Es gibt keinen gesunden Alkoholkonsum, sagen Experten, nur einen risikoarmen. Foto: dpa

Was ein Alkoholverzicht bringt, welche Mengen gefährlich sind und wie stark Alkoholika aufs Gewicht schlagen.Wir klären die wichtigsten Fragen zum Konsum von Bier, Wein und Hochprozentigem.

Stuttgart - Mancher Mythos über Alkohol hält sich hartnäckig, so wie der über das gesundheitsfördernde Gläschen Rotwein pro Tag. Da sind Forscher heute anderer Meinung. Wir stellen wichtige Erkenntnisse zum Thema Alkohol vor:

Wie viel Alkohol ist noch gesund?

Gesunden Alkoholkonsum gebe es nicht, sagt Helmut Seitz, Direktor des Alkoholforschungszentrums der Universität Heidelberg. „Aber es gibt einen Alkoholkonsum, der risikoarm ist.“ Der Mediziner und auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfehlen gesunden Frauen, nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag zu trinken. Das entspricht etwa 0,1 Liter Wein. Gesunde Männer sollten nicht mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen, was einem halben Liter Bier entspricht. Für manche Personengruppen sind aber schon diese Mengen riskant – zum Beispiel für Kinder und Jugendliche, Schwangere, Menschen, die bestimmte ­Medikamente zu sich nehmen oder Maschinen bedienen, sowie Menschen mit Krankheiten, die sich durch Alkohol verschlechtern wie Hepatitis B und C, Leberzirrhose, Depressionen, Herz-Rhythmus-Störungen, Schuppenflechte oder Bluthochdruck.

Gibt es guten und schlechten Alkohol?

Nein. Laut dem Forscher Seitz irritieren hochkonzentrierte Schnäpse mit 40 Prozent Alkoholgehalt die Schleimhaut von Mund und Speiseröhre allerdings mehr. Billigalkohol habe zudem schlechte Beistoffe wie Aldehyde, die Kopfschmerzen und Übelkeit hervorrufen können.

Nützt das tägliche Glas Rotwein nichts?

Mittlerweile wissen Forscher, dass 0,2 Liter Rotwein nicht förderlich für die Gesundheit sind. Bei einer kleinen Gruppe von Menschen allerdings könne das kleine Glas Rotwein den Herzkranzgefäßen helfen und eine Verkalkung aufhalten, so Seitz – nämlich bei Menschen über 65 Jahren oder bei Herzinfarktpatienten.

Was bringt ein Verzicht?

Wer in der Fastenzeit auf Alkohol verzichtet, gibt der Leber Gelegenheit, geschädigte ­Zellen durch neue zu ersetzen. Laut BZgA können sich innerhalb von zwei Monaten absoluter Abstinenz alkoholbedingte Entzündungen oder eine Fettleber zurückbilden. Weitere positive Effekte: sinkender Blutdruck, besserer Schlaf, Gewichtabnahme. Wer ein Feierabendbier gewohnt ist, sollte wenigstens ein paar Tage Pause machen und beobachten, ob er damit zurechtkommt oder ob er einen Suchtdruck verspürt, rät Alkoholexperte Seitz.

Wie gefährlich ist Alkohol?

Häufiges und vieles Trinken erhöht die Risiken für mehr als 200 verschiedene Krankheiten, insbesondere das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Übergewichtige sind empfindlicher als Normalgewichtige und Frauen anfälliger als Männer. Sie haben ein höheres Risiko für Brustkrebs und Leberzirrhose, so Seitz. Mädchen, die mit 14 Jahren anfangen zu trinken und dann ihr ganzes Leben lang chronisch weitertrinken, werden ein zweifach so hohes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Wer über 20 Jahre lang mehr als 30 Zigaretten raucht und eine halbe Flasche Wein am Tag trinkt, der hat ein 15- bis 20-fach erhöhtes Risiko, Speiseröhrenkrebs zu bekommen. Bei Krankheiten wie Leberzirrhose spielt die Genetik eine große Rolle, aber auch Faktoren wie zusätzliches Rauchen, Übergewicht, gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamente oder das Vorliegen bestimmter Erkrankungen.

Wie stark schlägt Alkohol aufs Gewicht?

Alkoholika sind kalorienreich. Ein Gramm reiner Alkohol enthält sieben Kilokalorien. Zum Vergleich: ein Gramm Fett entspricht neun Kilokalorien. Wer zum Beispiel ein Glas Sekt, ein großes Glas Bier und zwei Gläser Rotwein trinkt, konsumiert insgesamt 670 Kilokalorien. So viel steckt auch in einem Hamburger mit einer Portion Pommes frites. Auf die Hüften schlagen Hochprozentiges und Süßes. Viel Zucker enthalten Liköre (Eier- oder Kräuterlikör). In Weinbrand, Whisky und Rum steckt viel Alkohol. Sahnecocktails wie Pina Colada liefern zusätzlich auch noch Fett.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: