Freude über den Erfolg: Sara Brucker leitete die Transplantation in Tübingen. Foto: dpa

Eine transplantierte Gebärmutter führt in Tübingen zur Geburt. Für die Mutter ein Glück – für die Gesellschaft eine Herausforderung. kommentiert Willi Reiners.

Tübingen - Zwei Frauen, die ohne Scheide und Uterus zur Welt kamen, haben in Tübingen gesunde Kinder geboren. Wer wollte so hartleibig sein, sich nicht mit den jungen Familien zu freuen – und den Ärzten, deren Kunst dies ermöglicht hat? Doch die Uterus-Transplantationen durch Lebendspenden mit anschließendem Babyglück werfen Fragen auf. Da ist das gesundheitliche Risiko, dem sich die Spenderin ausgesetzt sieht. Dürfen Ärzte dieses Risiko eingehen, obwohl es nicht darum geht, ein Menschenleben zu retten? Andererseits: In Tübingen spendeten Mütter für ihre Töchter. Wer wollte diesen Akt der Mutterliebe verbieten? Es macht an diesem Punkt eigentlich keinen Unterschied, ob es sich um die Spende eines Uterus oder einer Niere handelt.

Weitere Fragen drängen. Postmortale Spenden sind möglich. Aber wäre es im Sinne der verstorbenen Spenderin, indirekt zur Mutter des Kindes einer anderen Frau zu werden? Was ist mit transsexuellen Frauen, die sich ein Kind wünschen? Auch darüber wird zu sprechen sein, obwohl das Verbot der Eizellenspende hierzulande diesen Fall noch ausschließt. Nicht zuletzt: Sollen Krankenversicherte die Transplantationen solidarisch finanzieren – komplett oder anteilig? Es ist Zeit, Antworten zu geben. Die Reproduktionsmedizin macht keine Pause.

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