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Um ihre leeren Kassen aufzufüllen, verkauft die Evangelische Kirche einige ihrer Immobilien.

Geislingen - Um ihre leeren Kassen aufzufüllen, verkauft die Evangelische Kirche landauf, landab einige ihrer Immobilien. In Geislingen ist auf diesem Weg ein türkischer Bauunternehmer an das evangelische Gemeindehaus gekommen. Jetzt kursieren in der Stadt Gerüchte darüber, was wohl im Yoma-Zentrum passieren wird.

"Deutschland ist meine Heimat. In die Türkei fahre ich, um Urlaub zu machen." Zu diesem Bekenntnis sieht sich der Nürtinger Bauunternehmer Mehmet Yorulmaz immer wieder gezwungen, seit er das Geislinger Martin-Luther-Haus von der Evangelischen Kirche gekauft hat. Die Gemeinde hatte drei Jahre lang nach einem solventen Käufer gesucht. Yorulmaz war schließlich der Einzige, der sich um die Immobilie bewarb. Wie viel Geld dann geflossen ist, ist unbekannt. Im Vorfeld war die Rede von 375.000 Euro.

Yoma-Zentrum - nach dem Namen seiner Baufirma - nennt der Nürtinger das ehemalige evangelische Gemeindehaus. In dem Gebäude entstehen nach den Vorstellungen des neuen Besitzers Wohnungen für Studenten von der nahe gelegenen Fachhochschule. Ursprünglich sollte auch ein Kindergarten eingerichtet werden. Daran und an dem ebenfalls geplanten Jugendcafé zeigte insbesondere die Kirche großes Interesse. "In Geislingen mit 45 Prozent Ausländeranteil ist ein multikultureller Treffpunkt, der auf Bildung ausgerichtet ist, sehr wichtig", rechtfertigt die Geislinger Dekanin Gerlinde Hühn den Verkauf an Yorulmaz.

Als Hort des Dialogs gedacht

Der Kindergarten ist nach Angaben des Bauunternehmers aber wieder aus dem Konzept gestrichen. Dem interessierten Betreiber, ein türkischer Verein aus Geislingen, sei es nicht gelungen, von der Stadt eine entsprechende finanzielle Unterstützung zu erhalten. "Anstatt zu helfen, hat der Gemeinderat dem Projekt Steine in den Weg geworfen", kritisiert Yorulmaz. An der Idee mit dem Jugendclub will er allerdings festhalten und sucht nach entsprechenden Betreibern. Ein schwieriges Unterfangen, denn in den zukünftigen Clubräumen darf kein Alkohol ausgeschenkt werden.

Das Verbot hängt nicht nur mit dem islamischen Glauben des neuen Eigentümers zusammen, sondern auch mit entsprechenden Passagen im Kaufvertrag. Dort habe der Verkäufer das Alkoholverbot ebenfalls fest verankert. Die Säle in dem insgesamt 1500 Quadratmeter großen Gebäude sollen für verschiedenste Veranstaltungen vermietet werden. Türkische Hochzeiten seien allerdings ausgeschlossen. Große Feste lasse die Infrastruktur des Hauses nicht zu.

Trotz der vielen Auflagen, die mit der Nutzung des Gebäudes verbunden sind, wird Mehmet Yorulmaz in Geislingen kritisch beäugt. Er sei, wird ihm unterstellt, Mitglied der umstrittenen Fethullah-Gülen-Bewegung. Diese islamische Vereinigung machte auch der Integrationsrat der Stadt zum Thema einer Veranstaltung, zu der auch Yorulmaz eingeladen war. Er sagte ab. Seine Begründung: "Ich kann die Fethullah-Gülen-Bewegung weder verteidigen noch kritisieren. Dazu kenne ich mich zu wenig aus." Er wolle in der Öffentlichkeit als Bauunternehmer und Investor auftreten. Seine Glaubensausrichtung sei seine Privatsache und beeinflusse das Yoma-Zentrum überhaupt nicht. So sehen es auch die Geislinger Dekanin Hühn und der Oberkirchenrat. Sie gehen nicht davon aus, ihr Anwesen an eine fragwürdige religiöse Gruppierung verkauft zu haben. Dies sei durch das Auftreten des Nürtinger Bauunternehmers bei den Verkaufsverhandlungen gewährleistet.

Weil die Diskussionen um ihn und seine angebliche Nähe zu der Gülen-Bewegung aber nicht verstummen wollen, befürchtet der Nürtinger mittlerweile negative Auswirkungen insbesondere auf die Vermietung seiner neuen Räume. Dies wäre nicht nur in finanzieller Hinsicht bedauerlich. Das Yoma-Zentrum sei auch als Hort des Dialogs gedacht. Stehen die Räume leer, sei diese Chance vertan.

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