Bei Baumfällarbeiten ist diese WMF-Brunnenfigur im Dezember zerstört worden. Foto: Stadt Geislingen

Die Zerstörung des Brunnenbübles im Stadtpark hat die Geislinger ins Mark getroffen. Da nun sein kleiner Bruder gefunden wurde, ist ein Happy End in Sicht.

Geislingen - Die Freude in Geislingen dürfte groß sein: Das Geislinger Brunnenbüble ist dank eines Aufrufs in den Medien­ wieder aufgetaucht. Und das gleich in dreifacher Ausführung – als kleine Brüderchen. Das putzige Original-Büble aus dem Hause WMF schmückte 90 Jahre lang einen kleinen­ Brunnen im Geislinger Stadtpark, bevor­ es vor wenigen Wochen bei Baumfällarbeiten im Park versehentlich zerstört wurde.

Zerstörung hat Geislinger ins Mark getroffen

Traurig und entsetzt hatten offenbar vor allem ältere Geislingerinnen und Geislinger reagiert, als sie von dem Unfall mit der Skulptur hörten. War doch das etwa 60 Zentimeter große Brunnenbüble, das in jeder Hand einen Wasser speienden Fisch gehalten hatte, eng mit schönen Kindheitserinnerungen an den Stadtpark verbunden, wo Jahr für Jahr bis heute das traditionelle Kinderfest gefeiert wird. „Viele alte Geislinger hat die Zerstörung ins Mark getroffen. Die Menschen haben sich mit der Figur sehr stark identifiziert, sie war eine Art Ikone“, weiß auch der Stadtarchivar Hartmut Gruber.

Vor gut einer Woche hatte deshalb die Stadtverwaltung eine große öffentliche Suchaktion gestartet, nachdem alle bisherigen Bemühungen gescheitert waren, eine Replik der Brunnenfigur ausfindig zu machen. Anhand einer Replik, die mit einem modernen 3-D-Scanverfahren vervielfältigt werden könnte, möchte die Stadtverwaltung ein neues Brunnenbüble herstellen lassen. Und nun kam der Erfolg: Mehrere Bürger meldeten im Rathaus die Existenz von Brüdern des Brunnenbübles, gleich drei davon wurden so gefunden.

Der kleine Bruder steht im Wohnzimmerschrank

„Ich wusste, dass ich das Gesicht kenne. Aber erst als ich die Pressemitteilung schrieb, fiel mir wieder ein, woher“, erinnert sich Angela Schuler. Die Pressesprecherin der Stadt kontaktierte ihren Ex-Mann, der bei der WMF früher als Galvanomeister gearbeitet hatte, und bat ihn, im Wohnzimmerschrank nachzusehen – und tatsächlich stand dort ein rund 22 Zentimeter kleines Pendant des Bübles. „Wir sind darüber sehr froh, denn nun haben wir eine Originalvorlage“, kommentiert der Stadtarchivar Gruber den glücklichen Fund.

„Das ist Katalogware, die konnte man früher bei der WMF bestellen“, berichtet der Stadtarchivar weiter. Die kleine Figur war einst als Bronzeguss für 80 Reichsmark zu haben, was heute einem Wert von etwa 320 Euro entspricht. Die 60 Zentimeter große Ausführung als Galvanoplastik, wie sie bisher im Stadtpark stand, ist für 270 Reichsmark in einem alten WMF-Katalog zu finden. Der Entwurf geht auf den Bildhauer A. Haag zurück, ist dort zu lesen. In der Produktsparte Plastik hatte sich die WMF seit den 1890er Jahren einen erheblichen Marktanteil erobern können, auch weil die Galvanoplastik, die attraktiv und kostbar aussieht, für die aber lediglich Kupfer verwendet wird, für einen Bruchteil des Preises einer Steinskulptur oder Bronzeplastik zu haben war. Beliebt waren Kopien antiker Statuen, die als Zimmerschmuck dienten. Nach der Jahrhundertwende stellte die WMF auch Grabskulpturen wie Engel und Christusfiguren her.

Vom Neptunbrunnen bis zur Paradiestür

In der gleichen Technik wie das Brunnenbüble ist auch das Kaiser-Wilhelm- Denkmal auf dem Geislinger Kirchplatz entstanden sowie der Neptunbrunnen auf dem Tübinger Marktplatz. Die prächtigste WMF-Galvanoplastik dürfte aber die Replik der Paradiestür des Florenzer Baptisteriums sein, die auf das Original des Renaissancekünstlers Lorenzo Ghiberti zurückgeht. Die Replik mit Motiven des Alten Testaments hütet die WMF bis heute wie ein Kleinod. Sie ist nur bei Sonderschauen zu sehen.

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