Ex-US-Geisel Kathryn Koob: „Anfangs hatte ich große Angst.“ Foto: US-Generalkonsulat/Walter Wieland

Die frühere US-Diplomatin Kathryn Koob erinnert sich an ihre Geiselhaft in der Botschaft in Teheran – auch ein Grund , weshalb die USA und der Iran seit 40 Jahren Erzfeinde sind.

Frankfurt - Manche Details erinnert Kathryn L. Koob noch glasklar: „Anfangs hatte ich große Angst, was mit mir und meinen Kollegen passieren würde“, erzählt sie.

Koob, heute 81 Jahre alt, aus dem Städtchen Waverly in Iowa, war eine von nur zwei Frauen unter den 52 US-Geiseln, die Anhänger von Ayatollah Khomeinis am 4. November 1979 für mehr als 14 Monate in der US-Botschaft in Teheran festhielten. Erst allmählich sei ihre Furcht einer gewissen Tagesroutine gewichen, erzählt die Ex-Lehrerin mit dem freundlichen runden Gesicht.

Im Unterschied zu einigen männlichen Geiseln, die von Schlägen und Scheinerschießungen berichteten, seien ihre Bewacher mit ihr „korrekt“ umgegangen, berichtet Koob in Frankfurt bei einer Vorführung des US-Films „Argo“von Regisseur Ben Affleck, der von der Flucht von sechs Botschaftsmitarbeitern handelt. Eingeladen vom US-Generalkonsulat.

Vier Monate Isolationshaft

Als US-Präsident Jimmy Carter den schwer krebskranken gestürzten Shah in ein US-Krankenhaus ließ, waren die Iraner erzürnt. Studenten stürmten vor 40 Jahren das Gelände der US-Botschaft in Teheran und nahmen den größten Teil des Personals als Geiseln, 444 Tage lang. Acht US-Soldaten starben bei einer fehlgeschlagenen Befreiungsaktion im April 1980. Ein Trauma, das die USA lange im Griff hielt. Bis heute bleiben beide Länder einander in inniger Feindschaft verbunden.

Die ersten vier Monate verbrachte Koob, damals neue Chefin der Iran-Amerika-Gesellschaft in Isolationshaft. Die übrigen zehn Monate wurde sie zusammen mit der Leiterin der politischen Abteilung von Studentinnen bewacht. Ihr Glaube, Gebete und die Bibellektüre halfen, die Tortur zu überstehen. „Spirituell bin ich sehr gewachsen“, erzählt die Protestantin. Von Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln bekam sie nichts mit. „Klar war mir nur, dass es keine Lösegeldzahlungen geben würde.“ Mitte Januar 1981 tauchten algerische Ärzte auf und untersuchten die US-Geiseln. Danach wurden die Amerikaner zum Flughafen gebracht. „Bis zur letzten Minute hatten wir Zweifel.“ Ein letzter Akt der Grausamkeit der Iraner gegenüber Präsident Carter, dem sie den letzten Sieg seiner Präsidentschaft verwehrten: Obwohl vereinbart war, die Geiseln im Dezember freizulassen, warteten die Iraner bis zu dem Augenblick, als Nachfolger Ronald Reagan den Amtseid abgelegt hatte, bis sie die Geiseln ausreisen ließen. Diese flogen über Algier auf die US-Basis Rhein-Main. Koob erinnert sich noch genau an den Augenblick, als sie aus dem Flugzeug stieg: „Überall standen Leute, winkten, schrien und klatschten“, erzählt sie. „Unglaublich.“

An der Abrisskante

Koob setzte ihre diplomatische Laufbahn fort, ging an die US-Botschaft nach Wien, leitete danach das Amerika-Haus in München. „Da erlebte ich den Fall der Berliner Mauer“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Im Bewusstsein älterer US-Bürger stehen ihre Geiselhaft an der Abrisskante der Erinnerung. Für jüngere liegt diese schon zu lange zurück. Koob, die oft Schülern ihre Erfahrungen erzählt hat, zeigt Verständnis für das allmähliche Vergessen. Die 400-jährige Geschichte der Sklaverei oder der Kampf um Frauenrechte seien wichtiger.

Gegenüber dem Iran, den sie nie mehr bereist hat, hegt sie keine Rachegefühle. Im Gegenteil. „Die Menschen dort ringen immer noch um ihre Zukunft. Sie sind immer noch arm“, meint Koob. Die Feindschaft mit dem „großen Satan“ USA gibt dem Mullah-Regime bis heute eine Daseinsberechtigung. Nur einmal schien eine neue Ära möglich, als Präsident Barack Obama anbot, „eine Hand zu reichen“, wenn der Iran seine „Faust öffnen“ würde. „Ich habe großen Respekt für Präsident Obama“, so Koob. Doch es kam anders: der Atomvertrag von 2015 brachte den Iranern keinen Wohlstand. Die Mullahs testen weiter Raketen und exportieren ihren Radikalismus. US-Präsident Donald Trump kündigte den Deal 2018 wieder auf.

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