Sollte die Volksinitiative angenommen werden, müsste Bern in Brüssel auf Änderung des 1999 unterzeichneten Abkommens über Personenfreizügigkeit dringen und wieder Obergrenzen für die Zuwanderung auch aus der EU festlegen. Wir zeigen Ihnen, woher die Einwanderer anderer europäischer Länder kommen - klicken Sie sich durch. Foto: dpa

Die Schweiz ist bei den Deutschen nach den USA das beliebteste Auswanderungsland - und an diesem Sonntag stimmen die Bürger der Schweiz ab. Über eine Volksinitiative "gegen Masseneinwanderung" der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Die Schweiz ist bei den Deutschen nach den USA das beliebteste Auswanderungsland - und an diesem Sonntag stimmen die Bürger der Schweiz ab. Über eine Volksinitiative "gegen Masseneinwanderung" der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP). In einer Bildergalerie zeigen wir, woher die Einwanderer anderer europäischer Länder kommen.

Bern - Die Sächsische Schweiz gehört zu Europas schönsten Landschaften. Das hat fast 1200 Einwohner Sachsens innerhalb nur eines Jahres nicht davon abgehalten, in die echte Schweiz umzuziehen. Mehr als 20.000 Deutsche gingen nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes allein 2012 in die Alpenrepublik. Gleich nach den USA ist sie das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen. Das könnte sich ändern, denn am Sonntag. 9. Februar, stimmen die Eidgenossen über eine Volksinitiative „gegen Masseneinwanderung“ der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab.

Sollte sie angenommen werden, müsste Bern in Brüssel auf Änderung des 1999 unterzeichneten Abkommens über Personenfreizügigkeit dringen und wieder Obergrenzen für die Zuwanderung auch aus der EU festlegen. Das könnte viele Bundesbürger treffen, die von einem Job in der Schweiz träumen. Rund 300.000 Deutsche leben bereits in der Alpenrepublik. Nach den Italienern bilden sie die zweitgrößte Ausländergruppe, in der Deutsch-Schweiz gar die größte.

Allein schon deshalb müssen Deutsche - in der Schweiz gern als „Schwooben“ bezeichnet - im Abstimmungskampf um die SVP-Initiative wohl immer mal als Buhmänner herhalten. An Stammtischen zwischen Bern und St. Gallen wird die von der Boulevardzeitung „Blick“ aufgeworfene Frage erörtert: „Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?“

Als Ärzte, Forscher, Manager oder Unternehmer verdienen sie hier gutes Geld. Auch etliche Friseure oder Kellner stammen aus dem „großen Kanton“ im Norden - was Schwyzertütsch sprechende Eidgenossen gelegentlich zur bissigen Frage veranlasst, ob man Bestellungen „jetzt nur noch auf Hochdeutsch aufgeben darf“.

"Hier wohnen Leute aus der ganzen Welt"

„Es sind diese kleinen Spitzen, die nicht nötig wären“, klagt der deutsche Biotechnik-Unternehmer Jan Lichtenberg, der 1998 in die Schweiz kam, im Onlinedienst „20 Minuten“. Denn eigentlich sei kulturelle Vielfalt eine Stärke der Eidgenossenschaft. „Hier wohnen Leute aus der ganzen Welt.“ Rund 23 Prozent der gut 8 Millionen Einwohner der Schweiz sind Ausländer. In Deutschland, wo das Thema Zuwanderung ebenfalls ein heißes Eisen ist, sind es rund 9 Prozent.

„Rund 80.000 Personen wandern jährlich mehr in unser Land ein als aus“, rechnet die SVP vor. „Jährlich entsteht neu eine Stadt in der Größe von Luzern oder St. Gallen...“ Ein solcher Bevölkerungszuwachs werde höchstens von Indien übertroffen. Überfüllte Züge, verstopfte Straßen, Umweltschäden, überforderte Sozialsysteme sowie die Gefahr von Lohndumping seien die Folgen.

Mit einer millionenschweren Kampagne versucht die Wirtschaft, die SVP auszubremsen. Der Fachkräftemangel werde sich verschärfen, wenn Unternehmen sich nicht mehr frei aus dem Pool der EU-Arbeitskräfte bedienen könnten. Zudem drohe ein Imageschaden, warnt Elisabeth Zölch Bührer, Arbeitgeber-Präsidentin der Uhrenindustrie. „Made in Switzerland“ - fürchtet man in der Exportwirtschaft - könnte als „Hergestellt im Abschottungsland“ interpretiert werden.

Sorgen machen sich Politiker von den Grünen bis zu den Christdemokraten wegen der „Guillotine-Klausel“ in den sieben Verträgen mit Brüssel. Sie regeln die Sonderbeziehung der Schweiz zur EU. Wird einer verletzt, können die anderen ausgesetzt werden.

Unmissverständlich wies EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bereits darauf hin, dass man der Schweiz bekanntlich einen privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit 500 Millionen Konsumenten gewährt. Jeden dritten Franken verdiene man im Handel mit der EU, rechnete der Unternehmerverband Economiesuisse vor. „Davon ist jeder dritte Arbeitsplatz in der Schweiz abhängig.“

Bislang sieht es so aus, als würden die Schweizer das Ansinnen der SVP zurückweisen. Doch laut Umfragen ist die einst klare Mehrheit der Ablehner auf nur noch 50 Prozent geschrumpft. 43 Prozent wollen für den Einwanderungsstopp stimmen, sieben Prozent sind unschlüssig. Kein Wunder, dass Regierungspolitiker Angst bekommen haben. Sie reisten kreuz und quer durchs Land, um das Volk gegen die SVP-Initiative zu mobilisieren. Die Zeitung „Blick“ nannte den Einsatz in Anlehnung an die größte Radrundfahrt der Schweiz spöttisch: „Tour de Schiss“.

  
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