Abgang in Moll: Daniel Didavi vom VfB Stuttgart fliegt in Kiel mit Gelb-Rot vom Platz. Foto: Baumann

Der 30-Jährige fliegt in Kiel nach Meckern und Foulspiel vom Platz und fehlt nun im wichtigen Duell mit dem Hamburger SV. Damit erweist Daniel Didavi dem VfB Stuttgart einen Bärendienst.

Stuttgart - Immerhin hat sich Daniel Didavi am Ende gar nicht mehr mit Reklamieren aufgehalten, sondern schüttelte lediglich kurz den Kopf. Dies galt offensichtlich ihm selbst – denn sein tiefer Fall vom Ersatz-Kapitän für Marc Oliver Kempf hin zum Sündenbock seines Teams binnen vier Minuten, er war eine viel zu eindeutige Angelegenheit. Also trottete Didavi, der verhinderte Regisseur des VfB, mit hängenden Schultern nach seiner völlig berechtigten Hinausstellung per Gelb-Roter Karte durch den Schiedsrichter Robert Schröder kurz vor der Halbzeitpause schnurstracks in die Kabine (45.).

Lesen Sie hier die Einzelkritik: Gomez und Co. erleben die nächste Bruchlandung

Tatsächlich hatte der Routinier seinen Kollegen mit einer doppelten Dummheit einen Bärendienst erwiesen. Es war ein Doppelpack der Unbeherrschtheit, wie er einem erfahrenen Profi wie ihm in einem derart richtungsweisenden Spiel nicht passieren darf. „Das war sicherlich eine Schlüsselszene“, resümierte der VfB- Trainer Pellegrino Matarazzo, der es aber unterließ, seinem Mittelfeldspieler öffentlich die Leviten zu lesen. „Natürlich darf so etwas nicht passieren – aber ich kann seine Emotionen ein bisschen verstehen.“

Gelbe Karte als erste Warnung

Tatsächlich aber erwies sich Didavis Abgang als eine zu große Hypothek auf einen möglichen VfB-Erfolg. Schließlich hatten die Stuttgarter Kollegen fortan eine ganze Halbzeit in Unterzahl bei 0:1-Rückstand zu bestreiten, nachdem sich Didavi zunächst in der 41. Minute bei Referee Schröder lautstark über einen aus seiner Sicht nicht gegebenen Freistoß beschwert hatte. Die Gelbe Karte war hierfür die erste logische Konsequenz.

Lesen Sie hier die Netzreaktionen: „Der VfB hat den Aufstieg nicht verdient“

Doch der frustrierte Zehner ließ sich von der Verwarnung nicht einbremsen, sondern legte vielmehr im negativen Sinne nach: Als sich Didavi kurz vor der Kieler Strafraumkante zunächst den Ball zu weit vorlegte, ehe er kurz darauf seinem Gegenspieler Finn Porath von hinten in die Beine trat, gab es für den Schiedsrichter keine andere Wahl mehr: Gelb-Rot markierte den Schlusspunkt.

Wann setzt Didavi positive Akzente?

Das Spiel in Kiel ging letztlich mit 2:3 verloren – auch, weil dem VfB ohne den 30-Jährigen die ordnende Hand im Mittelfeld fehlte. Didavi ist zudem im wichtigen Heimspiel am Donnerstag gegen den Aufstiegskonkurrenten Hamburger SV gesperrt – zeigte sich nach der Partie in Kiel aber nur bedingt einsichtig. „Bei der ersten Aktion werde ich kurz vor dem Strafraum klar gefoult, bekomme aber keinen Freistoß. Das wollte ich deutlich machen“, sagte der Nürtinger: „Bei meinem Foul stelle ich mich ungeschickt an, auch wenn man vielleicht nicht unbedingt Gelb dafür geben muss. Trotzdem darf ich so nicht in den Zweikampf gehen.“

Seine Auszeit könnte Didavi nun immerhin dazu nutzen, um über seine Zukunftsweg im letzten Drittel der Karriere nachzudenken. So ist sein fußballerisches Potenzial zwar weiter unbestritten. Doch sollte der Nürtinger nach Ablauf der Ein-Spiel-Sperre den Nachweis erbringen, dass er auch positive Akzente setzen kann, wenn es in der heißen Saisonphase darauf ankommt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: