Der Pfarrer Traugott Plieninger (links) und der Architekt Joachim Appinger besprechen Details auf der Baustelle Ditzinger Gemeindehaus. Foto: factum/

Die Kirchen im Strohgäu müssen sich um Gebäude kümmern, die in die Jahre gekommen sind. Viele Gemeindehäuser sind fällig für eine Sanierung – oder werden nicht mehr gebraucht. Beispiele aus Ditzingen und Korntal-Münchingen.

Ditzingen/Korntal-Münchingen - Das evangelische Gemeindehaus in Ditzingen wird für 1,2 Millionen Euro saniert. Die Arbeiten an den großen Gewerken sind im Zeitplan.

Irgendwo kreischt eine Maschine, ohrenbetäubend und minutenlang. Im Saal stehen deckenhohe Gerüste. Ganz oben diskutiert der Architekt Joachim Appinger mit einem Handwerker. Es verwundert, dass sie sich überhaupt verstehen. Das evangelische Gemeindehaus in Ditzingen ist seit Monaten eine Baustelle – und wird es wohl noch eine Weile bleiben. Erst kurz vor Weihnachten soll hier nach der Sanierung wieder normaler Betrieb herrschen. Die Gruppen und Kreise der evangelischen Kirchengemeinde Ditzingen treffen sich bis dahin woanders, auch im Johanneshaus an der Ecke Korntaler Straße und Knielstraße. Danach wird das Haus verkauft und das Gelände neu bebaut.

Immobilien werden nicht jünger

Das Gemeindehaus ist ein Beispiel dafür, welche Probleme die Kirchen teils mit ihren Immobilien haben. Im Kern stammt das Ditzinger Gemeindehaus von 1973, ist also gut 45 Jahre alt. „Es ist immer mal wieder etwas gemacht worden“, erklärt der Stellvertreter des Dekans, Traugott Plieninger, der auch den Bau betreut, zusammen mit dem Architekten. Dennoch kam viel zusammen, was die Sanierung erforderlich machte: Brandschutz, Sicherheit, Elektrik, Beleuchtung, Akustik, Toiletten – alles Bereiche, die wichtig sind. Und teuer. Der Etat beläuft sich auf knapp 1,2 Millionen Euro.

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung

Der Saal, der zentrale Raum, wurde fast bis auf die Rohbausubstanz zurückgebaut. Er wird neu gestaltet, „aber ohne Grundrissveränderung“, sagt der Architekt Joachim Appinger. So wurde die bisher fest installierte Bühne herausgerissen. Künftig werden transportable Elemente aufgestellt, wenn für eine Veranstaltung ein Podium nötig ist. Der Saal soll – mit Blick auf die Fusion mit Vaihingen – das Zentrum des neuen Kirchenbezirks in dessen Süden sein. Der größte Raum im Haus werde auch vom Jugendwerk benötigt, sagt Plieninger. Und er werde regelmäßig auch an Vereine und die Jugendmusikschule vermietet.

Zu Sanierung trägt die Landeskirche 300 000 Euro bei, die Stadt hat 60 000 in Aussicht gestellt, der Bezirk und die Gemeinde müssen 800 000 Euro stemmen. Auch ein Kredit ist deshalb eingeplant, sowie 50 000 Euro Spenden. „Das alles funktioniert nur, wenn wir die Rücklagen angreifen und das Johanneshaus verkaufen“, sagt Plieninger. An das nächste Objekt müsse man ebenfalls denken – die Sanierung der Konstanzer Kirche.

Die Bürger sind aufgebracht

Seit Jahren dient das Johanneshaus an der Ecke von Korntaler Straße und Knielstraße der evangelischen Kirchengemeinde als Treffpunkt neben dem Gemeindehaus an der Münchinger Straße. Das Areal soll verkauft werden. Eine Baugenossenschaft möchte dort Wohnungen bauen. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden. Vielen Nachbarn ist das Vorhaben nach den ersten Informationen zu groß. Der Gemeinderat war sich am Dienstag einig, die Beschlüsse dazu dem neu gewählten Gremium zu überlassen. Einige Anforderungen oder Wünsche wurden aber schon geäußert: Die Fraktionen wollen die Zeit bis zum Herbst nutzen, um offene Punkte klären zu lassen.

So wollen Sven Sautter und die CDU wissen, was in diesem Zusammenhang mit dem benachbarten Grundstück der Stadt und dem Kindergarten geschieht – und auch, zu welchen Konditionen die Stadt sich im neuen Objekt einmiete oder einkaufe. Man müsse über die Größe des Neubaus und eine Reduktion der bisherigen Pläne nachdenken, auch auf Kosten der Wirtschaftlichkeit.

Wird alles anders als geplant?

Die Grünen, so Doris Renninger, wollen die Kennziffern des Projekts erfahren, wie Zahl und Größe der Wohnungen. Sie brachte auch ein Belegungsrecht der Stadt für Beschäftigte zur Sprache. Für Manfred Grossmann und die Freien Wähler („wir wollen Wohnungsbau“) ist es nicht ausgeschlossen, den Kindergarten kleiner zu machen und zu schauen, ob eine Erweiterung anderswo nicht einfacher wäre. Für Sabine Roth (SPD) ist die Machbarkeitsstudie nur eine Diskussionsgrundlage, die Parkplatzfrage müsse besprochen werden. Für Dieter Schnabel (Unabhängige Bürger) steht die wirtschaftliche Seite nicht im Vordergrund; ihn interessiere nicht, wie viel die Kirche erlöse.

In Korntal war die Distanz zu groß

Näher an der Kirche St. Johannes: Das war mit ein Grund dafür, dass die katholische Kirchengemeinde St. Johannes im Stadtteil Korntal von Korntal-Münchingen ihr Gemeindehaus an der Ecke Tubizer Straße und Steinbeisstraße aufgab und ein neues baute. Das alte ist mehr als einen Kilometer von der Kirche entfernt. Und es ist von 1970, hätte deshalb dringend saniert werden müssen. Stattdessen baute die Kirchengemeinde 2016/2017 an der Lembergstraße für 2,2 Millionen Euro ein Gemeindezentrum.

In der Tubizer Straße entsteht nun ein Mehrfamilienhaus. Das Stuttgarter Architekturbüro Planquadrat plant 16 Wohnungen für 40 bis 45 Personen. Die Bauarbeiten könnten im Frühjahr 2020 starten, dann falle das Gemeindehaus der Abrissbirne zum Opfer, heißt es auf Anfrage.

Viele Änderungen in der Vergangenheit

Das geplante Mehrfamilienhaus hat Stand jetzt drei Geschosse, ein Sockel- und ein Dachgeschoss sowie ein begrüntes Flachdach. In einer Tiefgarage wird es 18 Stellplätze geben. Um das Haus herum soll es grüner werden: Es werden Rasenflächen und eine Blumenwiese angelegt, neue Bäume und Sträucher gesetzt, zudem ist ein Kinderspielplatz geplant. Der Gemeinderat hat den Entwurf des Bebauungsplans „Gschnaidt II“ beschlossen. Es ist die bereits dritte Änderung.

Der Entwurf sowie dazugehörige Unterlagen wie Gutachten liegen bis einschließlich Freitag, 26. Juli, öffentlich aus: Im Rathaus Korntal am Saalplatz im Flur der vierten Etage. Bürger können die Dokumente von Montag bis Freitag von 8 bis 12 und am Mittwochnachmittag von 14 bis 18 Uhr einsehen und dazu Stellung nehmen. Im Internet gibt es die Unterlagen auf www.korntal-muenchingen.de.

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