Andreas Colosi und Annika Müller stellten kürzlich den Entwurf für das Graffiti-Projekt einer Jugendgruppe vor. Foto: oh

Sechs Jugendliche haben sich im Rahmen der offenen Jugendarbeit in Baltmannsweiler mit einem Graffiti-Künstler zusammengetan. Sie wollen den Funkturm am Ortsrand bemalen.

Baltmannsweiler - Graffiti können ein Gebäude verschönern. Das war in der jüngsten Sitzung des Baltmannsweiler Gemeinderates die Meinung der Mehrheit der Räte. Lediglich zwei Ratsherren enthielten sich der Abstimmung. Die Schulsozialarbeiter Andreas Colosi und Annika Müller waren mit zwei Jugendlichen in die Ratssitzung gekommen, um dem Gremium ihre Pläne zur Verschönerung des Funkturms am Ochsengäßle unweit der Reichenbacher Straße (K 1208) vorzustellen. Entstanden sei die Idee vergangenes Jahr im Jugendforum bei einem Workshop zum Thema Graffiti. Daraufhin habe sich eine Gruppe von sechs Jugendlichen geformt, die das Erlernte gerne anwenden wollte. In Absprache mit der Verwaltung sei die Wahl auf den Funkturm gefallen. Dieser sei zwar in Gemeindebesitz, aber derzeit verpachtet. Den Pächter würde eine Bemalung durch Jugendliche nicht stören, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Klimakrise auf dem Funkturm

„Dort gibt es schon Graffiti, die sind aber nicht besonders schön“, beschrieb Colosi die Situation. Auf zwei Papierrollen wurden die farbigen Skizzen der Teenager präsentiert. Der Entwurf umspannt den gesamten runden Körper des Turms. Dabei sind Besonderheiten wie die Tür, zwei Bänke, mehrere Fenster und sogar der außen aufgestellte Mülleimer bedacht worden. Wasser, Wind und Feuer sind die Hauptelemente des Graffito. Das Konzept des Kunstwerks befasst sich „mit den momentanen Umweltproblematiken, die unsere Welt hat“, wie es eine der Schülerinnen ausdrückte. Aus dem Mülleimer zum Beispiel soll gezeichneter Müll quellen, um auf die Vermüllung der Ozeane aufmerksam zu machen. Aus den Fenstern des Turms soll ein starker Wind wehen, der riesige Wellen auftürmt. „Und dann haben wir noch ein Feuer gemalt, das für die zahlreichen Brände in der Welt steht, zum Beispiel in Brasilien“, schlossen die Mädchen ihre Vorstellung ab.

Im Herbst und Frühjahr hatten sich die Jugendlichen und die Schulsozialarbeiter mit dem Graffiti-Künstler Christian Pomplun aus Kirchheim getroffen. Weitere Treffen seien seitdem durch die Corona-Pandemie verhindert worden, doch man sei zuversichtlich, dass nach den Sommerferien ein weiteres Treffen möglich ist, bei dem die Entwürfe der Jugendlichen ausgefeilt und durch den Künstler interpretiert werden. „So soll erreicht werden, dass sich das Kunstwerk möglichst gut in die Landschaft einfügt“, so Colosi. Am Ende werde das Graffito wesentlich runder wirken als der Entwurf. „Sie merken, wir werben hier um Ihre Zustimmung“, wandte sich der Schulsozialarbeiter an das Gremium – dabei wurde er aber schon von dem klopfenden Applaus der Gemeinderäte unterbrochen.

Start im Herbst

Bürgermeister Simon Schmid sprach von einer „tollen Sache“ und auch Gemeinderat Herbert Schrag (FWV) lobte das Projekt. „Ich finde es gut, dass der Funkturm endlich mal eine andere Farbe kriegt“, sagte er. Mitunter kenne er noch weitere Gebäude, denen eine Graffiti-Frischekur guttun würde. Die Materialkosten sowie der Stundenlohn von 35 Euro für den Künstler belaufen sich Schätzungen zufolge auf 1500 Euro. Im Haushalt eingeplant sind laut Sitzungsvorlage 1800 Euro. Gegen Ende des Sommers soll das Projekt in Angriff genommen werden.

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