, berechnet auf Basis der seitherigen Anzahl innerstädtischer Busfahrten von 356 000 im Jahr. Einmal jährlich würde spitz abgerechnet und Mehrfahrten der Stadt gutgeschrieben, erklärt Schugt.

Dem Oberbürgermeister Michael Scharmann war der Preis für diese freiwillige Leistung angesichts der Finanzschwäche Weinstadts dennoch zu hoch. Obwohl er inhaltlich der Offerte einiges abgewinnen konnte, stimmte er daher gegen eine testweise Einführung für zwei Jahre. Ebenso votierte die Ratsmehrheit.

Bisherige Erfahrungen sind positiv

Dabei sind die bisherigen Erfahrungen des VVS mit dem Stadtticket durchweg positiv. So konnten in Ludwigsburg die Verkaufszahlen für Tagestickets innerhalb von gut einem Jahr von 16 000 auf rund 30 000 bis 35 000 pro Monat gesteigert werden, in Esslingen seit vergangenen April von 17 000 auf 31 000 und in Herrenberg immerhin seit Jahresanfang von 2000 auf aktuell 2600. Die Zahlen sprechen dafür, dass das Ziel des VVS, die Attraktivität des ÖPNV damit zu steigern, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto zu motivieren und so die Umweltbelastung zu reduzieren, erreicht wurde.

Die Vorteile sah man auch im Weinstädter Gemeinderat, doch die Verantwortung hierfür an höherer Stelle. Die Region solle sich Gedanken machen, wie man den ÖPNV attraktiver machen könne, ohne dass damit die Kommunen finanziell belastet würden, übte der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Witzlinger an dem VVS-Programm Kritik.

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